Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Drunten am Fluss (Teil 1)

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Ein echter Freund teilt Freud und Leid mit einem. Das ist eine Binsenweisheit.
Alex, von dem in diesem Blog schon mehrfach die Rede war, ist so ein Freund. Als er den Beitrag Abgebrochen liest, in dem ich von meinem Gewitterpech geschrieben habe, ruft er mich am nächsten Tag an. Er verspricht mir, mir einen der schönsten Schwimmplätze zu zeigen, die er kennt – so als Trost für den verregneten und verblitzen Abend. Ganz einsam, ganz verschwiegen – trotz der Dörfer und der Kreisstadt in der Nähe sei es dort, schwärmt mir vor, traumhaft schön im „bacherlwarmen Wasser“ – daran erkenne ich den Münchner in ihm.
Gegen den „Strom“ schwimmen, wie auf seinem Heimtrainer – auspowern und doch immer auf der gleichen Stelle bleiben. Das solle ich doch mal mit ihm zusammen ausprobieren. Ich bin ohnehin schon begeistert, dann aber schickt mir die Googlekoordinaten und ich weiß sofort, als ich mir das Luftbild ansehe: Diesen Platz will ich kennenlernen:
flusslauf
Wir verabreden uns für einen Freitag abend – direkt nach der Arbeit wollen wir uns dort treffen. Und dann ab ins Wasser. „Geteilte Freude ist eben doppelte Freude, und gute Freunde teilen so etwas“. Ich bin ein wenig gerührt. Und ich rechne ihm – noch mehr aber seiner Frau – hoch an, dass er sich den einzigen gemeinsamen freien Abend, den wir finden können, die Zeit nimmt. Denn am darauffolgenden Samstag geht es für ihn in die Ferien. Da hat ein Familienvater eigentlich anderes zu tun, als mit einem Spezl ins Wasser zu steigen – zum Beispiel das Auto schon mal vorpacken.
Alex aber hat vorgesorgt, er hat bereits gepackt (erzählt er)  und daheim versprochen, dass es nicht so spät wird. So hält sich mein schlechtes Gewissen etwas in Grenzen, als ich mich Anfang August auf den Weg mache. Denn bis er aus dem Urlaub zurück ist… wer weiß, ob der Fluss dann noch so schön warm ist.
Meine Fahrt, die wegen des Ferienbeginns eklig lang wird, lohnt sich. Alex erwartet mich an der Abbiegung zu einem Feldweg. Es geht ein Stück durch die Felder, dann durch die Ufervegetation zu einer Weide. Ein lauschiges schattiges Plätzchen drunten am Fluss:
Idylle pur inmitten eines kleinen Naturschutzgebietes. Kein Mensch weit und breit.
Er hat nicht zu viel versprochen. Schnell sind die Klamotten gewechselt und wir gleiten ins tatsächlich „bacherlwarme Wasser“.
Ein paar Elritzen, die sich in der Uferregion aufgehalten haben, suchen ihr Heil in der Flucht. Die Strömung ist am Ufer verhalten aber schon einen Meter weiter Richtung Flussmitte wird es heftig.
Dort schießt das Wasser durch eine tiefe Rinne. Um gegen die Strömung anzuschwimmen, braucht es alle Kraft. Ich fixiere einen Stein auf dem Boden und hoffe, auf dieser Höhe zu bleiben. Das ist schwerer als gedacht. In der Rinne ist es wie in einer Düse . Die Strömung greift mich, will mich mitnehmen. Sie dreht mich seitwerts, so biete ich noch mehr Angriffsfläche. Ich schwimme dagegen an. Ein ungewohntes Gefühl, denn im Weiher gibt es keine Strömung – und im Schwimmbad sowieso nicht.  Dort kann ich frei entscheiden, ob ich gleichmäßig schwimme, mit großer Kraft oder auch mit ruhigeren, langsameren Phasen.
Im Fluss geht das nicht. Ein oder zwei Züge mit verminderter Kraft und ich bin fünf Meter flussabwärts getrieben. Aus fünf Metern werden zehn, aus zehn werden zwanzig, fünfzig, hundert. Es geht flussabwärts. Auch schön, sich mitreißen zu lassen, aber ich weiß, ich muss irgendwann zurück.
Mir ist klar, dass ich das verlorene Terrain nicht durch Schwimmen zurückgewinnen kann. Dazu bräuchte es volle Kraft und das eine ganze Weile lang, denn es sind nur wenige Zentimeter, die ich mit jedem Zug flussaufwärts komme. Das habe ich bereits probiert. Mit einigen kräftigen Zügen schwimme ich hinüber zum anderen Ufer. Dort ist der Wasser ganz flach. Durch das wadentiefe Wasser wate ich über glitschige Steine und Wasserpflanzen zurück. Ein Wunder, dass ich nicht ausrutsche und auf dem Allerwertesten lande.

Foto3Viel ist es nicht mit Schwimmen an diesem Abend. Es gibt einfach zu viel zu erzählen, zu sehen, zu erleben und die Schönheit dieses Ortes, die nur durch hin und wieder flußabwärts treibende Schlauchboote mit lärmenden Leuten gestört wird, zu preisen.
Und es gilt, Fotos zu machen.
Ich komme auf die kühne Idee, mitsamt dem Handy auf die flache Uferseite zu wollen. Man kann ja – zumindest theoretisch laufen. Auch durch die Strömungsrinne.
Schnell ist die Kamera in der Tasche der Silikonbadekappen spritzwassersicher verpackt. Und genauso schnell bin ich wieder im Fluss und stakse los; vorsichtig,  Schritt für Schritt den Boden abtastend. Ausrutschen wäre jetzt echt Scheiße. Ich bin nicht sicher, ob die Tasche wirklich 100% wasserdicht ist. Und sollte mir das Handy aus der Hand fallen, dann ist es kaputt oder weg.  Eigentlich ist das eine totale Schnapsidee. die ich da habe. Das wird mir klar, als ich durch die Rinne wate und die Strömung mich umzureißen droht. Aber Männer sind so – und wären sie es nicht, hätten wir weder Amerika entdeckt noch wären wir mit dem U-Boot unter dem Nordpol durchgetaucht.
Es geht gut. In der Mitte des Flusses angekommen, fotografiere ich, was das Zeug hält. „Ein Blog braucht Bilder“ rufe ich Alex zu, der nun seinerseits mich fotografiert.
2013-08-02 18.37.59
Jetzt muss ich eigentlich nur noch zurück zum Ufer. Nochmal durch die Rinne. Anders als die Schwimmpaddel kann ich das Handy ja schlecht im hohen Bogen ans Ufer werfen…


Wird fortgesetzt
Fotos: Lutz Prauser & Alex Broy

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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