Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Saisonende?

Ein Kommentar

Der Herst kommt näher. Still ruht der See.

Es geht dem Ende entgegen.
Nein!
Nicht mit mir, mit der Freiwassersaison. Das stimmt mich etwas traurig.
Nach einer etwas unangehmenen und ausführlichen Behandlung hat mein Kieferchirurg mir für die kommenden zwei Wochen sportliche Anstrengung verboten. Das ist zwar nachvollziehbar, aber schwer durchzuhalten. Vielleicht also war der vergangene Sonntag der letzte in diesem Jahr, in dem ich im Weiher ein paar Runden gedreht habe.
Aber die Zwangspause ist nicht der einzige Grund, sich wehmütig vom Freiwasser zu verabschieden. Herbstlich wird es und daher abends früh dunkel. Zu dunkel, um nach vierzehn Tagen abends noch nach der Arbeit schnell mal zum Schwimmen an den Weiher zu fahren. Mag ja sein, dass es romantisch ist, im Mondschein in die Fluten zu steigen, aber ich bin nun mal kein Romantiker, der sich zu den Zeilen Eichendorffs oder Novalis‘ ins todessehnsüchtig Wasser wirft. Ich bin auch kein singender oder sterbender Schwan, der zu Tchaikowsky-Klängen einsam und kreuzunglücklich seine Bahnen zieht oder sich von der Band Karat besingen lässt. Und da die Abende ausfallen, bleiben nur die Wochenenden. Und auch die muss ich schweren Herzens erstmal absagen, gut, dass ich sie sowieso schon mit Programm mehr als ausgestopft habe. Schließlich ist in Bayern Wiesnzeit…
Ganz abgesehen davon: Das Wasser ist mittlerweile zapfig kalt – trotz Neopren. Und es wird nicht besser. Vergangenen Sonntag, als es ein richtig schöner und warmer Spätsommertag war, konnte ich mich davon überzeugen. Lediglich die seit dem Vormittag von der Sonne beschienen Stellen waren halbwegs warm. Zwar steht noch immer auf der Kreidetafel am Kiosk 21,8 ºC Wassertemperatur. Aber das glaubt schon lange niemand mehr. Schließlich steht das seit Mitte August dort. Ins Wasser lockt das auch niemanden mehr.
Zwar ist die Liegewiese am sonntäglichen Weiher von Radlern und Sonnenanbetern gut gefüllt, aber nur einige Verwegene steigen in Badekleidung ins Wasser. Kaum 100m schwimmen sie, dann sind sie wieder heraus, schnaufend, prustend, schlotternd. Zeitweilig bin ich ganz allein im Wasser, herrlich.
Irgendwo ist ein Ruderboot mit einem Angler, ich halte Abstand, denn einen Angelhaken brauche ich weder im Hinterkopf noch im Neoprenanzug. Sonst ist niemand im Weiher. Ruhe, Stille, reflektierendes Sonnenlicht. Kühle im Schatten wechselt mit aufgewärmten Wasser, das so klar ist wie selten. Das allein lässt mich zum Genießer des Augenblicks werden. Dann entdeckte ich einen anderen Schwimmer, der ebenfalls im Neoprenanzug seine Bahnen zieht. Er schwimmt schneller, unruhiger, sicher auf Zeit. Ich nicht. Ich lasse mir heute Zeit, genieße diesen Tag, jeden Schwimmzug.
Ein erstes kleines Fazit kann ich ziehen: Mein Neonprenanzug hat sich nicht nur bewährt, es hat sich auch gelohnt. Ich war wesentlich öfter (und vor allem länger) im Wasser als es ohne Anzug möglich gewesen wäre. Und es ist immer wieder großartig, egal ob Starkregenoder Wochenendhochbetrieb. Es macht mir nichts mehr aus, am Ufer beim Anziehen des Neoprenanzugs beobachtet und belächelt zu werden, denn die Menschen, die das komisch finden und meinen, den einen oder anderen Kommentar abzugeben, disqualifizieren sich allesamt selbst.

Saisonende? Hoffentlich noch nicht..

Da gibt es die eher Korpulenteren unter den Sonnenanbetern. Sie wälzen sich auf ihren karobemusterten Picknickdecken, stopfen Pommes, Bier oder Cola vom Kiosk in sich hinein und schaffen es – wenn überhaupt mal – gerade bis zum Knie ins Wasser. Dann schütteln sie angesichts der Kälte ihre kolossalen Leiber und kehren missmutig zu ihrer Decke zurück.
Nein, ihr Spacken, ihr braucht gar nicht so blöde grinsend zu fragen: Ich gehe jetzt nicht tauchen. Hab ich vielleicht eine Flasche auf dem Rücken, Flossen an den Füßen oder einen Schnorchel im Mund?
Nicht weniger unqualifiziert kommen hin und wieder ein paar amüsierte Blicke von den hageren Ü65ern, die spätestens ab Mai jeden Tag am Weiher verbringen: möglichst knapp bekleidet, immer mit Gartenliege, Radio und Kühltasche. Hager, dunkelbraun gebrannt wie ein Grillhähnchen liegen sie stundenlang in der Sonne, trinken Tee aus der mitgebrachten Thermoskanne und studieren die Bildzeitung. Nie habe ich gesehen, dass einer dieser Bruzzler ins Wasser gegangen ist. Warum sollten sie auch? Sie sehen ja auch eher danach aus, als ob sie maligne Melanome züchten. Trotzdem finden sie es übertrieben, wenn man zum Schwimmen einen Neopreananzug anzieht. Wie sollen sie das beurteilen können? Ihre durgelederte Huzt dürfte längst jede Sensibiltät verloren haben. Wie auch ihr ausgedörrtes Hirn. Gut, wenn man von den Ärzten gelernt hat: „Lass die Leute reden und hör ihnen nicht zu…“
Schon jetzt weiß ich, dass es mir schwer fallen wird, zurück zum geregelten Kachelzählen im Schwimmbad zu kehren. Andererseits: Da ist das Wasser dann deutlich über 24 ºC, keine Wasserpest befingert mich, ich muss nicht so viel Zeug mitschleppen, ich kann wieder auf dem Heimweg nach Arbeit schwimmen gehen… und mich auf’s kommende Frühjahr freuen!

Aber vielleicht habe ich ja Glück und im Oktober geht doch noch mal an einem Sonntag was…

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Saisonende?

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