Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Opa Kruse

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Los geht die Geschichte eigentlich hier im Teil 1

 

Es nützt nichts. Erst der Gemeine Rückenschwimmer, dann die vier Taumelkäfer… Bahn 2 ist überbevölkert. Ich bin der Klügere, also gebe ich nach und weiche. Davon war vor kurzem hier zu lesen.

Noch immer brodelt es auf der Sportbahn. Doch auch im verbliebenen Bereich des Schwimmbeckens ist es voller geworden.
„Wo kommen um 19.30 Uhr all die Leute her?“ könnte ich mich fragen. „Und warum kommen die erst jetzt?“ Denn ganz offensichtlich ist ein Teil der Besucher längst in einem Alter, in dem behäbiges Rentnerschwimmen angesagt ist. Nun habe ich weder etwas gegen Rentner noch dagegen, dass sie schwimmen. Ich habe ja auch nichts dagegen, dass sie einkaufen gehen. Aber es wundert mich doch, warum sie dazu die am stärksten frequentiertesten Zeiten nutzen müssen. Würde man sie befragen, vielleicht würden sie sich vom Gekreische und Gespritze der Kinder am Nachmittag gestört fühlen. Da ist es abends doch viel ruhiger und entspannter. Für sie sicher: Für die anderen leider nicht. Denn Rücksicht wird nicht gegeben. Rücksicht wird gefordert.
Opa Kruse sieht das auch nicht viel anders. Denn als ich den voluminösen Wasserinsekten ausweiche, bleibt mir nichts, als mich etwas weiter zum Beckenrand zu bewegen. Hier aber ist das Reich von Opa Kruse. Der ist gemeinsam mit seinen drei Enkelkindern ins Schwimmbad gegangen. Die Kinder, die mit Taucherbrille, Schwimmnudel und allerlei sonstigem Zeugs im Wasser toben, sind mir schon aufgefallen, als ich gekommen bin. Sie sind der Grund, weshalb ich die äußerste Bahn gar nicht erst in Betracht gezogen habe. Kinder, und das ist ihr gutes Recht, toben gern im Flachwasser herum und machen dabei unvorhersehbare Bewegungen, so dass man ihnen schlecht ausweichen kann. Ein Schritt, den sie zurückmachen ohne sich umgesehen zu haben und zack, ist man mit ihnen zusammengestoßen.
Nicht, dass wir uns missverstehen: Ich habe nichts gegen Kinder, so wenig, wie ich etwas gegen Rentner habe. Wir sollten froh sein um jedes Kind, das schwimmen lernt und ins Schwimmbad geht. Ihnen weiche ich aus, lieber als den Taumelkäfern und Rückenschwimmern. Da es nun aber gar nicht anders geht, versuche ich, einen Weg zwischen den Taumelkäfern und den Planschekindern zu finden. Ich schwimme langsam, mit Bedacht und Vorsicht, nur ja niemandem in die Quere zu kommen.
Aber Opa Kruse sieht das anders. Der nämlich beaufsichtigt seine Enkelchen von der Bank aus und sieht mit Argwohn, dass da ein Schwimmer näher rückt. Vielleicht ist ihm auch langweilig, jedenfalls steht er plötzlich am Beckenrand und schlägt den Dreien vor, er könne doch einen Ball ins Wasser werfen, die Kinder versuchen, ihn zu fangen oder danach zu tauchen und ihm dann den Ball zurückwerfen. Die Kinder springen sofort an. Der Opa wirft den Ball mal hierhin mal dahin, mal wird er gefangen, mal verschwinden die Kinder unter der Wasseroberfläche, holen den Ball und werfen ihn zurück.
Ein wenig erinnert mich das an eine Seelöwen-Show, die ich mal vor viele Jahren in irgendeinem Tierpark gesehen habe. Der Unterschied ist nur: Damals saß ich im Publikum, heute versuche ich, den hektischen Bewegungen der Kinder auszuweichen. Denn natürlich will jeder der erste beim Ball sein und saust los – ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Rücksicht auf die Schwimmer nebenan.
Ich muss mich schon arg täuschen, wenn es nicht so ist, denn langsam kommt mir der Verdacht, Opa Kruse wirft den Ball absichtlich mehr oder weniger genau in meine Bahn. Und zwar so, dass er immer kurz vor mir ins Wasser fällt, mir also die Enkel sofort in den Weg springen werden.
Einmal trifft er mich fast sogar damit. Soll ich ihm Absicht unterstellen?
Am Beckenrand lege ich eine kurze Pause ein und schiele sehnsüchtig in Richtung Sportbahn.
Oh… was sehe ich?
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Eins… zwei… Da sind nur noch zwei Schwimmer unterwegs. Allerdings stehen am Beckenrand auf der gegenüberliegenden Seite noch vier Leute.
Das ist mir jetzt egal. Ich werde mich jetzt dazwischen drängen. Ganz so wie ein Taumelkäfer. Es ist mir allemal lieber, als mit Hartgummibällen beworfen zu werden oder allzu nah an die Taumelkäfer zu kommen. Am Ende sind’s doch Gyrinus Urinator und ich schwimme im… NEIN!!!
Was noch schöner ist – als ich ankomme, beenden drei der Randsteher ihren Plausch und verlassen das Wasser. Der vierte startet wieder. Ich auch.
Zu viert auf der Sportschwimmerbahn… Das ist doch völlig ok. Was will man mehr…

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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