Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Nervt es Sie, wenn ich davon rede?

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Schon möglich, dass Ihnen das permanente Reden von Abnehmen, von Fitness, Bewegungssucht usw. auf den Zeiger geht. Das ist Ihr gutes Recht und ich habe größtes Verständnis dafür.
Andererseits: Mir scheint, dass das Thema bei Menschen meines Alters schlagartig an Bedeutung gewonnen hat.
Alle reden davon, viele tun etwas, und wenn man in geselliger Runde zusammenkommt, dann dauert es nicht allzu lange, bis das Thema zur Sprache kommt.
Der Eine schiebt ein sauertöpfisches Gesicht vor sich her, pickt im Salat herum, während andere um ihn am Tisch den Schweinebraten genießen.
Ein Weiterer antwortet ausschweifig auf die Frage, wie es ihm geht. Statt mit einem „Gut“ oder „Geht so“ bzw. der nordeutschen Variante „Muss“ alles offen zu lassen, erzählt er umfangreich, dass er gerade fastet, sportelt, auf dem Abnehmtripp ist, eine besondere Diät durchführt oder was auch immer.
Ein Dritter, mit dem man sich für’s Kino verabreden will. ist plötzlich zeitlich durchgeplant – er muss trainieren. Er muss, er muss, er muss…

Ich gebe ja zu, ich bin auch nicht anders. Seit sechs Wochen nun tobe ich mich im Markt Schwabener Schwimmbad aus und fühle mich fitter, gesünder, leichter, wohler. Ich bin abends nach dem Training erschöpft, schlafe besser, esse weniger, verzichte auf Alkohol, auf ungesunde Kost, Süßwaren, zu viele Kohlenhydrate. Ok – ein Teil wegen der gerade aktuellen Fastenzeit, aber so fällt eben das eine mit dem anderen zusammen.
Es ist nicht gerade so, dass ich angefangen habe, bei jeder Mahlzeit Kalorien zu zählen. Aber ich achte doch wesentlich mehr darauf, was, wann und vor allem wie viel ich esse. Untypisch für mich: Ich mache daraus keine Wissenschaft, ich fülle keine Tabellen aus, studiere nicht (oder eher selten) die Nährwertangaben auf den Produktpackungen. Dazu esse ich viel zu gern und aus Genuss. Die Folgen davon waren ja entsprechend und müssen nun behoben werden.

Ich vermeide Aufzüge und steige statt dessen Treppen, stelle den Gürtel enger und freue mich, dass die Hosen anfangen, an den Beinen und vor allem am Hintern zu schlackern beginnen.
Die vergangenen sechs Wochen zeigen unübersehbar ihre Folgen. Und ich bin stolz darauf. Also rede ich auch gern darüber. Vor allem, wenn ich gefragt werde, ob ich abgenommen habe.
Erstaunlicherweise bin ich damit nicht allein. Unter Freunden und Kollegen tauschen wir uns aus. Wir geben uns Tipps. Wir sprechen uns Mut zu, weiterzumachen. So entseht ein kleiner Wettbewerb, ein wenig Leistungsdruck kann aber nicht schaden, wenn man immer wieder neu den inneren Schweinehund überwinden muss.
Der nämlich rührt sich allzu oft. Lieber gleich nach Hause, lieber heute nicht schwimmen gehen sondern ins Kino. Beim Essen gehen im Restaurant gern Vorspeise und Desert. Die Bierflaschen im Kühlschrank wollen geleert werden. Die Opposition gegen mein Vorhaben ist mächtig. Außen und innen.
Unterstützung ist natürlich auch da – und nicht zu knapp. Angefangen bei der eigenen Familie. Alle finden es gut und unterstützen mich. Und alle ertragen die Überllaunigkeit, wenn der Hunger oder die Gier auf „Was Leckeres“ mich wieder überkommt.
Bei anderen trumpfe ich natürlich gern auf, dass es dann doch mittlerweile vier Kilo sind, die ich verloren habe. „Bedenkt man“, kommentiert Freund Alex, „dass du ja gleichzeitig Muskelmasse wieder aufbaust, dann ist das doch mal ein guter Anfang.“
Da hat er recht. Wir erzählen uns also fortgesetzt unsere Heldentaten an der Front gegen die Kilos. Und das tut uns beiden gut.

Das nervt natürlich irgendwann alle anderen. Das ist mir schon klar. Sie auch?
Warum lesen Sie dann hier…

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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