Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Testlauf Chiemsee

Hinterlasse einen Kommentar

chiem06

Erst mal radeln…

Im Oktober 2012 war’s, als ich auf die lustige Idee kam, von Felden am Chiemsee hinüber zur Herreninsel und vielleicht den gleichen Weg wieder zurückzuschwimmen – meine persönliche Challenge.
Leider gab es noch keine Gelegenheit, aber am vergangenen Wochenende konnte ich einen ersten Testlauf starten. Nicht, dass ich ernsthaft vorhatte, diese Strecke mal eben „im Vorbeigehen“ zu schwimmen, dazu passten die Rahmenbedingungen nicht. Aber das Terrain sondieren, schon mal antesten – das wäre ja schon mal ein Anfang.
Es war ein wunderbarer Sonntag im Chiemgau, den ich damit begann, auf meinem alten Mountainbike die Gegend rund um Rottau und Grassau abzustrampen und die Kendelmühlfilze zu umrunden bzw. zu durchqueren – natürlich nur dort, wo Radfahren erlaubt ist. Es folgte ein fulminanter Grillnachmittag mit frischem Chiemseefisch und dann war mir danach, vor der Heimfahrt am Abend im Bayerischen Meer schwimmen zu gehen. Die Gelegenheit war einfach günstig und die Rahmenbedingungen optimal:

chiem07

… wie durch Rohan.

Das Wasser warm, aber nicht zu warm, es war windstill, am Abend nicht mehr allzu viele Leute am Strandbad. Nicht, dass mich letztere stören, und im Wasser beim Schwimmen sowieso nicht, aber man möchte ja auch irgendwo seine Tasche und sein Handtuch hinlegen.
Kurz nach 18.00 Uhr schlüpfe ich auf dem Badesteg in meinen Neoprenanzug. Natürlich gibt es immer Badegäste, die das interessiert oder belustigt beobachten. Sie können nicht nachvollziehen, warum ein Schwimmer sich in eine enge Gummipelle pellt, wo doch das Wasser so schön warm ist. Entsprechende Bemerkungen bleiben auch dieses Mal nicht aus. Ich kenne das schon.
Nur: Diese Klientel hält sich vielleicht ein halbes Stündchen im Wasser auf und noch dazu im flachen Bereich. Mich aber zieht es hinaus, ich möchte zumindest mal win gutes Stück Richtung Herreninsel schwimmen. Mal sehen, wie das so ist. Und ich bereue es keinen Moment, den Neoprenanzug zu tragen. So warm ist das Wasser nämlich gar nicht – zumindest nicht auf Dauer.
Extremschwimmer Christof Wandratsch hat mal in einem Interview im Bayerischen Rundfunk, das ich gehört habe, gesagt, mit Neoprenanzug zu schwimmen sei, wie auf den Mount Everest mit Sauerstoffmaske zu steigen. Soll er das so sehen, mir wurscht. Ich bin kein Extremschwimmer, ich bin Freizeitspüortler. Und ich bin froh, dass der Anzug warm hält und dass er einen gewissen Auftrieb gibt.

chiem04

Einmal rüber und zurück ? Zunächst antesten.

