Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/4, 25/5 & 25/6 (Staudhamer See, Poschinger Weiher & Echinger See): Hecht, Gänse, Schnorrer

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image KopieEr ist nicht wenig von sich eingenommen, der große Blonde, der am Badesteg in Seewies steht. Er räkelt sich und streckt sich, was heißt: Er bringt sich in Positur. Das bewundern die wenigen anwesenden Gäste auf der Liegewiese dort, es droht Gewitter über Oberbayern, da ist es an diesem Sonntag nicht allzu voll.
Der große Blonde gockelt herum und genießt die Aufmerksamkeit, sortiert sein langes strohblondes Haar und lehnt sich wieder ans Geländer. Die Haut ist sonnengebräunt, will man das Wort -gegerbt vermeiden. Er trägt eine rote Badehose, die wenig mehr als das Allernötigste bedeckt.stau02
Dann aber wird er unruhig. Er, der alternde Platzhirsch, der die Sechzig längst überschritten hat, wittert Konkurrenz.
Knallbunte Silikon-Kappe mit Union Jack Muster, Schwimmbrille, ruhige und gleichmäßige Kraulzüge… ebenfalls sonnengebräunt, aber nicht verbrutzelt und dazu ein armloser Neopren-Shorty glitzernd in Schwarz und Metallic Blau. Das haben sie hier noch nie gesehen, das zieht die Blicke an und demzufolge vom großen Blonden ab.
Mit einem kühnen Hechtsprung springt er ins Wasser, wirft sich ins Zeug, schwimmt ein kurzes Stück neben dem Fremden her, der sich wenig beeindruckt zeigt. Dann kehrt der große Blonde zurück zum Steg.
Unmissverständlich hat er klar gemacht, wer hier der tollste Hecht im Teich ist: Er.
Soll er. Ich mach ihm das nicht streitig. Der Staudhamer See ist kein erhellendes oder berauschendes Schwimmrevier. Eine Runde direkt am Ufer bringt es auf knapp 1,7km. Das reicht mir auch, ich finde es nicht gerade prickelnd.stau01
Dass ich überhaupt zum Schwimmen an diesen See gefahren bin, hängt nur damit zusammen, dass er auf meiner Challenge 25 Liste steht. Und dass er es darauf überhaupt geschafft hat, liegt daran, dass wir jedes Mal auf dem Weg in den Chiemgau durch Edling bei Wasserburg fahren und da ist der See eben nur ein kurzes Stück entfernt. Sonst wüsste ich wahrscheinlich gar nicht, dass es ihn direkt an der B304 in Nachbarschaft des Milchkonzerns Meggle gibt.stau04
Ohnehin, so entnehme ich der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Jahr, gibt es ihn offiziell nicht mehr. Also nicht den See, aber den öffentlichen Badeplatz, denn der Eigentümer des Grundes hat den Pachtvertrag mit der Gemeinde gekündigt und möchte die Badestelle an seinem See schließen. Für die Wasserburger wäre das natürlich ein echtes Drama.stau05
Davon relativ unbeeindruckt drehe ich meine Runde. Dann kann ich den See auch abhaken… denn für eine zweite fehlt die Lust. Zum ausführlichen Bloggen über den Schwimm auch. Und den großen Blonden in dem roten Etwas muss ich auch nicht noch mal sehen. Ich bin allerdings überrascht, wie viel man trotz Kraulen von seinen Mitmenschen mitbekommt, wenn man es nur will… Aber eigentlich wollte ich das gar nicht.

