Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Abgebrochen…

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Eregen2in wenig enttäuscht sitze ich unter dem Vordach der Wasserwacht am Wiflinger Weiher und schaue dem Regen zu. Es prasselt. Gewaltig. Blitze durchzucken hin und wieder den Himmel, ein Donner kracht.
Das war’s dann für heute.
Ich habe das Training abgebrochen.
Nicht wegen des Regens – aber aus Sicherheitsgründen.
„Nun ja“, spottet mein innerer Schweinehund. „Das war ja angekündigt. Und Du hast die Wetterberichte gehört. Gewitter und Schauer waren angekündigt. Du hättest Dir den Weg hierher sparen können.“
„Ja“, steige ich in den inneren Dialog ein. „Aber erinnere Dich an Sonntag. Wir waren in Erding, es hat gewittert und geschüttet. Bei uns zu Hause ist kein einziger Tropfen vom Himmel gefallen. Und das war keine 20km entfernt.“
Der Schweinehund schweigt. Ich trete nach: „Gewitter sind ein absolut lokales Ereignis. Es hätte also genauso gut sein können, dass es gut geht.“
„Du hättest es trotzdem wissen können“, erwidert er. „Sonst behauptest Du doch immer, Du kennst Dich aus, starrst in die Wolken, bla… bla… bla. Du hättest es sehen können“
Da hat er recht. Ich meine immer, zumindest daheim relativ genau sehen zu können, ob ein Gewitter, das im Anmarsch ist, sich über unserem Dorf entladen oder weiterziehen wird. Aber ich bin nicht in unserem Dorf.
„Ok“, gebe ich zu. „Aber es hätte doch auch vorbeiziehen können. Oder sich Zeit lassen können. Wir wissen doch beide, dass es manchmal recht lange dauert, bis das Gewitter in Fahrt kommt. Oder es kommt gar nicht und donnert 30km weiter westlich vorbei.“
Hätte, wäre, wenn…
Dieses Mal aber ist es nicht so. Der Schweinehund hat recht. Der Himmel ist dunkel, als ich nach der Arbeit ins Auto steige, ein paar Tropfen klatschen auf die Windschutzscheibe. Ich fahre Richtung Osten, nach Hause, aber vorher noch zum Weiher. Hier ist der Himmel zwar bewölkt, aber mit jedem Kilometer Richtung Osten ist es deutlich heller, zumindest bilde ich mir das ein. Es kann – so denke ich – also gut gehen. Das Wetter kommt von Westen, es zieht mir nach. Aber erstens hoffe ich auf eine zeitliche Verzögerung, zweitens kann es ja auch gut gehen und das Gewitter zieht vorbei. Wäre ja nicht das erste Mal.
Aber es geht nicht gut. Ich bin keine Viertelstunde im Wasser, da prasselt es gewaltig von oben. Das stört mich nicht im Geringsten. Im Gegenteil. Es gibt wenig Schöneres als im angenehm warmen Wasser zu schwimmen während es regnet. Davon habe ich schon einmal geschwärmt. Das Wasser ist wunderbar weich. Mit einem Mal sind alle Pflanzen, die im Wasser treiben, verschwunden, auch die Blätter, Birkenamen, Algenklumpen auf der Wasseroberfläche: Einfach alles. Der Regen macht mir – wie gesagt – nichts aus. Im Neopren und mit Schwimmbrille bekomme ich sowieso fast gar nichts davon mit.
Wind zieht auf, der Himmel wird immer dunkler – also nicht nur ein Schauer. Es ist ein Gewitter. Und das macht mir eine ganze Menge aus. Es ist lebensgefährlich, wie immer wieder zu Recht zu lesen ist.
regen1Also entscheide ich mich, das Wasser schnellstmöglich zu verlassen. Mittlerweile hat der Himmel eine giftige Farbe angenommen.
Ich passiere einen kleinen Steg. Wäre bestimmt lustig, sich das Gewitter über unter diesem Steg zurückzuziehen und im Wasser zu bleiben. Aber der Blitz kann ja auch so ins Wasser einschlagen oder in einen der Bäume am Ufer. Nein danke: Kamikaze muss ich nicht haben.

Zwei Frauen, die ebenfalls ihre Runden schwimmen, folgen mir. Während ich – doch ein wenig beunruhigt – meine Anziehsachen unter dem Hüttenvordach einigermaßen regensicher deponiert habe, liegen Handtuch und Garderobe der beiden Frauen in Plastiktüten verpackt auf einer Bank. Da sind sie zwar trocken, aber die beiden suchen sich im strömenden Regen etwas Schutz unter den Bäumen, um sich umzuziehen. Nass werden sie in jedem Fall.
Ich laufe den Weg am Ufer entlang zur Hütte. Das sieht bestimmt lustiger aus als es ist: Ein Typ im Neoprenanzug bei sintflutartigen Regenfällen, der einen Waldweg entlang läuft, ein Amphib, das aus dem Wasser kommt, wenn es nur überall nass genug ist. Ein Wasserfrosch. Ist mir egal. Der Regen stört mich weniger als die vielen Steine auf dem Boden, denn ich bin barfuß.
Als ich die Hütte erreiche, stelle ich fest, dass die Regentropfen meine Garderobe nicht erreicht haben. Allerdings sind meine Schuhe mittlerweile schwimmen gegangen. Sie stehen in einer Pfütze, die sich gebildet hat; beide Paare, denn ich habe immer ein Paar Freizeitschuhe mit, die ich nach dem Schwimmen anziehe. Ich hasse es, aus dem Wasser zu kommen, sich abzutrocknen, Anzugsocken und Büroschuhe wieder anzuziehen.

„Das kommt davon, wenn man sie ordentlich unter, statt einfach auf die Bank stellt“ verhöhnt mich der Schweinehund.
Dazu ist es natürlich jetzt zu spät.
Klugscheißer.

Was er nicht weiß: Die Gewitter sollen ja mittlerweile vorbei sein, heute starte ich einen zweiten Anlauf.

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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