Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Augen zu und durch

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Jedes Ding hat seine zwei Seiten. Das wissen Sie. Warum ich Sie trotzdem mit dieser Binsenweisheit langweile?
Ich wäge gerade ab, ob Freiwasserschwimmen oder Hallenbadschwimmen die schöneren Schwimmerlebnisse und besseren Voraussetzungen bietet. Natürlich ist es, was den Trainingseffekt angeht, das Hallenbad. Hier weiß man metergenau, wie viel Strecke man in welcher Zeit zurückgelegt hat. Im Weiher ist eine Runde immer nur ein ungefährer Wert, will man nicht mit Triathlon-Bordcomputer-Blackbox ausgestattet unterwegs sein.
Im Hallenbad kann man sich wunderbar an den dunklen Kacheln und dem Grund orientieren, um seinen Weg zu machen. Im Weiher geht das auch nicht. Algen und Schwebstoffe legen einen gelblich-braun-grünen Schleier vor die Schwimmbrille. Man sieht einige wenige Zentimeter weit, dann wird alles trüb. Das ist vielleicht auch besser so. Ich möchte gar nicht wissen, ob auf dem Grund alte Autoreifen, Kinderwagengestelle, angeblich geklaute Mofas und sonstiges versenkt wurden. Vielleicht möchte ich auch gar nicht so genau wissen, mit welchem Viehzeugs ich das Weiherwasser teile und noch viel weniger, was die gerade dadrin machen. Nicht ganz ohne Grund formulierte einst William Claude Dukenfield alias W.C. Fields  I don’t drink water. Fish fuck in it.
Das kann (oder sollte) in einem Hallenbad eher nicht geschehen. Erstens gibt es dort keine Fische und zweitens ist Badegästen der Vollzug eines Geschlechtsakts in der Öffentlichkeit verboten, zumindest dort, wo ich schwimmen gehe. Und man höre und staune: Daran halten sich alle. Das mag in anderen Spaßbädern oder in dunklen Außenbecken von Saunalandschaften anders sein, hier aber ist das so. Gehört habe ich davon schon öfter, aber gesehen habe ich das zum Glück noch nicht, und genau das ist einer der unschätzbaren Vor- und gleichzeitig Nachteile: Unter Wasser sieht man alles.
Natürlich nur, wenn man

1. einen Schwimmstil hat, bei dem man nicht darauf achet, dass maximal die Kinnspitze unter die Wasseroberfläche gerät,
2. man unter Wasser die Augen auflässt und sinnvollerweise
3. eine Schwimmbrille trägt, die
4. nicht beschlägt.

Dann aber bekommt man auch als Schwimmbadbesucher Dinge zu sehen, die einem sonst verborgen bleiben. Allerdings auch Dinge, um es gleich zu sagen, die man lieber nicht sehen will. Schon einmal erwähnte ich in meinem Blog einen extrem behaarten Männerrücken, aus denen bei jedem Schwimmzug tausende kleiner Luftbläschen stiegen. Das schaut, schwimmt man hinter solchen Menschen her, nun alles andere als appetitlich aus. Der Gute kann nichts dafür, dass er eine übermäßige Körperbehaarung hat, aber sehen will ich das trotzdem nicht.
Man kann auch nicht erwarten, dass er sich seinen Rücken epilieren lässt, warum sollte er auch? Und man kann auch Menschen mit viel Körperbehaarung nicht den Schwimmbadbesuch verbieten – allein aus ästhetischen Gründen. Ginge das, wären die Becken leer. Denn dann würden auch weitere ästhetische Kritikpunkte zum Ausschluss am Badevergnügen führen und soweit will ja niemand gehen. Oder? ODER?

Zurück zum Thema: Es geht mehr um das krasse Missverhalten so mancher Badebesucher unterhalb der Wasseroberfläche. Offensichtlich sind sich viele Schwimmbadbesucher, die Beckenrandsteher vor allem, nicht bewusst, dass Schwimmer unter Wasser einfach ALLES sehen. Sie benehmen sich wie Autofahrer im Stau, die hemmungslos in der Nase herumpopeln, weil sie denken, sie wären allein und unbeobachtet. Sind sie aber eben nicht.
Denken Sie bitte nicht, wir wären Spanner, wenn wir unsere Bahnen ziehen. Das sind wir ganz sicher nicht, aber irgendwohin müssen wir schauen. Bei fast schon automatisierten Bewegungsabläufen kann man auch nicht immer einfach weg schauen und so werden wir nun mal Zeuge, wenn sich junge Damen am Beckenrand stehend die ohnehin knappe Bikinihose aus der Poritze zupfen, bevor das Stück Stoff von selbiger endgültig aufgefressen wird. Ich will das nicht sehen, aber was kann ich tun? Verschämt die Augen schließen und gegen den Beckenrand knallen?
Ich will auch nicht sehen, wenn pubertierende Jungs mit der Hand in ihre Shorts fahren und ihre Geschlechtsteile wieder ordentlich verräumen, nachdem sie ins Wasser gesprungen sind (und ja, das macht wohl nur diese Gruppe Badegäste). Ich kann ja verstehen, dass in den Schlabberbuchsen alles kräftig durcheinandergewirbelt wird, aber die Sortieraktion könnte durchaus etwas diskreter erfolgen. Tut sie aber nicht. Gänzlich ungeniert (weil unter Wasser) wird vorne und hinten am Schritt kräftig geräumt, gerichtet, gezupft, gekratzt.
Muss ich nicht mit ansehen, will ich auch nicht, aber selten genug hat man die Wahl.

Da lobe ich mir die Diskretion des Weihers. All das bleibt in der Trübnis des Wassers dem Schwimmer erspart.
Wen stören da schon ein paar fickende Fische?

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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