Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Es wird Juli, Männer… also gefährlich

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adria2-3Es gibt Gegenden, da mag man uns nicht. Zumindest traut man uns nicht… Da stehen große Schilder, auf denen steht: Schwimmen verboten. Oder – wenn es nicht geschrieben steht – dann „versperrt“ einem ein Piktogramm mit gleichlautender Anweisung ganz klar den Zugang ins Wasser.
Gern möchte man solche Schilder ignorieren. Sie sind etwa so sympathisch wie das Absolute Parkverbot, das Betreten des Rasens verboten oder das Ballspielverbotsschild in den Garagenhöfen der Wohnanlagen. Verbote gibt es überall – viele zu Recht, wenn man darüber nachdenkt, und doch sind sie ärgerlich. Denn sie schränken ein im Bedürfnis, sich frei entfalten zu können. Sie gelten als Spaßbremsen, verursachen Unbequemlichkeiten und führen zu Verärgerung und Trotz.
Eben dazu gehören auch die Schwimmverbote, wie man sie an vielen Orten findet. Natürlich ist es lächerlich, solche Bilder an kleinen Brunnen irgendwo aufzuhängen – andererseits: Als noch Völkerscharen in Rom den Trevi-Brunnen bestiegen, um es Anita Ekberg und Marcello Mastroianni a la La Dolce Vita nachzumachen, war das Wasser täglich eine einzige eklige Brühe. Das Brunnen- und Wasserspielbadeverbot ist rational betrachtet also verständlich – so schön es auch sein mag, sich bei sommerlichen Temperaturen eine Abkühlung zu gönnen.
Manchmal wird ein Revier zum Schutz der dort heimischen Flora und Fauna gesperrt, manchmal aber haben es sich die Badegäste allerdings selbst zuzuschreiben, dass sie in aufgelassenen Kiesgruben, Flussarmen oder Teichen nicht mehr schwimmen dürfen. Hin und wieder fragt man sich schon, warum die einen ihren Müll nicht mitnehmen, die anderen selbigen sogar im Wasser versenken, die nächsten den Teich als Großraumtoilette und wieder andere als Badewanne zum Abwaschen dick aufgetragener Cremeschichten nutzen… Der See erträgt wohl alles. Oder auch nicht. Schilf wird mit Tretbooten niedergefahren, Brutgebiete werden zerstört, Enten werden von Luftmatratzenpaddlern gejagt, Kaulquappen aus dem Wasser gefischt und am Ufer zu Tode getrocknet, weil es ja so eklig ist, wenn die auch mit im Wasser sind usw. usw.
Die Hauptgründe für Schwimmverbote aber liegen woanders: Strömungen, scharfe Felsküsten mit heftiger Brandung, Schiffsverkehr – es gibt viele nachvollziehbare Gründe, warum es in Meeren, Flüssen, Seen und Kanälen zu Schwimmverboten kommen kann. Das alles dient dem Schutz des Schwimmers (und manchmal dem Haftungsausschluss der verantwortlichen Kommunen). Aber es kann lebenserhaltend sein, wenn man zum Beispiel Schwimmern rät, sich nicht weiter als 100 Meter vom Ufer zu entfernen. Denn nichts anderes meint das Schild. Weiter draußen nämlich donnern Jetskis, Boote mit Kitesurfern und allerlei anders motorisierte Gefährt. Und die sehen einen Schwimmer nicht – und selbst wenn, dann ist es vielleicht schon zu spät.

adria2-1Zu den Unfällen mit Wassersportgeräten kommt das „bloße“ Ertrinken. 2013 starben laut Pressemeldung der DLRG 446 Menschen durch Ertrinken, davon nur 22 im Schwimmbad, Gartenteich oder Pool. Der Großteil in Bächen und Flüssen (182) oder Seen und Teichen (180) – also im Freiwasser. Der Hauptanteil der Ertrinkungsfälle lag dabei im Juli (125 Fälle) sowie dem Vor- und dem Folgemonat (68 bzw. 69 Fälle), was nicht weiter verwunderlich ist. Überraschender aber ist das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Das starke Geschlecht ist offensichtlich dem Wasser nicht so gewachsen, rund vier Fünftel der Todesfälle entfällt auf die Männer: 360 Männer stehen 86 Frauen gegenüber.
Und es sind keineswegs nur die Kinder oder die Alten und Schwachen, die ihr Können überschätzen. Die Altersstatistik weist bei den Todesfällen auf einen deutlichen Peak bei den Mittvierzigern hin – also von „Menschen im besten Alter“, wie man so schön sagt.
Es gibt auch ein regionales Ungleichgewicht, schaut man auf die Zahl der Todesfälle in den einzelnen Bundesländern. Das aber ist mit Sicherheit auch den Urlauberströmen geschuldet. In den Ferienregionen an der Küste und in den Seen Bayerns wird nun mal im Sommer viel geschwommen – auch oder sogar mehrheitlich von Urlaubern aus anderen Bundesländern…
Mich beunruhigt das ein wenig, denn ich kenne viele, die in den Vierzigern das Schwimmen erst wieder für sich entdeckt haben. Ist das die bedrohteste Gruppe? Menschen, die etwas anfangen, dann gleich richtig reinklotzen und alles übertreiben müssen?

Und was ist mit mir?

Ich bin in der hochbedrohten Altersgruppe, lebe und schwimme (meistens) in Bayern, überwiegend im Sommer und im Freiwasser… Statistisch gesehen bin ich schon so gut wie tot. Und nein: Das ist kein schaler Witz auf Kosten der Betroffenen. Das ist der berechtigte Gedanke, sich damit auseinanderzusetzen, wie und warum es zu Ertrinkungsunfällen kommt und was man dagegen vorbeugend unternehmen kann. Dazu gehört sicherlich, sich an Schwimmverbote zu halten. Im Urlaub bin ich einmal, weil ich eine Boje übersehen habe, in ein Jetski-Revier reingeschwommen – auch das muss ich kein zweites Mal haben.
Vor Strömungen – vor allem kalten – habe ich Respekt. Auch daran hat mich die Adria erinnert. Und bei meinem diesjährigen Chiemseeschwimmen werde ich nicht nur darauf achten, dass wir (wir werden vermutlich zu mehreren sein) unter Beobachtung bleiben. Ich werde auch etwas genauer auf die Fahrzeiten der Inselschifffahrt achten, deren Fahrrinne wir queren müssen. Und letztlich: Eine Trillerpfeife mitnehmen, damit ich mich im Fall eines Falles rechtzeitig bemerkbar machen kann. Denn Ertrinken sieht nicht aus wie Ertrinken, wie man es zum Beispiel aus Spielfilmen kennt. Wenn man sich damit näher beschäftigt, findet man schnell den hier verlinkten Beitrag und kann im Netz nachlesen, dass Ertrinken ohne Geschrei und wildes Armgeschlage passiert.

Ich habe nicht vor, zu ertrinken. Das ist mal klar. So viel Verantwortung bin ich meiner Familie und mir selbst gegenüber schuldig. Also muss ich was tun. Aber im Juli geh ich trotzdem schwimmen.

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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