Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Alles eine Frage der Übertreibung

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Hätte, hätte… Mofakette!

Das kennen Sie? Vielleicht von früher? Nein?

Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär mein Vater Millionär…

Aber das kennen Sie, oder? Dieser Zweizeiler dürfte ja wohl Allgemeingut sein. BeidenSprüchen ist gemein, dass Hätte und Wenn Teile von Bedingungssätzen sind. Während wenn...  zumindest die Möglichkeit noch offen lässt, bleibt bei hätte… nur eine einzige Schlussfolgerung: Chance vertan. Und genauso ging es mir, als ich vergangenen Samstag ins Schwimmbad fuhr. Der Himmel war grau, immer wieder regnete es. Sie erinnern sich? Das ist noch nicht sooo lange her. Wir hatten im Südosten Deutschlands Schmuddelwetter, wie es im Buche steht.  Das ist nicht gerade das optimale Freibadwetter, zumindest nicht das, was sich der durchschnittliche Badegast vorstellt. 11°C Lufttemperatur lädt, ganz unabhängig von den immer wieder einsetzenden Schauern, auch nicht unbedingt dazu ein, auf der Liegewiese Platz zu nehmen.
Mir ist das egal – ich wollte ja mit dem Mimimi aufhören, versprochen ist versprochen. Im Gegenteil, ich erwartete freie Bahn, und das ist beim Schwimmen viel wert.

Aber ein wenig kühl ist es schon, selbst bei 24°C Wassertemperatur. Immerhin plante ich mindestens 4.000 Meter schwimmen, das heißt für so’n langsamen Frosch wie mich: Weit mehr als eine Stunde im Wasser. Da kann’s dann doch zapfig werden. Aber der Sommer kommt näher und damit meine ganz persönliche Chiemsee Challenge 2014. In diesem Jahr will ich beide Strecken schwimmen, nachdem ich mich 2013  ja mit einem Boot habe übersetzen lassen und lediglich zurück geschwommen bin. Für einen Gelegenheitssportler – und nicht anders sehe ich mich – ist das nach wie vor eine Herausforderung. Mann ist ja auch nicht mehr der jüngsten Einer. Es wird langsam Zeit, auf mehr Strecke zu trainieren.
Bei der aktuellen Witterung am vergangenen Samstag hätte (und jetzt sind wir endlich bei den Konditionalkosntruktionen) es sicher geholfen, meinen neuen Neoprenanzug anzuziehen. Wie gesagt: hätte. Denn natürlich habe ich das gute Stück gar nicht erst mitgenommen, nicht etwa, weil ich nicht daran gedacht hab, sondern weil ich mir nicht sicher war, ob man das im städtischen Freibad überhaupt darf.
Und es ist ja nicht so, als ob ich beim ersten Schwimmen nicht schon danach gefragt hätte…
Aber die gute Frau an der Kasse wusste es nicht, ich solle den Bademeister fragen, meinte sie, was ich dann aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht gemacht habe. Tja, nun steh ich da, werde gleich frieren und denke mir: „Hätte ich doch mal..“
Hab ich aber nicht.
Nun muss ich also ohne Neo ins Wasser und ich glaube einen Moment, dass ich verrückt bin.
Wenn ich doch nur… Aber jetzt hilft kein Jammern, jetzt muss ich da durch. Immerhin bin ich nicht allein. Zwei drei andere Schwimmer ziehen ihre Bahnen. Unermüdlich – hin und zurück. Hin und zurück.
„Stell Dich nicht so an“, sage ich laut zu mir selbst. „Los geht’s. Der Ente ist schließlich auch nicht kalt!“

