Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Die meinen mich, oder?

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2014-08-23 11.59.54Schon den ganzen Sommer über lächelt mich die Schwimmerin bei der Einfahrt in unser Dorf an. Fit bleiben! meint sie, rückt die Schwimmbrille, die sie gleich über die Augen ziehen wird, zurecht, und dann geht es vermutlich los.
Power! verspricht der männliche Gegenpart, ein Kraftpaket pflügt durch’s Wasser, wie weiland Michael Groß, der Albatros.
Das Waldbad Taufkirchen hat heuer eine groß angelegte Plakatierungsaktion gestartet. Überall in den umliegenden Dörfern und Kleinstädten im Landkreis Erding hängen die Poster: An Bauzäunen, Laternenmasten, Plakatwänden… Geh mal wieder schwimmen – und zwar in Taufkirchen im Waldbad.
Jedes Mal, wenn ich an einem solchen Plakat vorbei fahre, frage ich mich:

Meinen die etwa mich?

Ich gehe doch mehrmals die Woche ins Freibad. Zwar nicht nach Taufkirchen, aber in Erding, oder ich gehe in den einen oder anderen Weiher oder See. Warum fühle ich mich trotzdem von dieser Werbung angesprochen? Warum motiviert sie mich und macht mir zugleich ein schlechtes Wissen, wenn ich wieder mal abends nach der Arbeit auf dem Weg nach Hause an diesen Plakaten vorbei fahre? Wollte ich nicht eigentlich heute ins Schwimmbad? Warum steuere ich stattdessen das heimische Sofa an? Weil ich schon fit bin? Schon Power habe?
Oder gerade nicht? Man weiß es nicht. Aber ich vermute mal, die Gemeinde Taufkirchen meinte nicht unbedingt mich mit der Werbemaßnahme sondern eher diejenigen, die per se den Abend lieber auf das Wochenende lieber auf dem Kanapee als im Freibad verbringen (was man angesichts des Wetters auch niemandem verübeln kann). Trotzdem haben mich die Plakate neugierig gemacht. Lohnt sich der Weg nach Taufkirchen? Immerhin sind das zehn Kilometer pro Strecke mehr als nach Erding.
Um das herauszufinden, müsste ich einfach mal hinfahren. Aber ich muss mich beeilen. Die Freibad-Saison geht so langsam zu Ende, eines nach dem anderen sperrrt zu. Laut Website geht es an der Vils bis Anfang September, dann wird geschlossen.
Werbetreibende wissen, wie frustrierend das ist, wenn man viel Geld und unter Umständen auch Herzblut in eine Kampagne gesteckt hat und diese dann nicht funktioniert. Es ist bitter, wenn man zwar sein Zielpublikum erreicht, in diesem Fall also mich, weil ich gern und oft schwimmen gehe, aber trotzdem der entscheidende und abschließende „Kaufakt“ ausbleibt. Aufmerksamkeit war da, ok, aber gekommen bin ich trotzdem nicht. Das ist nicht gut. Wer weiß? Vielleicht zählt bei der verregneten Saison jeder Besucher? Vielleicht bin ich der Eine, mit dem die magische Schwelle überschritten wurde, bei der es um das Wohl und Wehe des nächsten Jahres geht…

Also los – wenigstens einmal ins Waldbad. Für kommendes Wochenende nehme ich mir fest vor, nach Taufkirchen zu fahren. Ich habe keine Ahnung, was mich dort erwartet. Aber ich werde es herausfinden. Eine Chance habe ich ja noch.

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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