Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Auf Kollisionskurs

2 Kommentare

An Renate, die Freunden und Lesern meines Zwetschgenmannblogs als Kunstfigur bekannt ist, kann ich meinen Unmut über andere Leute hemungslos auslassen. Sie wehrt sich nicht, denn es gibt sie ja nicht im realen Leben – bzw. gibt es sie schon, aber eben nicht als Einzelperson sondern als Kollage aus vielen kleinen Begegnungen. Hute also hier: Renate. Sie ist der eher asketische Typ, der auf sinnliche Verlockungen ebenso verzichtet, wie auf barocke Lebensart.
Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung – das ist das, was Renate schon immer gepredigt hat und selbst praktiziert. Mit ihrer Freundin Gudrun durchstreift sie sommers die heimischen Wälder. Bewaffnet mit zwei Stöcken betreiben die beiden angestrengt “Nordic Walking” und tauschen dabei Neuigkeiten aus. Beim Bauch-Beine-Po-Turnen, können die beiden das nicht, das stört die anderen und wird von der Übungsleiterin unterbunden. Woher ich das weiß: Keine Ahnung, ich war noch nie beim Bauch-Beine-Po-Turnen.
Im Winter und bei Regenwetter braucht Renate Alternativen. Darum sucht sie mit Gudrun das hiesige Schwimmbad auf und zieht gemächlich ihre Bahnen.
Kunststück, dass ihr Weg dann den meinen dauernd kreuzt – nämlich beim Kachelnzählen.
Nun sind Renates und Gudruns Bewegungsabläufe dergestalt, dass sich Wasseroberkante und Kinn gerade noch berühren. Der Mund bleibt vollständig unbenetzt, was den Vorteil hat, dass Wasser nicht hinein aber umso mehr Worte herauskönnen.
Erstaunlich ist, dass die beiden, obwohl permanent mit den Augen oberhalb des Wassers, keinerlei Blick für andere Schwimmer im Becken haben. Sie weichen nicht einen Millimeter aus, wenn Bahnenschwimmer ihnen auf den Fersen sind oder sich auf Kollisionskurs bewegen. Selbst wenn neben ihnen Platz wäre, korrigieren die eisernen Ladies ihren Kurs nicht. Warum auch?
Sie erwarten selbstverständlich Rücksicht. Wozu hat der Badbetreiber schließlich eine Bahn für Sportschwimmer abgetrennt? Dumm nur, dass die örtliche Seniorengruppe genau dort gerade ihre Wassergymnastik betreibt und wenn diese durch ist, der Tauchclub seinen Nachwuchsmitgliedern im abgetrennten Bereich das Schnorcheln beibringt.
Da bleibt uns Bahnenschwimmern nur das allgemeine Becken, in dem immer Platz für alle ist, man muss halt nur etwas zusammenrücken und hin und wieder mal ausweichen.
Macht Renate aber nicht. Und zu allem Überfluss bleiben die beiden Ladies genau dort am Beckenrand stehen, wo ein anderer Schwimmer und ich die Wende machen müssen. Sie warten förmlich darauf, eine Kollision mit einem Sportschwimmer zu haben, um anschließend lautstark zu zetern, das Becken sei für alle da (eben!), man müsse doch Rücksicht aufeinander nehmen, (hört hört!) dieses Benehmen sei rüpelhaft und unverschämt (ach ja?).
Fast bin ich versucht, sie bei einer der kommenden Bahnen zu touchieren. Aber das bringt mich aus dem Rhythmus der Schwimm- und Atemzüge. Und ich will mich ja mit meinen überschüssigen Kilos auseinandersetzen und nicht mit Renate. Schließlich brauche ich Renate noch länger, die Kilos hingegen nicht.
Als jedoch alle Kacheln gezählt und alle Bahnen erschwommen sind und ich mich am Beckenrand etwas erhole, werde ich Zeuge eines Dialogs, der wohl auch für meine Ohren bestimmt ist. Gudrun fragt Renate, ob man nicht mal den Bademeister befragen solle, wie denn da so sei mit den Baderegeln und den rüpelhaften Sportschwimmern. Der würde denen ja dann den Wasserrambos mal so richtig Bescheid geben. Eine gewisse Häme und ein Wille zum Triumph klingt in ihren Worten mit.
Derweil nähert sich eine Bahnenschwimmerin, weicht großräumig den beiden Damen aus und nähert sich nach steiler Verlagerung ihres angestrebten Wendepunktes dem Beckenrand.
Renate aber winkt ab. “Wieso?”, fragt sie ihre Freundin und deutet auf die sportlich Aktive. “Mit etwas Rücksicht geht’s doch. Und wenn sich andere daran mal ein Beispiel nehmen, dann ist doch alles gut.” Damit meint sie zweifelsohne mich.
Allein dafür, schwöre ich mir, verpasse ich ihr beim nächsten Mal doch einen kräftigen Tritt “aus Versehen”.
Was hiermit geschehen ist…

PS: So war es, ehrlich – nur dass ich keine Ahnung habe, wie Renate und Gudrun im wirklichen Leben heißen. Aber ich muss das auch nicht wissen.

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Auf Kollisionskurs

  1. Pingback: Aufrüsten « Operation Open Water

  2. Pingback: Das richtige Outfit « Operation Open Water

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s