Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Männer sind so – Teil 2

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Teil 1 über das Wesen des Mannes lesen Sie hier.

Es ist der letzte Sonntag in den Osterferien, ein wunderbarer, sonniger Frühlingstag. Auf dem Weg zum Hallenbad überlege ich mir, dass es vermutlich sehr leer sein wird. Zwar ist Sonntag, zwar sind noch Ferien, aber bei dem Wetter dürften viele Schwimmbadbesucher etwas Besseres vorhaben: Ein Familienausflug ins Grüne, Radfahren, Grillen, Gartenarbeit, Eis essen gehen, was weiß denn ich…
Welch ein Trugschluss erwartet mich, als ich vor dem Hallenbad ankomme. Der Parkplatz ist voll und ich habe wenig Hoffnung, dass dies alles Spaziergänger, Besucher des benachbarten kleinen Fußballstadions oder der Eishalle sind. Die Tür zum Eingang des Bades steht weit offen, von einer Schlange ist nichts zu sehen. Wenigstens das.
Mir weht der unverwechselbare Duft von Chlor entgegen, als ich vor der Tür stehe. Irgendwann werde ich mir doch mal das T-Shirt Chlorine is my perfume zulegen müssen. Ich mag diesen Duft, auch wenn er heute verfälscht ist durch den Duft der Fritteuse vom Imbiss. Es ist Mittag, Hochbetrieb für das Imbissteam.
grill2Hochbetrieb herrscht nicht gerade an der Kasse, es steht nur ein Mann vor mir und nestelt an seinem Smartphone herum, derweil die Kassiererin hinüber gegangen ist zum Drehkreuz. Dort nämlich steht ein Badegast und der will seine Schwimmbrille umtauschen. Unermüdlich versucht ihm die Kassiererin klarzumachen, dass sie Brille nur umtauschen könne, wenn sie entweder nicht passe, oder wenn sie undicht sei. Beides ist bei Schwimmbrillen zwar prinzipiell möglich, aber in den meisten Fällen eine Einstellungssache am Riemchen. Ändert man selbige, dann – oh Wunder! – passen viele Brillen und sind dicht.
Das aber scheint der Mann nicht zu verstehen. In Badehose steht er da, erregt sich, er brauche jetzt eine andere, neue Brille, die ihm auf die Nase passt, denn er sei schließlich zum Schwimmen gekommen.
Geduldig schaue ich mir das Ganze an, warum hetzen? Hinter mir reiht sich eine Familie in die sich langsam bildende Schlange ein.
Das Gespräch zwischen Badegast und Kassiererin will nicht enden. Es ist völlig unklar, warum der Mann eine Schwimmbrille umtauschen will, die offensichtlich weder undicht ist noch nicht passt… und gerade mal 8 Euro gekostet hat. Mit einer Engelsgeduld erklärt ihm die gute Frau, dass sie so nicht weiterkommen. Irgendwann akzeptiert der Badebehoste, dass er die Brille ohne Grund nicht einfach umtauschen kann, und ohne Kassenzettel schon gleich zweimal nicht. Der Mann trollt sich zurück durch die Umkleide zum Becken. Männer sind so.
Die Kassiererin kehrt zurück, nimmt Platz und widmet sich dem Kunden, der nun vor mir an der Kasse steht. Der nämlich hat auch ein Problem. Er hat seinen Schwimmchip verloren, jene Marke, mit der er oft und ermäßigt ins Schwimmbad gehen kann. Die Marke will er nun sperren und sich das Geld erstatten lassen. Das stellt, so hat ihm die Kassiererin erklärt, grundsätzlich kein Problem dar, wenn er denn den Beleg bei sich hat. Während sie den Brillenumtauschversuch regelt, hat der Mann sein Smartphone gezückt. Den Beleg hat er nämlich ebenfalls nicht mehr. Wer hebt schon Kassenzettel auf?20150125_120348
Männer doch nicht.
