Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/3 (Langbürgner See): Alles muss raus

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image KopieWas tun, wenn einem daheim die Decke auf den Kopf fällt?
Wenn Maurer, Gas- und Heizungsinstallateur, Trockenbauer, Elektriker, Maler, Fliesenleger und Schreiner einem buchstäblich das Haus unbewohnbar machen?
Sicher: Alles wirds gut… irgendwann. Aber Leben auf der Baustelle ist nicht unbedingt das, was ich haben muss. Also raus. Ab ins Wasser.
ch25-2-3
Vor einigen Tagen las ich von jemandem, der seine Sommeradresse als Im Freibad oder Im See angibt. Ein kluger Mensch, das wird mir nicht anders gehen. Immerhin staubt es da nicht so wie daheim auf der Baustelle, wenn Wände und Fliesen herausgeklopft und Decken heruntergerissen werden… Alles muss raus.
Ich auch.

Geradeüber die Pfingstfeiertage ist das Leben auf der stilliegenden Baustelle eher betrüblich. Darum entscheiden wir uns, trotz des eher spärlichen Wetters, am Montag in den Chiemgau zum Langbürgner See zu fahren.

Stillgelegt ist der See auch. Es geht kaum ein Luftzug, das Wasser ist spiegelglatt. Der Himmel ist bedeckt im deutschen Einheitsgrau als Herbert und ich uns zur Mittagszeit von meiner Frau am Südufer absetzen lassen. Einsamkeit pur – das ist bei 14°C Luft- und gemessenen 16°C Wassertemperatur auch kein Wunder. Zwei Angler auf dem Parkplatz schauen etwas irritiert, als wir schnurstracks an ihnen vorbei auf die Liegewiese marschieren. Schnell sind wir unter den Bäumen verschwunden, umgezogen und haben unsere sieben Sachen in Plastiktüten regensicher verpackt. Man weiß ja nie, wie das Wetter so mitspielt… lbs1
Die ersten Schwimmzüge paaren sich mit dem üblichen Gefühl, komplett bescheuert zu sein, was sich wohl auch die Angler denken, die ihr Ruderboot bestiegen haben und uns bei unserem absurden Treiben zuschauen. Sollen sie. Wir haben unseren Spaß, die Angler sicher auch.
Nun bleiben wir auf Abstand, so ein Anglerhaken im Neoprenanzug ist sicher ärgerlich, in der Haut sicher sehr schmerzhaft. Ich muss weder das eine, noch das andere haben.
Mit schnellen Zügen geht es hinaus aus der Bucht nach Norden, vorbei an einer Insel und immer weiter. Wie wir die Angler meiden, so bleiben wir auch auf Abstand zum Ufer. Der See gehört zu einem bemerkenswerten Naturschutzgebiet und bietet seltenen und vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Da müssen wir nicht unbedingt stören, ohnehin ist Baden eigentlich nur an einigen ausgewiesenen Badebereichen erlaubt.
lbs2Nach etwa 1,9 km erreichen wir im Norden die Hütte der Wasserwacht. Wir steigen aus dem See, machen das obligatorische „Ja wir sind heute geschwommen“ Selfie. Das letzte Stück noch? Oder zurück?
lbs4Umkehren ist die sinnvollere Alternative, die Zeit wird etwas knapp, wir werden bald am Parkplatz erwartet und wieder abgeholt.
Der richtige Weg ist nicht so ganz offensichtlich, irgendwie nach Süden. Alles sieht vom Wasser aus so verdammt gleich aus. Ist das nur eine Einbuchtung oder der Weg vorbei an der Insel? Kamen wir von dort oder eher von dort?
An der Sonne können wir uns nicht orientieren, denn die bleibt verborgen hinter den Wolken. Überall sind größere und kleinere Buchten, vielleicht hätten wir uns den See ein wenig genauer vorher anschauen und seine Form einprägen sollen…
Eine Runde Vollgasschwimmen wird nötig, denn mir wird auf der Strecke doch ein wenig kalt. Ich bewundere alle, die es schaffen längere Strecken ohne Neoprenanzug bei solchen Temperaturen zu schwimmen. Ich schaffe das nicht und werde wohl auch keinen Ehrgeiz mehr entwickeln, das zu ändern. Im Neoprenanzug geht es schließlich auch. „Noch etwa 1.000 Züge schätze ich, dann sind wir zurück…“ Nach 700 Zügen weiß ich, dass das eine Fehleinschätzung war. Ist aber auch egal.
Spaß macht es allemal und Reserven sind genug vorhanden… nur 2°C dürfte das Wasser ruhig wärmer sein. Oder 3-5…
Für den Rückweg wähle ich eine Strecke, die ein wenig näher am Ufer liegt und durch das deutlich flachere, und deutlich wärmere Wasser führt. Der Preis für diesen Luxus ist es, Dinge am Grund zu sehen, die man lieber nicht sehen will… Aber letztlich sind das auch nur irgendwelche Algenblasen und ein wenig Sand:lbs3Am Ufer warten – welch ein Segen – mehrere Thermosflaschen mit Heißgetränken auf uns. Die haben wir auch dringend nötig, als wir aus den Neoprenanzügen steigen und uns trocken rubbeln. Erst als wir angekleidet über die Liegewiese gehen, lässt sich das erste Mal die Sonne blicken. Schlagartig wird es wärmer. Das hätte sie auch eher machen können… eigentlich!
Wenn es heißt: Alles muss raus, dann gilt das auch für Dich, Du alter Sonnenball. Komm gefälligst raus, wenn wir Dich brauchen.

—-
Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See,

Was bleibt:

Ammersee, Birkensee, Fasaneriesee, Feldmochinger See, Feringasee, Garchinger See, Hartsee, Heimstettener See, Kronthaler Weiher, Langwieder See, Lerchenauer Weiher, Lußsee, Pilsensee, Poschinger Weiher, Riemer See, Simssee, Soyensee, Staudhamer See, Thenner Weiher, Weßlinger See, Wörthsee, Zustorfer Weiher

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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