Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Das Ziel vor Augen

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Mein Schwimmbad, in dem ich zweimal pro Woche meine Bahnen geschwommen bin, hat geschlossen. Das war angekündigt und an dieser Stelle im vorangegangenen Beitrag bereits Thema.20140504_170244 Da hilft kein Jammern und kein Klagen – da muss etwas geschehen. Seit Tagen verfolge ich, wie immer mehr Schwimmer in der Facebook-Gruppe Bist Du heute schon geschwommen von ihren Freiwasserrunden berichten. Die einen schwimmen mit, die anderen ohne Neoprenanzug. Mir werden ein wenig die Zähne lang. „Dann mach doch…“  fordert mich mein innererer Motivator auf. „Nee. Ist noch viel zu kalt.“ „Aber die anderen machen das doch auch!“ „Die haben sicher alle Kaltwassservorbereitungen hinter sich!“ „Komm – nur ein winziges Ründchen!“ lockt er verführerisch. Die inneren Dialoge wiederholen sich, immer wieder meldet sich der Anschubser zu Wort. Aber überzeugt bin ich deshalb noch lange nicht. Also kontere ich: „Ich bin zu alt für den Scheiß“. Das ist das Totschlagargument, das wunderbar geeignet ist, den innerem Motivator, der es ja eigentlich gut mit mir meint, das Maul zu stopfen. Trotzdem schiele ich täglich auf das Thermometer, beobachte den Himmel und den Wetterbericht und denke: Morgen, ja morgen vielleicht. Er hat ja recht, nur ein winziges Ründchen. Dann schreibt einer was im Netz von Neoprenbadekappen im Freiwasser und ich bin wieder mal raus. Sowas hab ich nicht und werde es auch nicht kaufen. Also wieder ein paar Tage warten. Irgendwann wird’s hoffentlich mal was. Aber ich werde kribbelig. Ich brauche Bewegung. Nun wäre es ein leichtes, am Wochenende morgens um nun Uhr zu den ersten Schwimmgästen in Markt Schwaben zu gehören. Da hat das Bad bis Juli auf. Noch leichter – und verführerischer – aber ist es, sich am Wochenende lieber noch mal im Bett umzudrehen, und noch ein weiteres Mal. Außerdem: Statt Schwimmen lieber mit der Familie frühstücken. Das hat auch was – das müssen Sie zugeben. Am Sonntag Mittag schnappe ich mir mein Rad. Ich muss was tun. Es geht zwischen Rapsfeldern und Futterweiden dahin. Kilometer um Kilometer trete ich in die Pedalen. Das tut so gut, das zwingt zum Durchatmen, das macht den Kopf frei. Es ist einfach wunderschön, durch die Wälder und Felder in unserer Gegend mit dem Rad zu fahren. Vorbei geht es an weidenden Kühen und Pferden. Bauern mähen ihre Wiesen. Es riecht nach frischem Gras, nach feuchtem Erdboden und ein paar Kilometer weiter würzig nach Wald. Glocken läuten, ein Hahn kräht irgendwo. Einen Moment möchte ich glauben, es gibt doch noch Flecken in unserem Land, wo die Welt noch in Ordnung ist. Hier ist so einer. 20140504_124715 An einer Pusteblumenwiese mache ich Halt. Das ist nicht das erste Mal und auch nicht das letzte Mal bei dieser Tour, dass ich stehen bleibe, einen Schluck trinke und dann nicht weiterfahre: Schauen, riechen, den Vögeln lauscheh, die Sonne spüren… Dann erst geht es wieder los. Mein Ziel, sofern man das bei einer Rundfahrt sagen kann, ist das Sempttal, in dem ich sehr gern mit dem Rad unterwegs bin. Dort liegt auch der Wiflinger Weiher, in dem ich den Sommer über meine Schwimmrunden drehe. Ich will  schauen, wie es jetzt dort aussieht. Einladend liegt er da – das Wasser glasklar, leise kräuselt es es sich. Der weißblaue Himmel spiegelt sich darin. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen, obwohl der Kiosk bereits geöffnet hat. Kein Vergleich zu dem Gewimmel und Gewusel, zu dem Gekreische und Geplauder der Badegäste im Sommer. Wäre doch das Wasser etwas wärmer, und hätte ich doch meine Schwimmsachen dabei: 20140504_130946 Aber das Ziel ist jetzt klar vor Augen. Ich will da rein. Bald! Sehr bald!

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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