Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Whatever happens… Also Schluß mit Mimimi

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Wann immer Prof. Dr. Honigtau Bunsenbrenner ein Experiment startete – es ging schief und endete nicht selten mit einer Explosion. Leidtragender der Angelegenheit war sein Assistent Beaker, der schon vorher eine sorgenvolle Miene trug und die Augen vor Panik weit aufriss. Sein Missfallen mit der Gesamtsituation drückte er mit den bedeutungsschweren Worten aus „Mimimi!“.
Vielleicht erinnern Sie sich an die Muppet Show, in der zahlreiche Episoden mit Bunsenbrenner und Beaker stets gleich enden: Mit einer kleinen Katastrophe.
Die Muppet Show ist längst Fernsehgeschichte, die letzte Episode wurde, bevor es die Muppets auf die Kinoleinwand zog, 1980 produziert und in Deutschland erstmals 1982 ausgestrahlt. Geblieben aber sind viele legendäre und mittlerweile zu Sprichworten geadelte Elemente, ob der singende dänische Koch, die Schweine im Weltall oder eben Beakers Mimimi.

Beakers Mimimi heißt noch heute etwa so viel wie „Ich möchte das hier nicht“, „Das gefällt mir nicht!“, „Aufhören!“ – eben eine deutliche Unmutsbekundung. Mimimi, was in gewisser Weise ein quengelndes, nörgelndes und weinerisches Geräusch imitiert, hat insbesondere im Social Web ein neues Zuhause gefunden. Entweder, weil man selbst etwas nicht will – so ist das Montags-Mimimi auf Twitter legendär – oder es fungiert als Antwort auf ein Netzgejammer im Sinne von „Heul nicht rum…!“ als ob man das Gequengel des Anderen nachäfft.
So, jetzt wissen Sie (falls es Ihnen noch nicht bekannt war), was Mimimi bedeutet, und ein gutes Beispiel für dieses Gejammer war mein vorletzter Blogeintrag hier. Wo schwimmen, wenn mein Hallenbad zumacht, das Freibad noch nicht geöffnet ist, die anderen Bäder überfüllt sind und der Weiher noch zu kalt ist … Das ist Mimimi und nichts anderes. Auch die Einträge Alles auf Null und Mann, war ich schlecht sind im Grunde nichts anderes als Mimimi.

Seit gestern ist Schluss damit. Kein weiteres Mimimi – kein Gejammer, kein Gequengel.
Das Freibad in Erding hat endlich wieder geöffnet. Doch bei lausigen 16°C Lufttemperatur unter schweren, schwarzeED-SW5n Wolken, aus denen es immer wieder regnet, fällt es mir morgens unendlich schwer, aufzustehen. Zu allem Überfluss haben wir kein Wasser im Haus. Es ist das vierte Mal innerhalb von fünf Wochen, dass es zu einem Wasserrohrbruch irgendwo in unserer Straße gekommen ist und die Wasserversorgung in unserer beschaulichen Vorstadt vorübergehend eingestellt wird. Das heißt:

  • Erst mal kein Klo, bis auf das Wasser, was schon im Spülkasten ist und später mit der Gartengießkanne aus der Regentonne geholt wird
  • Kein Kaffee oder Tee, es sei denn (was bei uns aus den Erfahrungen der vorangegangenen Wochen der Fall ist) man hat irgendwo einige PET-Flaschen stilles Wasser gebunkert.
  • Keine Wasch- und keine Spülmaschine geht
  • Und, was wirklich schlimm ist: Der Tag startet ohne heiße Dusche
  • Also ein Riesen-Mimimi….