Das ist einigermaßen dumm, aber auch so sind manche Männer manchmal. Auf dem Kassenzettel steht die Nummer des Chips und den braucht die gute Frau, wenn sie ihn sperren soll. Eigentlich einleuchtend, oder? Schon… nur eben nicht für den Smartphone-Menschen, der als Nächstes aus seinem Kalender alle Daten heraussucht, wann er das letzte Mal zum Schwimmen da war… was nun wiederum der Kassiererin gar nichts nützt. Hinter mir wächst die Schlange. Auch dieser Mann kann einfach nicht akzeptieren, dass eine Erstattung ohne Kassenzettel nicht am guten Willen des Personals sondern an der fehlenden Chipnummer scheitert.
Ein Familienvater hinter mir nutzt die Zeit und rechnet schon mal aus, ob es günstiger ist, eine Familienkarte oder gleich eine Zehnerkarte zu kaufen. Sohn Aron dringt auf den Vater ein, er wolle doch heute den Freischwimmer machen, was dessen jüngerer Bruder (der weder Be-ron noch Moses heißt) dazu verleitet, das ebenfalls zu wollen und ein heftiges Ich auch Gekreische einstimmt. Aron wiederum passt das nicht, denn wenn sein kleiner Bruder es ihm gleich tut, schmälert das seinen eigenen Triumph… auch Männer, die noch welche werden wollen, sind so.
Der Vater, der noch immer nicht weiß, was er jetzt für Kind und Kegel an Eintritt zu zahlen hat, ist leicht gereizt. Das müsse man mit dem Bademeister besprechen, und der habe das zu entscheiden. Damit ist zumindest hier erst mal Ruhe eingekehrt.
Noch einmal legt die Kassiererin dem Mann vor mir dar, dass sie nichts machen könne, und sie weise jeden Besucher darauf hin, den Kassenzettel für die Mehrfach-Eintrittmünzen aufzuheben.
„Stimmt“, könnte ich jetzt mal einwerfen. „Das kann ich bezeugen. Ich hab nämlich auch zahlreiche Münzen, weil ich immer mal eine vergesse, in der anderen Jacke habe oder gerade in der Waschmaschine in der Jeans. Da muss man halt nachkaufen.“ Natürlich spare ich mir das. Der Mann vor mir ist ohnehin schon auf Einhundertachtzig. Warum er nicht einfach eine neue Marke kauft und es gut sein lässt, verstehe ich nicht. Die gelten doch, so wird man bei jedem Erwerb belehrt, zehn Jahre. Und bis dahin wird er die Marke doch wohl aufgebraucht haben. Das macht der Typ aber nicht. Er kauft keine neue, dazu ist er zu verärgert. Er sieht sich um sein Schwimmvergnügen ebenso wie um die Erstattung der noch nicht eingelösten Eintritte gebracht und rückt verschnupft ab. So sind sie, die Männer.
Nun bin ich endlich an der Reihe, zahle meinen Euro Zuschlag und bin – schwupps – durch das Drehkreuz. Arons Vater, der nun an der Reihe ist, rechnet immer noch, wie er am günstigen seine Familie ins Schwimmbad bekommt, jetzt wird er sich erst mal ausgiebig beraten lassen. Das kann dauern. Entschlussfreudig sind Männer bekanntlich auch. Nicht.

Vermutlich steht er noch draußen und überlegt, ob Familien- oder Zehnerkarte, oder Zwanziger oder Fünfziger… während ich drinnen meine vier Kilometer schwimme, hernach eine Runde ins Dampfbad gehe und mich danach wieder auf den Heimweg mache.

Lang werde ich an diesem Sonntag nicht bleiben können… heute muss ich schnell meine Bahnen runterschwimmen und dann zurück nach Hause. Dampfbad fällt aus. Man erwartet mich daheim, ich muss den Grill anheizen. Angrillen ist angesagt. Und welcher Mann würde diese verantwortungsvolle Aufgabe einem anderen Menschen übertragen? Ich ganz sicher jedenfalls nicht. Niemand fummelt mir an meinem Grill rum… Männer sind so!grill1

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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