Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Da sind sie ja wieder…

2 Kommentare

„Da bist Du ja wieder…“ Die Stammgäste des Erdinger Hallenbads begrüßen mich wie einen verlorenen Sohn. Letztmals haben wir uns im Mai gesehen und damals auf einen schönen Sommer verabschiedet. Nun war gefühlt der Sommer längst nicht so schön, wie alle sich das gewünscht hätten. Das Thema hatten wir schon. Jetzt aber, im Oktober, sind sie alle wieder da. Gemeinsam hocken wir im Dampfbad, inhalieren Alaska-Minze und beklatschen Ernst, nachdem er mit seinem Handtuch ordentlich viel Wirbel gemacht hat. Jeder kennt dort jeden irgendwie, wenigstens dem Gesicht nach. Man nickt sich zu oder grüßt sich, plaudert, erzählt Anekdoten und schier Unglaubliches, was man unbedingt weitergeben möchte.
Nach zahlreichen Bahnen Schwimmen sind ein oder zwei Gänge ins Dampfbad nicht nur Pflicht sondern wunderbare Entspannung. Dort nämlich macht es gar nichts aus, wenn es recht voll ist. Unter großzügiger Mißachtung des Schildes Ruhe bitte an der Eingangstür geben sich alle gern gesellig und gemütlich miteinander.
Anders im Schwimmbecken. Da gibt man sich zwar zwangsweise auch gesellig, aber weitaus weniger gemütlich. Im Schwimmbecken sind nämlich auch alle wieder da… was weniger amüsant ist.

halle-erding2Da wären zum einen die Winterschwimmer. Ok: Das sind vielleicht nicht wirkliche Schwimmer. Das sind die, denen es im Sommer im Freibad entweder zu kalt war (trotz geheiztem Becken). Oder es war ihnen, wenn es mal wirklich warmes Wetter war, zu voll. Eine Frau erzählt mir, sie sei seit Schließung des Hallenbades im Mai nicht ein einziges mal schwimmen gewesen. Aber jetzt geht es wieder los. Jetzt geht sie wieder jede Woche ins Wasser.

Die Schnellschwimmer und Kampfkrauler sind auch (wieder) da. Einige habe ich den Sommer über des Öfteren im Freibad getroffen. Andere nicht. Sie legen auf der Sportbahn ein dermaßen hohes Tempo vor, dass man ganz schön unter Stress gerät, wenn man wenigstens ein paar Runden mithalten will. Immer wieder klatschen sie einem auf die Fußsohlen. Wie entspannt war der Sommer: War es warm, waren wir in den Weihern. Und da ist sowieso Platz für alle, da kommt man sich nie in die Quere. War es regnerisch und kühl waren wir Freibad, und dort wegen der Witterung so ziemlich allein. Selten kam es vor, dass sich mal zwei Leute eine Bahn teilen mussten.

Tot- und Treibholz ist auch wieder in großer Zahl im Becken. Das gehört wohl so. Es gibt eben Leute, die gehen in die Badeanstalt, während andere das gleiche Gebäude als Schwimmbad titulieren. Nun liegt zwischen Baden und Schwimmen ein großer Unterschied, und beides verträgt sich nicht ganz miteinander.  Beide beanspruchen ihre Rechte, nur sind es immer die Badenden, die zum Schwimmmeister rennen und sich beschweren. Kein Wunder: Für sie ist das ja noch der Bademeister.

Auch die Vereinsschwimmer mit ihren abgesperrten Bahnen sind wieder da und sorgen mit ihrem Privileg, das sie zu Recht genießen, für Verdichtung im Restbecken. Derweil die Größeren pfeilschnell durch’s Becken zischt, vergnügt sich der prä-pubertierende Vereinsnachwuchs unter Dusche, in dem acht bis zehn Jungs ihren Mund mit Duschwasser auffüllen und sich mit diesem gegenseitig anspucken. Flüchtenden wird hinterher gelaufen und irgendwann klatscht dann dem Davonrennenden der Mundinhalt auf den Rücken – manchmal auch erst in der Umkleide. Ein bisschen Spaß muss eben sein.

Dann wären da noch die Moderlieschen und Aquagymnastiker, die auch ihr Recht auf die Sportbahn beanspruchen und Punkt 19.00 wie ein Schwarm Kaiserpinguine ins Wasser watscheln, dort zu Retro-Musik aus schräbbeligen Lautsprechern turnen und tratschen und die vereinslosen Schwimmer von der Bahn vertreiben. Aber Gottseidank ist ja meistens genug Platz im Becken.