Zug um Zug, Meter um Meter schwimme ich hinaus. Immer Richtung Herreninsel. Das Ausflugsschiff Stefanie, das vom Bernauer Anlegesteg zurück Richtung Prien fährt, macht ein paar Wellen, ansonsten ist das Wasser nahezu spiegelglatt. Trotz der relativ späten Zeit dümpeln noch immer jede Menge Segler und Ausflugsboote auf dem Wasser. Ich passiere mit einigem Unbehagen ein Ruderboot, in dem zwei Angler sitzen. Irgendwie ist mir das immer suspekt. Schnell mache mich Strecke. Regelmäßig halte ich kurz an und drehe mich um. Ich möchte ein Gefühl dafür bekommen, wie weit ich beriets geschwommen bin, ob und wann ich die Hälfte der Distanz erreicht habe. Dann will ich umkehren. Es geht ja – wie gesagt – nur um das Gefühl für die Strecke.
Nach jedem Blick zurück treibt es mich weiter nach vorn. Noch ein Stück, noch ein Stück. Noch nicht umkehren. Geht schon noch.
Der Gedanke wird stärker, ich könnte es doch gleich erledigen. So weit ist die Insel doch nun gar nicht mehr entfernt. Irgendwann wird mir bewusst, dass ich überhaupt nicht darauf vorbereitet bin, beide Strecken zu schwimmen, aber genau das machen will: Niemand weiß davon, niemand ist am Ufer, der einen Blick auf mich hat, von einem Begleitboot mal ganz zu schweigen. Na prima.
Und das ist noch nicht alles: Es müsste auch so gnz langsam auf 19.00 Uhr zugehen. Irgendwann wird es kühler und dann auch dunkel, spätestens auf dem Rückweg wird die Dämmerung einsetzen. Es wäre also absolut idiotisch, den Weg fortzusetzen. Immerhin bin ich noch auf dem Hinweg. Zwar sind noch immer Boote unterwegs, ich bin also nicht mutterseelenallein. Aber trotzdem: Das ist Leichtsinn und Schwachsinn, zur Insel zu schwimmen.
Es wird Zeit, umzukehren.
Nur noch ein Stück. Sagen wir 20 Züge, oder Nein: 50. Oder hundert? Ich zähle bis hundert. Jetzt müsste ich umkehren!
Aber ich schwimme weiter, längst ist die Herreninsel näher als das Feldener Ufer. Noch mal hundert Züge. Zum Greifen nah, scheint das Ufer. Nur noch ein Stück. Nur noch ein ganz Kleines. Dann ist es geschafft.
Falsch. Ist es nicht.
Die Insel ist noch ein ganzes Stück entfernt. 20 Minuten werde ichmindestens noch brauchen, schätze ich, vielleicht auch 30, wer weiß das schon? Wie schnell irrt man sich im Wasser.
Die Vernunft siegt.
Ich kehre um.
Schade. Andererseits: Ufer, See und Insel gehen mir nicht verloren. Und ein nächstes Wochenende steht fast vor der Tür. Vielleicht wird es dann was.
Zumindest habe ich jetzt einen Eindruck, wie weit es ist und weiß, wie ich mit den Kräften haushalten werde, wenn ich die Challenge tatsächlich in Angriff nehme. Ich habe zwar nach wie vor Respekt vor der Distanz, aber keinen Zweifel mehr, ob es bei meinem aktuellen Fitness-Stand überhaupt machbar ist.
Der Rückweg wartet.
Und der ist – wie immer – schneller bewältigt als gedacht. Zwischendruch denke ich mir, der Belustigungs-Eisberg am Feldener Strandbad will und will nicht näher kommen, so viel ich auch schwimme. Aber das ist natürlich Unfug. Mit jedem Zug verringert sich die Distanz. Jetzt sich bloß nichts einbilden.

chiem03

Zielpunkt für den Rückweg. Der Feldener „Iceberg“.

Als ich in Felden am Steg aus dem Wasser steige, bin ich sehr zufrieden mit mir. Wunderschön war’s. Aber unterschwellig denke ich: Naja, ein Stückchen weiter hätte ich eute ja doch schwimmen können.
Es ist ja noch hell und es ist warm. Noch immer liegen ein paar Leute in der Abendsonne, noch immer sind ein paar Schwimmer in Stegnähe unterwegs, die den Steg umkreisen, noch immer toben ein paar Jugendliche im Wasser.
Was die Zeit angeht, habe ich mich total verschätzt. Es ist gerade mal 19.30 Uhr, ich dachte, ich wäre viel länger unterwegs gewesen.
Das heißt, dass ich mir eine wasserdichte Uhr zulegen sollte.
Gleich mal googeln.

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s