Entweder bleibe ich erst mal ungeduscht, lade mich zum Duschen bei Freunden am anderen Ende des Dorfes ein oder ich fahre eben doch ins Schwimmbad. Oder ich bleibe im Bett. Mimimi.
Da das auf Dauer im wahrsten Sinn des Wortes zu nichts führt, mache ich mich dann doch irgendwann auf und kümmere mich um das Frühstück. Hilft ja nix, muss ja weitergehen (auch so’n Spruch!)
Als nach dem Frühstück (ungeduscht gefrühstückt, das allein ist schon wieder ein Mimimi) überraschend die Wolkendecke aufreißt und die Sonne das erste Mal durchkommt, ist die Entscheidung gefallen. Ich werde heute nach Erding ins Freibad fahren. Das Bad hat seit einem Tag wieder geöffnet, das Wasser im Becken ist geheizt, was soll’s? Ich muss mich ja nicht Stunden dort aufhalten. Ein paar Bahnen schwimmen und eine heiße Dusche sind’s mir wert.
Der Wasserrohrbruch hat also seine guten Seiten, er zwingt mich, etwas zu tun, was ich sonst nicht gemacht hätte. Whatever happens happens fort he best geht mir durch den Sinn, noch so’n Spruch, über den ich witzigerweise am Freitagabend mit ein paar Amerikanern länger geplaudert habe. Think positive!
Natürlich dauert es seine Zeit, bis alles, was man so sonntags auf tun möchte, auch erledigt ist. Ein paar Mails müssten beantwortet werden, ich muss etwas aufräumen. Spülen oder waschen fällt ja aus, die Tiere müssen versorgt werden und dann wird die Sporttasche gepackt und eine Thermoskanne Tee (wir haben ja ein paar Liter Wasser) gekocht. Und schon wieder: Whatever happens happens for the best,  diesmal kommt die Sonne für länger raus. Es scheint, angenehm warm zu werden. Da hat sich das ganze Getrödel und Gekruschel doch richtig gelohnt. Und noch mehr: Wir haben wieder Leitungswasser. Natürlich könnte ich jetzt auch zu Hause duschen, aber mein Entschluss steht fest. Ich fahr ins Freibad. Ich hab Lust. Sehr viel sogar.
Die Entscheidung SW-ED2erweist sich als goldrichtig. Das Schwimmbecken ist angenehm beheizt: 26°C verspricht mir die Frau an der Kasse, 24°C die Anzeigetafel – egal. Darauf kommt’s echt nicht an. Schnell umziehen (ist doch ganz schön frisch draußen), durch das arschkalte Wasserbecken waten, damit man zum Beckenrand kommt und dann rein.
Herrlich. Es schwimmt sich superschön. Schnell sind die ersten Bahnen geschafft. Ein 50m Becken ist, wie ich wieder mal merke, ein erheblicher Unterschied zum 25er im geschlossenen Hallenbad nebenan. Immer wieder sinniere ich, was schöner ist. Beides hat seine Vor- und Nachteile. Ich sollte mal eine Facebook-Umfrage dazu starten…
Das Beste aber: Es ist so leer, dass sich die 10 bis 20 Personen, die im Wasser sind, regelrecht verlieren. Ich nutze Bahn 1, auf Bahn 2 und 3 sind auch Schwimmer, weiter drüben ein paar Badegäste, die am Beckenrand schnattern und zittern, sich etwas bewegen und dann gehen. Ich weiß auch warum: Immer wieder ziehen schwarze Wolken auf. Ich rechne minütlich damit, dass der Bademeister das Becken räumt, weil ein Gewitter in Anmarsch ist und am Ende der Blitz in einen der Badegäste fährt.
Aber nichts passiert: Es ist ein dramatischer „Kampf“ zwischen Sonne und Wolken – aber es bleibt trocken. Die Sonne drückt sich immer wieder durch. Nicht, dass mich Regen beim Schwimmen stört, so etwas hatte ich schon. So lange es eben kein Gewitter ist, hab ich nichts dagegen. Ich schaffe die Distanz, die ich mir vorgenommen habe. Mehr muss es aber auch nicht sein, irgendwann, nach ein paar Kilometern, wird mir doch etwas kalt.SW-ED4
Nach dem Training wechsle ich die Klamotten, beseitige das Chaos um mich herum und setze ich mich noch im Windschatten in die Sonne, um Wärme zu tanken wie ein Reptil. Ich bin der Einzige, der im Freibad ist und einfach nur „rumsitzt“. Verständlicherweise ist kein Mensch auf den Bänken oder der Liegewiese. Der Tee ist immer noch heiß und tut mir gut.
Er wärmt von innen.
Die Sonne, die jetzt die Oberhand gewonnen hat, scheint mir ins Gesicht. Wenige Meter vor mir ziehen ein paar Schwimmer unentwegt ihre Bahnen. Ich beobachte sie eine Zeit lang.
Langsam ist mir wieder so warm, dass ich die Jacke ausziehe.
Ein wunderbarer Moment der Entspannung, Ruhe und des Zufriedenseins, wie man ihn an Sommertagen in einem Freibad nie erleben wird.
Als ich endgültig zusammenpacke, ist die Badehose schon fast wieder trocken. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass ich fast so lang auf der Bank gesessen habe, wie ich im Wasser geschwommen bin. Macht nichts. Es hat sich gelohnt.

Warum eigentlich immer dieses Mimimi?

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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