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Der Poschinger Weiher, so lerne ich, heißt offiziell erst seit einigen Jahren wieder so. Vorher war es der Unterföhringer See. See allerdings ist stark übertrieben bei einem Gewässer von 5,5 ha, das durch Kiesabbau entstanden ist. Ein wenig lustlos steige ich zwei Tage später bei Unterföhring in den Teich. Auch er steht nur auf meiner Liste, weil er zu den offiziellen Badegewässern im Münchner Umland gehört und ich die Zahl 25 an unterschiedlichen Seen vollbekommen wollte. Er ist sozusagen Füllstoff, aber ein ganz netter, wie sich herausstellt.pw01
Es ist trüb, kühl und tröpfelt, Zeit für mich, zurück in den Gummischlauch zu kehren. Der Neoprenanzug erweist sich zwar wieder mal als unnötig, denn das Wasser ist relativ warm, aber was soll’s.pw02
Ducks and geese are not amused, dass ihre Beschaulichkeit für über eine Stunde gestört wird, denn so lange werden sie das Wasser nicht für sich haben. Sie schauen irritiert und ziehen sich auf die Liegewiese zurück, die angesichts des Wetters komplett leer ist. Nicht weniger befremdet beobachten mich ein paar Spaziergänger und Jogger, die es in das Naherholungsgebiet gezogen hat.
„Der will doch nicht wirklich…“
Doch, der will. Und der macht das auch, nachdem ich wieder mal jemanden gebeten habe, den Rückenreißverschluss hochzuziehen und wieder einmal gehört habe, wie verdammt stramm der sitzt.
Immer auf und ab in dem schmalen Weiher… das ist das Ergebnis des Schwimmens. Meinen ursprünglichen Plan, am Ufer entlang ein paar Runden zu schwimmen, gebe ich schnell auf. Die Uferzone ist so flach, dass man mit jedem Kraulschlag seine Finger durch den schlammigen Grund pflügt.
Weiter südlich ist unter Wasser ein kleiner Dschungel aus irgendwelchen Pflanzen. Es ist nicht unbedingt nach meinem Geschmack, durch dieses Grünzeug zu schwimmen, das immer dichter wird.
Auf der Ostseite des Weihers und überall an der kleinen Vogelschutzinsel liegen umgefallene Bäume im Wasser. Das ist vermutlich ökologisch sinnvoll und verhindert gleichzeitig, dass Schwimmer sich dort aufhalten. Man sieht das Totholz im Trüben sehr spät und kann sich schmerzhaft wehtun, wenn man plötzlich gegen einen Baumstamm prallt.
Nach der ersten Fastkollision mit einem Stamm, taste ich mich vorsichtig zwischen dem Inselchen und Ufer hindurch. Danach meide ich die Seite. Ziel erreicht.pw05
Jetzt ist Meter machen angesagt… und natürlich ein paar Fotos.
Bei einer Fotopause bemerke ich, dass zwei ältere Männer auf dem Weg am Ufer stehen und mich beobachten. Plötzlich macht sich der Hund einer der beiden Männer selbstständig und jagt bellend auf einen Schwarm Gänse zu, die sich auf den Uferwiesen sättigen (und alles vollscheißen).
Das mögen die Gänse aber ganz und gar nicht. Verärgert schnatternd starten sie durch, um sich 20 Meter weiter auf’s offene Wasser zu retten.
Dumm nur ist, dass da schon einer ist: Ich!
Wie bei einem Luftangriff kommen die irren krawallmachenden Viecher auf mich zu. Zu spät bemerken sie, dass ich mitten auf ihrer „Landebahn“ bin. Haarscharf klatschen sie links und rechts neben mir ins Wasser.  Gut, dass ich keine Orinthophobie habe…

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Nummer drei in dieser Woche ist der Echinger See, irgendwo eingeklemmt zwischen Autobahn, Ikea und dem Garchinger Atomei (gibt’s das überhaupt noch), nördlich von München.
Auf dem Weg vom Büro nach Erding mache ich hier Station. Für einen Feierabendschwimm, der etwas mehr als 2 Kilometer lang sein wird, reicht es.
Als ich dort ankomme, finde ich den Inbegriff eines gepflegten Naherholungsgebiets. Alles ist so deutsch hier: Der Rasen raspelkurz geschnitten, nichts blüht, damit auch ja nicht eine Biene angelockt wird und einem herumtollendem Kind in die Patschefüßchen stechen kann. Die Bänke sind betont zwanglos am Weg angeordnet, ein Kiosk wartet auf Gäste, Senioren vergnügen sich an betonierten Tischtennisplatten, es gibt ausreichend Parkplätze und jede Menge Hinweisschilder, was man darf und was nicht… Kein einziges Papierchen, keine Dose oder leere Flasche liegt herum. Das ist alles dermaßen liebevoll ordentlich, dass mich fröstelt und ich mir doch lieber den Neopren-Shorty anziehe, bevor ich ins Wasser steige.

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Die erste Runde ist schnell geschwommen. Auch hier gibt es eine kleine Insel, offensichtlich kann ein ordentlicher bayerischer See, der aus einer Kiesgrube entstanden ist, nicht auf ein solch neckisches Arrangement verzichten. Sanft schwingen die Starkstromleitungen im Wind, die Sonne scheint, das Brummen der Autobahn A9 München-Nürnberg lässt Heimeligkeiten aufkommen.es1
Wieder habe ich ein Schwimmgewässer entdeckt, das ich von der Liste eines möglichen Zweitbesuchs gleich wieder streichen kann, das ist das Dritte in Serie.es2 Nun will ich fair bleiben: Die Liste ist willkürlich zusammengestellt und beinhaltet eben alle Badeseen und Weiher in und um München – damit eben auch diesen. Und ich bin sicher, die Echinger mögen ihren See und halten alles ganz wunderbar sauber.
Würden sie umgekehrt eine Expedition zu unseren Weihern machen, sie würden vermutlich das Selbe denken: „Dafür muss ich nicht noch mal extra herkommen.“
Ein wenig amüsiere ich mich über das Schnorrerpack am See. Ganze Familienverbände ziehen von Liegewiese zu Liegewiese, nehmen die Gäste ins Visier, schauen herzerweichend drein und bekommen nicht selten, was sie wollen. Das Kindchenschema und auf die Mitleidsdrüse zu drücken hat sich eben immer noch bezahlt gemacht. Wie dumm von den Badegästen und Sonnenanbetern – und wie falsch.
Ich werde nie verstehen, warum trotz deutlicher Hinweisschilder die Besucher des Weihers es einfach nicht kapieren wollen, dass es völlig falsch ist, Wasservögel zu füttern. Und wenn die Entenküken noch so treudoof schauen…
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Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See

Was bleibt:

Ammersee, Birkensee, Fasaneriesee, Feldmochinger See, Feringasee, Hartsee, Heimstettener See, Kronthaler Weiher, Langwieder See, Lerchenauer See, Lußsee, Pilsensee, Riemer See, Simssee, Soyensee, Thenner Weiher, Weßlinger See, Wörthsee, Zustorfer Weiher

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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