Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Aufrüsten

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Hatte ich nicht eingangs gesagt, ich wolle eine Sportart ausüben, bei der ich nicht tonnenweise Equipment anschaffen muss?
Das aber erweist sich als folgenschwerer Irrtum. Sicher, der Eintrittspreis ist und bleibt unschlagbar günstig. Pro Besuch bezahle ich mit der Zehnerkarte Euro 2,20. Das gibt es sonst nirgends in der Region.
Für die ersten Besuche reichte ja auch ein Handtuch, eine Schwimm-Shorts, ein Shampoo, ein paar Badelatschen und eine Bürste. Das alles verstaut in einer Einkaufstasche aus Stoff.
Unvorstellbar, wenn ich mich zurück erinnere, wie ich noch vor ein paar Monaten ins Schwimmbad gestapft bin. Seitdem habe ich kräftig aufgerüstet. Teilweise aus guten Gründen, teilweise, weil ich es so wollte (was eigentlich auch ein guter Grund ist). Eben, um mich zu belohnen.

Das erste Utensil, das unbedingt notwendig war, war eine neue Chlorbrille. Und natürlich nicht etwa irgendeine, sondern wenn, dann bitte richtig: Eine vermögensschmälernde Aquasphere Aqua Sphere ®  Vista -selbstverständlich nicht einfach irgendein Plastikschrott, sondern die ungleich bessere, dichtere, weichere, nicht beschlagende Silikonvariante.
Die kleinen Schwimmbrillen, die einem fast den Augapfel aus dem Kopf saugen, waren nie so mein Ding. Immer drückten sie auf dem Nasensteg, jede unabsichtliche Berührung durch einen Mitschwimmer tat weh. Dicht schlossen sie sowieso nicht. Aber die neue Brille, die bringt’s.

Dann gab es natürlich noch einen Satz neuer Badehosen – dazu habe ich bereits an anderer Stellen ein paar Zeilen geschrieben. Doch damit war noch lange nicht genug.

Eine Brotzeitbox – oder um es im regionalen Jargon ihrer Herkunft auszudrücken Frühstücksdose  – wanderte ebenfalls in meine Schwimmtasche. Ok: Das war ein Geschenk von beloving Svenja. Eine schwarz-gelbe Plastikdose mit Wappen, eine klare Reminiszenz an die Echte Liebe aller Borussen. Sehr praktisch, wenn man die nasse Badehose verstauen will. Das ist natürlich nicht notwendig, man kann sie ja auch nach dem Duschen in die Kabine tragen und am Ende einfach ins Handtuch wickeln, aber bekanntlich kann man viel, wollen muss man auch. Und ich will eben die nasse Hose in diese Box tun. Der gebe ich damit nämlich endlich (!!!) eine Daseinsberchtigung. Falsch: Schwarz-gelbes Borussenzeugs hat immer eine Daseinsberechtigung. Ich gebe ihr eine sinnvolle Funktion.

Nicht umsonst, aber im Rahmen der Aufrüstung dringend notwendig war ein neues Schwimmhandtuch. Es ist ja nicht gerade so, dass wir keine Handtücher im Schrank hätten, und irgendwann hat jeder in der Familie seine Lieblingsexemplare ausgesucht. Pech nur, wenn zwei Leute auf das gleiche Handtuch abfahren. Dann ist das nämlich entweder im Beschlag oder – was viel häufiger vorkommt – benutzt in der Wäschetonne.
Abhilfe schafft da nur ein ganz spezielles Handtuch: Auch schwarz-gelb. Auch mit Borussenlogo und damit garantiert unantastbar für alle anderen. Das Handtuch ist eigentlich immer da, immer verfügbar und immer frisch gewaschen, wenn ich es brauche. So soll es sein. Dafür muss man halt noch mal ein paar Euro investieren.

Fehlt noch was in der Anschaffungsliste? Klar: Das echte, das einzig wahre Shampoo. Kann ja nicht sein, dass ich nach dem Schwimmen mir mit Kiwi-Shampoo, Zitrone-Ingwer oder Avocado-Mandel oder sonst einem Drogerie-Shampoo die Haare wasche und danach rieche wie ein Obstkorb. Sorry. Ich brauche zwingend das Shampoo mit der aufregenden Frische, einer Mischung aus Feuer und Ice, pflegend und inspirierend, und wie der ganz Schnickschnack in der Werbung und Produktbeschreibung so klingt: Die feuchtigkeitsspendende Formel mit Chili-Extrakt reinigt sanft, aber gründlich. Der coole Duft vitalisiert. Pflegende Frische für Haut und Haar, jeden Tag.

Nachvollziehbar, dass es so etwas sein muss, oder?

Und noch etwas muss sein: Ohrstöpsel. Das ist nun wirklich notwendig, nachdem mir ein paar Mal im Schwimmbad Wasser in die Ohren gelaufen ist. So ein paar Earplugs aus Silikon kosten nun nicht wirklich die Welt und sie erweisen sich in mehrfacher Hinsicht als extrem angenehm.
Wasser dringt nicht mehr ins Ohr und erspart mir, es mit einem ganz spitz gedrehtem Stückchen Taschentuch oder Klopapier herauszuholen. Von allein, das habe ich schon ein paar mal erlebt, kommt es nämlich nicht wieder raus. Da hilft auch kein Kopfschütteln oder Rumgehüpfe mehr.
Besser aber ist, dass die Plugs mir auch das Gesabbel und auch die bösen Rufe hinter meinem Rücken ersparen. Denn es kommt immer wieder vor, dass man als Schwimmer anepöbelt wird, wenn man seinen Weg durch einen – wie ich sie nenne – Schwarm dicker Kormorane bahnt. Die nämlich sind die korpulenten, meist schwarzem Badeanzug tragenden Damen, die nach der Wassergymnastik auf die Schwimmerseite wechseln und meinen, sie könnten schnatternd und ratschend im Verband durchs Wasser planschen. Mit solcehn Vögeln bin ich immer schnell auf Kollisionskurs Auch davon war hier schon die Rede.
Wer glaubt, dass damit das Ende des Aufrüstens erreicht sei, der irrt.
Ich brauche natürlich auch eine ansehnliche Schwimmtasche für den ganzen Krempel – nicht nur einen hässlichen Kunststoffeinkaufsbeutel. Ein Modell von Puma ist schnell gefunden. Ich wähle nicht das schwarz-gelbe Borussenmodell. So ganz möchte ich die überwältigende Mehrzahl der FC Bayern Fans, die hierzulande daheim ist, nicht provozieren. Orange-schwarz tut’s in dem Fall auch.
Und so sind – inklusive aller Badehosen – schnell knapp 200 Euro beisammen – für’s Nötigste und für eine Sportart, die man fast nackt ausübt.
Ich glaube allerdings nicht, dass es bei dem Betrag bleiben wird…

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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