Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Männer sind so – Teil 1

2 Kommentare

Männer sind so…
Bevor sie eine Entscheidung treffen, muss das Für und Wider sorgsam abgewogen werden.
„Einerseits…“, sagt Schwimmfreund Herbert, „ist Dabeisein ja alles. Und wir machen ja nur zum Spaß mit.“
Doch dann ergänzt er: „Andererseits hört der Spaß auf, wenn man Letzter wird“. Das muss ich ihm Recht geben. So sind wir Männer.
Herbert sucht nach einer sportlichen Herausforderung, hat im Internet recherchiert und einige Schwimmveranstaltungen in unserer Region entdeckt. Die schickt er mir nach und nach und stellt die Frage in den Raum, ob wir zwei da irgendwo mal mitmachen wollen.
Bitte führen Sie sich vor Augen: Zwei Männer, im – wie man sagt – besten Alter, also in der Altersgruppe 41-60, vereinslos, weder Triathlet noch Wettampfschwimmer, überlegen also, sich ins Haifischbecken zu werfen. Ernsthaft. Kein Schmarrn.
Eigentlich könnten wir das tun, aber jetzt muss erst mal das Für und Wider abgewogen worden. Dagegen spricht, dass ich für 2015 schon meine persönliche Challenge definiert habe und auch wieder zur Herreninsel schwimmen will. Dafür spricht, dass Herbert noch keine Herausforderung angenommen hat und ich ihn nicht allein starten lassen will. Schon, um mir zu beweisen, dass ich immer noch einen Zacken schneller bin. Männer müssen eben immer gleich in Wettbewerbe treten.
chiemUm dem Einerseits und Andererseits noch mehr Nahrung zu geben, checken wir die Ergebnisse der Vorjahre, schauen auf Alter und Schwimmzeiten, stellen fest, dass wir keine adäquate Leistung bzw. Zeit zusammenbringen werden und überlegen, wie wir es anstellen könnten, in der Liste nicht weit abgeschlagen auf den letzten Plätzen zu landen. Die Ideen reichen dabei von zwangs-mitangemeldeten Freunden, die überhaupt keine Schwimmerfahrung haben, bis zu einem CarCrash-Dummy, den wir mitschwimmen lassen. Alles – nur nicht Letzter. Dann lieber Abbrechen oder gar nicht erst anmelden. Männer sind so.
Mehrere Tage geht die Diskussion mündlich und per WhatsApp hin und her. Anmelden oder nicht?
Beim Chiemgau Thermen Langstreckenschwimmen muss man die Startergebühr gleich bezahlen… und die ist man in jedem Fall los. Vor allem, wenn man kurz vor knapp doch kneift, ist das sehr ärgerlich. Das spricht eigentlich dagegen. Aber die Gebühr ist nicht hoch und die Frühentschlossenen bekommen ein Leibchen des Sponsors geschenkt. Das ist doch auch schon wieder was…
Anmelden oder nicht?
Ich erkundige mich bei einem Teilnehmer, wie denn das Schwimmen im vergangenen Jahr war, und bin noch unentschlossener.
Die Profis, Freaks und Cracks schwimmen lange Strecken, da sind wir bei der 2.000m Distanz sicher gut aufgehoben, das dürfte den echten Freaks zu wenig sein. Die Schwimmer aber starten als eine der Ersten und man möchte doch nicht noch immer auf dem Weg zum Ziel kraulen, wenn der Veranstalter schon mit Hufen scharrt, weil er das nächste Rennen starten will, derweil man immer noch nicht aus dem Wasser ist.
Gibt es etwas Tragischeres als einen Wettkampf zu beenden, derweil die Siegerehrung schon beendet, das Podest abgebaut, der Teppich eingerollt und die Sitzbänke für das Publikum schon weggeräumt sind?
Na also.
Wettbewerb hin oder her, das möchte niemand erleben. Dabeisein ist eben nicht immer schon alles.
Herbert meint, wir seien beide in einem Alter, in dem es uns egal sein könne, was andere von uns halten, selbst wenn wir dort eher bemitleidenswerte Schwimmzeiten abliefern. Da hat er Recht. Also anmelden. Andererseits stehen dann die Ergebnisse im Internet. Wer weiß, wer das lesen wird… vielleicht in zwei Jahren, oder in zehn. Oder zwanzig. Das spricht dann schon wieder dagegen.
Schließlich melden wir uns beide nach tagelangen Diskussionen und Abwägungen an… wohlüberlegt und doch ganz spontan. Männer können nämlich beides: Wir sind multitaskingfähig, nur eben selten auch -willig.
Kaum ist die Anmeldung gemacht, das Geld bezahlt und die Bestätigung im e-Mail-Briefkasten, droht neues Ungemach.
Herbert hat schon wieder was entdeckt:
MainburgMan muss sich nicht anmelden, man muss einfach nur hinfahren. Mitmachen darf jeder, der mehr als hundert Meter schwimmen kann. So steht es in den Teilnahmebedingungen. Auch hier schaue ich auf die Distanzen der Teilnehmer in den Vorjahren, entdecke Blogger und Schwimmer Jürgen Schenke  und denke mir: „Einerseits werde ich in Mainburg wohl nicht letzter. Andererseits: So viele Kilometer wie Jürgen schaffe ich nie, der wird immerhin bald den Ärmelkanal durchqueren und ist entsprechend gut im Training.“ Trotzdem ist der Termin flugs im Kalender eingetragen. Weil Männer ja so unglaublich spontan sind… und einfach nicht hingehen kann ich ja immer noch, sollte ich mich umentscheiden. Andererseits: Wenn ich nicht hingehe, aber Herbert doch… dann steh ich auch schon wieder wie so’n Depp da. Es bleibt schwierig.

Die beiden Bilder habe ich den Webseiten der Veranstalter entnommen. Bitte klicken Sie, wenn Sie etwas über die beiden Schwimm-Termine wissen möchten, einfach direkt auf das jeweilige Bild.

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Männer sind so – Teil 1

  1. Wenn ich mitschwinge, seit ihr Helden, relativ.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s