Fehlt nur wer? Klar, die kuschelnden und knutschenden Beckenrandsteher, die ihre Zärtlichkeiten genau dann und dort austauschen, wo die Schwimmer ihre Wende machen wollen: Am Beckenrand. Wenigstens tauschen sie nur Zärtlichkeiten und nicht auch noch Körpersäfte. Aber dazu eignet sich ein öffentliches Schwimmbad weniger. Dazu bedarf es der nächtlichen, verbuchtelten Außenbecken in den Spaßbädern und Thermelandschaften.

Ach… nicht zu vergessen die Pubertäts-Potenzbolzen, die bei der holden Weiblichkeit mit allerlei heldenhaftem Tun Eindruck schinden wollen. Mal schubsen sie sich vom Beckenrand gegenseitig ins Wasser, mal ziehen sie auf dem Sprungbrett vor jeder Arschbombe eine Riesen-Show ab. Mal kommen sie auf die Sportschwimmerbahn um den alten Knackern mal zu zeigen, was so ’ne richtige Harke  ist. Dumm nur, dass sie nach 25 Metern Höchsttempo zwar vorne liegen, aber danach die Luft raus ist und das Japsen groß…

Was hab ich Euch alle den Sommer über vermisst. Wie schön, dass Ihr alle wieder da seid. Oder auch nicht.

 

 

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Da sind sie ja wieder…

  1. Ist das der Beitrag eines Elite Schwimmbadbesuchers? Ich versteh Artikel in dem man sich über alle aufregt. Aber hier heißt es ja übersetzt „Wir sind spitze, alle anderen nicht“. Leider konnte ich nicht herauslesen, was euch zum besten Teil des Gesamtpublikums macht. Bitte nicht persönlich nehmen! Ihr seid bestimmt ´ne dufte Truppe. Ich selbst bin kein Hallenbader. Aber wenn meine Kritik oben nicht gerechtfertigt ist, dann weiß ich jetzt nicht genau was ich mir mitnehmen soll. Und das ist doch der Grund etwas zu schreiben. Oder soll es nur unterhaltsam sein? Dann steh ich ja jetzt etwas humorlos da. In einer Stunde interessiert mich das wahrscheinlich nicht mehr, aber jetzt wollte ich sponatn mal nachfragen.

    • Lieber Kommentator,
      es geht mitnichten darum, sich als Elite zu fühlen oder aufzuspielen. Dazu sind weder meine Geschwindigkeit, noch meine Technik, noch meine Ausdauer gut genug.
      Ich glaube auch nicht, dass der Großteil der Schwimmer sich so fühlt. Wir wollen nichts weiter als schwimmen. Aber genau mit diesem Wunsch stehen wir als nicht vereinsgebundene Freizeitsportler auf der untersten Leiter der Schwimmbadbenutzerwenn es um Befriedigung der Bedürfnisse geht.
      Fakt ist, und darum geht es in dem „Klagelied“, dass die Gelegenheit, richtig und ausdauernd zu schwimmen, in immer weniger Becken gegeben wird. Das ist bei uns immer noch einigermaßen entspannt. Aber im Groben und Ganzen werden immer mehr Schwimmbäder geschlossen und durh lukrativere Spaßbäder ersetzt. Dort kann man nicht schwimmen. Viel zu wenige Schwimmbäder bieten Sportbahnen an oder blockieren diese durch Vereinstraining, Aquagymnasitk, Schwimmunterricht, Tauchschulen etc.
      Da bildet Erdig eine rühmliche Ausnahme. Aber ich kann Dir ad hoc gleich ne ganze Reihe Bäder benennen, in denen die Sportbahnen dauerbelegt sind (was auch ok ist) und den Schwimmern dann nur bleibt, nach allerbestem Crowding-Effekt sich mit den Badegästen (Charaktere siehe oben) zu arrangieren: Was heißt: Wir müssen Rücksicht nehmen. Die anderen nicht. Die tun ja niemandem was, wenn die genau unter den Blöcken auf den Bahnen am Beckenrand stehen und komischerweise immer dann die Arme links und rechts vom Körper wegstrecken und auf die Kante legen, wenn man angeschwommen kommt, um eine Wende zu machen. Die tun ja auch niemandem was, wenn sie immer kreuz und quer schwimmen. Und gibt’s ne Kollision, rennen sie zum Bademeister und beschweren sich, der böse Kraulschwimmer habe sie geschlagen. Was dann auch zur Folge hat, dass Dir das Kraulen verboten wird. Mit Rücksicht auf die anderen Badegäste, die zur Erholung gekommen sind.
      Wir – und das heißt es richtig übersetzt – sind nicht spitze, wir sind die Deppen. Außer eben im Sommer im Freiwasser. Da stören wir ja auch niemanden.

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