Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Alle Jahre wieder

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10 Tage war ich nicht im Wasser, das ist eindeutig zu viel. Aber irgendwas war immer. Mal war es eine Einladung zum Abendessen, dann ein Geschäftstermin, eine Besprechung, eine Verabredung zum Weihnachtsmarkt oder die Notwendigkeit, im Baumarkt vorbei zu fahren… Sie kennen das. Vor allem in der Vorweihnachtszeit drängen sich die Abendtermine. Da bleibt kaum Zeit, etwas für den Körper zu tun, wenn man mal davon absieht, dass Abendessen, Glühwein, Plätzchen, Stollen, Lebkuchen und Co. einen gewichtigen Anteil daran haben, doch etwas für den Körper zu tun: Zumindest was dessen Volumen betrifft. Das nämlich steigt langsam und unaufhörlich an.
Es wird nicht besser, als ich mit vier Freunden zum Schnitzelessen gehe und jedem von uns 1,2 Kilogramm Fleisch serviert wird. Zwar kapituliere ich, bevor ich das Schnitzel aufgegessen habe, aber trotzdem: Die Portion ist gewaltig, der Magen ist gedehnt und schreit nach Füllung. Dauernd.
Eine fulminante Erkältung tut ihr Übriges. Und wie das bei Männern so ist, erwischt es mich frontal. Ich lege mich zum Sterben darnieder, springe dem Tod gerade noch von der Schaufel und kann den Bestatter hustend und röchelnd wieder abbestellen. Gefühlt sind tausend Taschentücher verbraucht, Lindenblüten- und Salbeitee literweise in mir, Hustenbonbons säckeweise aufgelutscht. Der Bestatter grämt sich, er hätte nämlich schon mal Maß nehmen wollen. Das ist nun nicht mehr nötig, ich werde weiterleben. Aber die Erkältung hat mich doch nachhaltig vom Schwimmen abgehalten.
Mit diesem schweren Los bin ich nicht allein. In der Facebook-Schwimmgruppe jammern wir uns gegenseitig an, wie schwer es ist, vernünftig zu bleiben, Husten, Schnupfen und Heiserkeit nicht auch noch dadurch zu befeuern, dass man sich ins Becken wirft, um seine Bahnen zu schwimmen. Obwohl jeder weiß, wie kurzatmig man wird, wenn die Nase zu ist und der Hals sich innen anfühlt wie eine Streichholzschachtel außen, wollen wir alle ins Wasser – und zwar sofort. Da das aber nicht sinnvoll ist, jammern wir mehr oder weniger laut, beneiden diejenigen, die das gerade tun, Bilder vom indischen Ozean oder dem Training für den Sieg beim German Open im Eisschwimmen in Burghausen im Januar 2015 hochladen. Schilderungen von herrlich leeren Schwimmbahnen machen uns hustenden Nichtschwimmern zusätzlich die Zähne lang.
Das ist auch in Ordnung so. Jeder wünscht jedem gute Besserung, ermahnt die anderen, es langsam und vorsichtig angehen zu lassen, aber meint am Ende sich selbst.
Es ist eine wunderbare Solidargemeinschaft.
Nicht nur in Gedanken schleiche ich am Freibad entlang, sehne mir den Sommer zurück, zumindest aber die erkältungsfreie Zeit. Tatsächlich gelingt mir ein Blick durch den Zaun auf das verwaiste Becken.

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Ich nehme mir fest vor, sobald die Erkältung einigermaßen abgeklungen ist, muss ich wieder los. Ich muss, ich will, ich werde…

Heute, noch vor dem Frühstück, geschieht etwas, was so unbeschreiblich ist, so peinlich und so demütigend, dass ich kaum wage, es zu erwähnen. Ich ziehe meine Lieblingsjeans an. Es macht PENG und der Knopf ist ab. Noch bevor er seinen Weg durch das Knopfloch gefunden hat, hab ich das Metallstück in der Hand. Na klasse!  Es ist nicht das erste Mal, dass mir so etwas passiert ist. So fing schließlich vor über zwei Jahren alles an. Der Warnschuss ist deutlich.

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Morgen gehe ich schwimmen. Egal, ob ich huste oder nicht. So kann das nicht weitergehen.

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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