Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Heinz ist ein Held – und ein Idiot

Hinterlasse einen Kommentar

weiher5Das ist hart, aber es ist leider die Wahrheit. Heinz ist ein Idiot.
Anmaßend ist das, und herablassend. Das gebe ich zu. Ich kenne Heinz gar nicht, ich weiß nicht mal, wie er wirklich heißt. Also nenn ich ihn Heinz in der Hoffnung, dass er in Wahrheit einen anderen Namen trägt und diesen Blogpost nie zu gesicht bekommt.
Dass ich Heinz umtaufe, finde ich nun wieder akzeptabel, schließlich nennt er seine Frau Schnuffelchen , und die heißt bestimmt nicht so. Vielleicht Gerda, oder Renate. Oder Sigrun. Mir ist das egal. Ihm offensichtlich auch, sonst würde er sie nicht Schnuffelchen nennen und in einer Tour volltexten.
Schnuffelchen interessiert das nicht. Sie liest in ihrem Romanheftchen, vermutlich aus der Reihe „Dr. Stefan Frank“. Das musste ich googeln, denn ich kenn nur „Perry Rhodan“-, „Lassiter“-, „Gruselkrimi“- und „Landser“heftchen aus meiner Jugend. Und ja: Wie konnte ich ihn vergessen: „Jerry Cotton“.
Schnuffelchen sieht nicht so aus, als ob sie diesen heroischen Geschichten, in denen die Welt gerettet, der Wilde Westen erobert, die Ostfront verteidigt oder der gemeingefährliche Schurke zur Strecke gerbracht wird, interessieren dürfte. Obwohl Dr. Frank vielleicht auch ein Held ist, und ein echter Kerl. Ich habe keine Ahnung.
Das ist in diesem Zusammenhang auch nicht weiter wichtig.
Aber Heinz ist wichtig.
Denn Heinz ist ein Held.
Glaubt er.
Und weil er das glaubt, erzählt er es seinem Schnuffelchen.
Dass dabei alle anderen im Umkreis von 25 Metern auf der Liegewiese des Weihers Zeuge seiner Heldentaten werden, ist ihm egal.
Vielleicht legt er es sogar darauf an. Kann ja jeder hören, welche Großtat er gleich verbringen wird.
Mein Pech ist, dass ich direkt neben Heinz meine Schwimmtasche ins Gras gestellt hab, bevor ich meine Runden im Weiher geschwommen bin.
Viel waren es dieses Mal nicht. Ich will ehrlich sein: Vier Stück – rund 2,2km. Das ist angesichts echter Helden wie Christof Wandratsch natürlich lächerlich. Das weiß ich selbst. Während Wandratsch stundenlang durch den eiskalten Königssee schwimmt, frier ich heute schon nach zwei Kilometern dermaßen, dass ich das Wasser verlasse. Aber ich trainiere ja auch nicht die Bodenseedurchquerung sondern halte mich nur ein wenig fit und mein Körpergewicht unterhalb der psychologisch wichtigen 80kg-Schmerzgrenze. Was mir erstaunlich gut gelingt. Wandratsch bewundere ich – und noch mehr, seit ich weiß, dass er gar nicht so viel jünger ist als ich. Tut gut zu wissen, dass auch Ü40 grandiose Leistungen möglich sind.
Ü50 scheint das auch noch zu gehen – das kündigt jedenfalls Heinz an, während ich knapp 10m von ihm entfernt auf der Wiese sitze und mich aufwärme. Es gelingt mir nicht, sein Gerede auszuzblenden.
heinzHätte ich doch einen iPod dabei.
So aber muss ich ihm zuhören, wie er Schnuffelchen ankündigt:

Jetzt geb ich noch mal richtig Vollgas. Ich schwimm noch ne Runde, und dann fahren wir heim.

Dabei ballt er die Faust, winkelt den Unterarm an und reißt dann den Arm ruckartig nach unten. „Yeeaah! Strike!“ höre ich ihn sagen, aber das ist Einbildung. Das macht er nicht wirklich.
„Ja, ja…“brummelt Schnuffelchen, vermutlich hat Dr. Frank gerade nicht nur ein Menschenleben gerettet sondern auch einen Herbruch erfolgreich geheilt. Dabei will sich Schnuffelchen nicht stören lassen.
Sie schaut nicht mal auf.
Heinz, durchaus kein Held im Sinne antiker-griechischer Bildsprache, wirft sich in seine schlabbrige schwarzen Schwimmshorts und wackelt ins Wasser. Ich sehe ihm nach und weiß, dass ich über ihn bloggen werde.
Das ist ebenso arrogant wie zynisch – aber „it’s beyond my control!“
Wäre mir gerade nicht so wohlig warm – ich bin der einzige, der gerade auf der Wiese eine Jacke an hst, noch dazu eine schwarze – ich wäre ihm glatt nachgesprungen.
Keine Viertelstunde später kommt Heinz tropfend aus dem Wasser zurück, nimmt seinen Schmöker (er liest Frank Schätzing) von seinem Handtuch und legt es auf das von Schnuffelchen. Dann wickelt er sich ein.
Muss ’ne Mordsrunde gewesen sein.
Während er sich abtrocknet, gelingt mir ein Foto mit dem Handy. So etwas muss ich einfach dokumentieren. Das glaubt mir sonst wieder kein Mensch.
Heinz, Du Held.
Schnuffelchen ist stolz auf Dich.
Und Dr. Stefan Frank ganz sicher auch.
Genug geschrieben, ich schwimm doch noch ein Ründchen und dann geht’s heim. Strike!

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s