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Die Ente, die ich von zu Hause mitgebracht habe, thront erst auf dem Startblock und später am Beckenrand und überwacht unbarmherzig meine Bahnen, damit ich ja nicht etwa auf die Idee komme, zu mogeln.
So richtig warm wird mir nicht, auch nicht nach 20 Bahnen. Die Ente schnattert nicht, ich bin das. Nach ungewähr weiteren 10 Bahnen bemerke ich, dass auf Bahn 4 ein weiterer Schwimmer hinzugekommen ist. Er trägt, als ahnte ich es, einen Neoprenanzug.
„Na gut – dann wäre das also auch geklärt“, notiere ich im Hinterkopf, denn natürlich kommt kein Bademeister angelaufen, um den Schwimmer aus dem Wasser oder zumindest aus dem Neo zu pfeifen. Wenn ich doch nur beim letzten Mal gefragt hätte, dann hätte ich jetzt…
Hilft nichts. Weiterschwimmen.
Die Ente schaut plötzlich so streng, als könne sie meine Gedanken lesen. Denn höre ich den inneren Schweinehund, der mir immer lauter zuraunt, dass es ja nicht unbedingt heute die 4k sein müssen. Wer prüft das schon? Und beim nächsten Mal reicht es doch auch…
Mit etwas Mühe ringe ich den Schweinehund nieder: „Sei einfach still! Dir 4k werden gemacht“…
Und letztlich schaffe ich das auch ohne tief blau angelaufen zu sein oder zum Eiszapfen erstarrt zu sein. Aber ich weiß: Das nächste Mal habe ich, wenn es wieder so kalt sein sollte, meinen Neoprenanzug dabei. Der ist schließlich auch angemessene Badekleidung, wso ie es die Benutzerordnung der Schwimmbäder vorsieht. Und noch mehr:
„Mein Neo ist sicher sauberer als so mancher Badegast“, antwortet mir ein anderer Schwimmer, den ich beim Abtrocknen in der Kabine treffe und der sich gerade in seinen Ironman VO2-Stealth schält auf meine Frage, ob er sich denn erkundigt habe. „Nein“, meint er. „Warum auch. Wie gesagt…“ Ich gebe ihm recht und ziehe ihm kameradschaftlich den Reißverschluß am Rücken zu.

Zufrieden mit meiner Leistung fahre ich heim.  Tags drauf am Sonntag geht’s auf’s Rad. Freund Alex möchte mir die schönen Seiten seiner Gegend, das Ampertal und den Ammersee zeigen. Dazu hat er eine knapp 50km lange Route über Wald- und Feldwege, Straßen und Strandpromenaden ausgesucht. Dazu 800 Höhenmeter. Geht doch.
Das Wetter ist angenehm, nicht zu warm aber trocken. Und so starten wir am Sonntag morgen in Fürstenfeldbruck mit unseren Rädern und treten locker in die Pedale. Das heißt: Er tritt locker, ich ächze.  Das erste Mal, als es irgendwo seitlich steil einen Hügel hinauf geht, kommt wieder die Gedanke, ich muss verrückt sein. Irgendwie bin ich nicht auf der Höhe meiner Fitness. Das behauptet Alex auch von sich, weil er am Vorabend feiern war. Aber trotzdem zieht er locker davon. Ich keuche hinterher.
„Ein wenig schwach auf den Wadeln?“ kommentiert er irgendwann süffisant. Für diese erfrischende Direktheit  mag ich meine Freunde. Da steht man mitten in der Nacht auf, gurkt um ganz München herum, nur um sich dann abferkeln und anlabern zu lassen. Danke auch! Fehlt nur, dass er jetzt ein Stück zurück fährt, dann wieder hoch und wieder zutück und wieder hoch, während er auf mich wartet. Aber diese Demütigung erspart er mir. Also doch ein echter Freund!

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Natürlich hat Alex recht. Meine Beine enthalten Muskelgruppen, die gern etwas mehr gefordert werden müssten – schwimmen ist jetzt nicht unbedingt ein ausgesprochenes Wadentraining. Da sind seine regelmäßigen Joggingrunden (so behauptet er) und das gelegentliche Radfahren schon was ganz anderes. Egal. Ich komme schon irgendwie mit. Und irgendwann läuft’s dann auch – nämlich spätestens als es von dem kleinen Ort Mauern bergab nach Inning am Ammersee und weiter nach Stegen geht. Ein nettes Fleckchen, ein netter Biergarten wartet auf uns. Es wird Zeit für eine kurze Pause, immerhin ist es ja Stunden her, dass ich gefrühstückt habe. Danach geht es weiter nach Schondorf und schließlich über Eching und Kottgeisering durch den Forst hinunter zu den Amperauen. Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg zurück nach Fürstenfeldbruck.

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Wenn ich – so sinniere ich später in der Sonne sitzend – nach dem Schwimmen am Samstag und dem Radeln am Sonntag jetzt noch laufen gehen würde, dann könnte ich mir  ja eigentlich auch den Ironman VO2-Stealth kaufen und demnächst auf Hawaii mal…

Lassen wir das, das ist lächerlich.

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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