Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Also bitte! Wir sind in einem Sportgeschäft

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Beim Entrümpeln meines Handies stoße ich auf eine Bildergalerie, in der ich Fotos aufbewahre, die ich irgendwann mal prophylaktisch gemacht habe. Das sind Fotos, zu denen ich in diesem oder meinem anderen Blog mal einen Beitrag schreiben will. Etwas überrascht finde ich dieses Bild von zwei mir wildfremden Menschen, die den Sommer am Chiemsee-Ufer genießen.
wabbeln

Was wollte ich damals über diese beiden schreiben? Pharisäisches wie „Gut, dass ich nicht so aussehe“? Oder Besserwisserisches wie „Etwas mehr Bewegung täte Euch auch mal gut?“
Ich weiß es nicht mehr, und vielleicht ist das auch besser so.
Obwohl das natürlich stimmt, dass den beiden etwas mehr Bewegung gut täte. Die nämlich fehlt. Nun sehen die beiden nicht gerade aus, wie jemand, dem Bewegung fehlt – also psychisch gesehen. Was sagen will: sie vermissen sie nicht.
Und da sind wir schon mitten in einem Thema, auf das mich ein Twitter-Tweet vor einiger Zeit gebracht hat:

Ich gebe zu, diese Überleitung war etwas gequält, aber sie führt mich zu einer kleinen Begebenheit, die ich doch recht abstrus fand.
Zu Beginn der Freiwassersaison im vergangenen Jahr wollte ich einige notwendige Schwimmutensilien neu kaufen, vor allem eine Schwimmbrille mit getöntem Plastik, die tiefstehende Abendsonne und die Lichtreflektionen auf dem Wasser machen die Sicht beim Schwimmen im Weiher nicht gerade einfach. Dann noch vielleicht ein wenig dies und ein wenig das….
Da ich einen Abendtermin in München hatte, wollte ich die Gelegenheit nutzen, direkt vom Büro aus in die Stadt zu fahren und alles, was ich bräuchte, beim Sport Scheck zu kaufen. Das ist eine gute Anlaufadresse, hier habe ich meinen ersten Neoprenanzug gefunden, die Schwimmabteilung ist gut sortiert und das Personal kennt sich aus. Gern erinnere ich mich, wie ich bei hochsommerlichen Temperaturen und schwüler Gewitterlage ein paar Neoprenanzüge durchprobiert und -geschwitzt habe. Daher weiß ich auch, dass die Schwimmabteilung ziemlich weit oben im Haus ist. Verständlich, dass die unteren Etagen für die schnell drehende Saisonware vorbehalten sind. So viele Schwimmer sind es dann doch nicht wie Jogger (oh, Entschuldigung: Runner), Fußballer, Tennisspieler und Fitness-Studiobesucher.
Die Zeit drängt etwas. Im Galopp die Treppen hochzuhetzen halte ich für keine gute Idee, ich möchte nicht in Schweiß geraten, wenn ich nachher noch einen Termin habe. Also wähle ich den Aufzug. Geht ja auch schnell. Eigentlich.
Aber das entpuppt sich als ein Irrtum. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der Aufzug endlich da ist. Menschenmassen quillen heraus und wieder herein. Ich bin beileibe nicht der Einzige, der den Aufzug nutzt. Endlich setzt sich die Kabine in Bewegung, nachdem sich geklärt hat, wer von den Wartenden zuletzt kam und auf die nächste Aufzugfahrt wird warten müssen.
Das Tempo ist atemberaubend. So langsame Aufzüge hat man selten. Aber warum soll er auch Fahrt aufnehmen. Bereits im ersten Stock ist der erste Halt. Ein Mitarbeiter des Geschäftes – gut erkennbar an seinem Namensschild am Polo-Shirt – steigt aus.
„Ok“, denke ich. „Die eine Etage hättest Du auch die Treppe nehmen können.“ Andererseits: Wer weiß, wie oft der Gute heute schon treppauf- und -ab gegangen ist. Vielleicht wäre dieses eine Mal das berühmte eine Mal zu viel geworden.
Weiter geht es. Bis in die zweite Etage. Zwei Leute steigen aus. Kunden steigen zu. Und drücken den einzigen Knopf, der noch nicht leuchtet: Dritte Etage. Wieder eine Aufzugfahrt – und wieder nur für eine Etage. Leute, wir sind in einem Sportgeschäft, da kann man doch auch mal eine Etage zu Fuß laufen, auch wenn es bergauf geht.
In der dritten Etage verlässt uns Verbliebene das gerade erst zugestiegene Pärchen wieder.
Es ruckelt, wenn jetzt der Aufzug seinen Geist aufgibt, bin ich aber bedient. Das tut er nicht. Tapfer hebt er mich in die Vierte.
Das hat jetzt länger gedauert, als eine Runde im Weiher. Und das geht alles von meiner Zeit ab, in der ich mich in aller Ruhe umsehen wollte.
Runter werde ich natürlich die Treppe nehmen. Denn ich bin mir ziemlich sicher: Spätestens in der Dritten steigt jemand zu, der in der Zweiten wieder aussteigt.
Im Sportgeschäft sein bedeutet noch lange nicht, dass man sich von seiner sportlichen Seite zeigen sollte. Oder?

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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