Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Zu früh gefreut

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Merkwürdige Dinge gehen mit mir vor. Wesensveränderungen. Ich erwische mich dabei, dass ich – nachdem ich es über zehn Jahre nicht gemacht habe – mittlerweile wieder regelmäßig auf die Waage steige. Den Erfolg meiner Bemühungen will ich schließlich nicht nur beobachten und dokumentieren, ich will mich an ihm erfreuen. Und das täglich, wenn es denn geht.
Nun: Ein erster Erfolg hat sich ja schnell eingestellt. Zwei Kilo waren in nicht mal drei Wochen weg. Würde es doch so weitergehen.
Tut es aber nicht. Der Gewichtsverlust schleppt sich dahin, die Waage hält weitere zwei Wochen stoisch das Gewicht, so sehr ich mich auch anstrenge. So wenig ich auch esse.
Das ist nicht nur hinterhältig, das bedarf der Gegenkontrolle. Irgendwie traue ich dem Teil, das damals bei Ikea keine 10 DM gekostet hat, ja nicht wirklich über den Weg. Natürlich weiß ich vom Verstand her, dass ich der Waage trauen darf – bei aller Messungenauigkeit zeigt sie das Gewicht doch einigermaßen präzise an. Aber ich will ihr nicht glauben.
Wozu schwimme ich schließlich seit vier Wochen zwei bis dreimal wöchentlich, und jedesmal mindestens 2 Kilometer?
Meistens deutlich mehr.
Bahnen reihen sich an Bahnen, ich kenne mittlerweile jede Kachel im Schwimmbad per Du. Der Bademeister und das Reinigungspersonal grüßen mich längst als Stammgast.
Wie kann diese beschissene Waage es wagen, mir die gefühlten weiteren Gewichtsverluste zu bestätigen?
Betrügt sie mich?
Ist sie kaputt?
Bestimmt. Da bin ich ganz sicher. Die Laune sinkt dramatisch.
Die Gelegenheit, das zu überprüfen, ergibt sich auf einer Geschäftsreise, bei der ich im Hotelbadezimmer ebenfalls eine Waage entdecke. Jetzt werden wir ja sehen…

Denkste. Auch diese Waage zeigt an, was ich bereits von zu Hause kenne. Digital und mit 500g Genauigkeit hinter dem Komma. So eine Scheiße. Zu früh gefreut, die Laune ist am Nullpunkt angekommen
Es hilft nichts. Ich brauche eine weitere Motivation.

Die verschaffe ich mir, als ich meiner Fernsehzeitung eine Doppelseite mit Tests der neuen Notebooks entdecke. Ein Ultrabook, schlank elegant und funktionell. Das soll es sein. Es ist – wenn auch sehr einseitig – Liebe auf den ersten Blick.
Aber halt! Nicht so schnell! Erst müssen noch weitere 8 bis 10 Kilo weg.
Da mir das aber zu unpräzise ist, muss ein klar definiertes Ziel her, eine benchmark. Ich habe mir ein Gewicht in den Kopf gesetzt, das ich erreichen will. Und sobald die Waage das verlässlich anzeigt, dann werde ich mir sofort und ohne Rücksicht auf irgendwelche dann aktuellen Kontostände, das Ultrabook kaufen.
Das ist meine Bedingung und die werde ich eisern einhalten. Und sollte es das Ultrabook dann nicht mehr geben, wovon ich schon von vorneherein ausgehen kann, wenn das so weitergeht, dann kaufe ich mir eben das Nachfolgemodell. Ab in’s Wasser…

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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