Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/9 (Soyensee): Spaßbefreiung

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Die Berichte über die Seen 25/7 (Birkensee) und 25/8 (Lußsee) habe ich zurückgestellt. Sie erscheinen in der kommenden Woche als Teil der Blogparade „München“ der Iron Blogger München: 31Tage, 31 Blogs, 31 Blogger, 31 Beiträge. Darum kommt jetzt schon mal Nr. 9:

image KopieSpaß geht anders. Aber um es gleich vorweg zu sagen: Der Soyensee kann nichts dafür. Gar nichts.
Es ist nicht seine Schuld, dass das Wetter in den vergangenen Tagen so mies ist, dass das Wasser gerade mal 16°C hat.
Für Herbert und für  mich ist Schwimmen im Neoprenanzug angesagt. Kein Drama – das haben wir schon oft gemacht. Aber ich will eigentlich nicht mehr. Ich will warmes, angenehmes Wasser, gute Laune und einen lockeren Schwimm.
Heute bekomme ich nichts von alledem.
Dabei ist an dem Soyensee nicht viel anders als im vergangenen Spätsommer, als ich ihn das erste Mal aufgesucht habe. Der einzige Unterschied: Das Wetter und damit die Begleiterscheinungen. Es ist einfach absolut niemand da, als wir auf den Parkplatz fahren.
An sich mag ich diese Leere, aber langsam sehne ich mich doch nach Badegästen, tobenden Kindern am Ufer und Sonnenanbetern… weil dann erst Sommer ist.soy2

Der See zeigt und seine kalte Schulter, Wolken ziehen über ihn dahin, mal lugt die Sonne hervor, mal sieht es aus, als gäbe es im nächsten Moment einen heftigen Regenguß. Daher verstauen wir alles im Auto, ich schnalle den Safe Swim um, um den Schlüssel mitzunehmen und dann geht es hinein ins kalte Wasser.
Die Runde am Ufer entlang wird kürzer als vorab gemessen, überall wachsen Teichrosen. Wenn ich mich recht erinnere, sind es heuer  massenhaft mehr als im Vorjahr. Das Wasser ist trüb, dunkel grün und gelb, schmeckt sumpfig… wenn man will, hat man halt an allem etwas auszusetzen. Statt durch das Schwimmen die ohnehin etwas schlechte Laune zu bessern wird es nur noch schlimmer.
Für ein schönes Bild stoppe ich und will die Unterwasserkamera zücken. Leider habe ich sie so dämlich am Gürtel des Safe Swim angeknotet, dass ich sie kaum aus dem Wasser bekomme. Dabei wollte ich sie doch extra clever so festbinden, dass sie nicht an der langen Leine hinterhergezogen wird und mir zwischen den Knien hin und her baumelt.
Den Scheißknoten bekomme ich natürlich nicht gelöst, die Finger werden kalt, Herbert schwimmt schon mal weiter. Mit Ungeduld und Wut geht es noch schlechter.
Dann eben nicht. Drehen und wenden, irgendwie klappt es dann doch. Soyen sieht schon etwas postkartisch aus, der Himmel ist weiß-blau, man könnte meinen, ein Urlaubsparadies. Ein Dörflein, ein See, ein Zwiebelturm. Was will man mehr?
soy1Wärmeres Wasser vielleicht?
Mir ist jetzt richtig kalt. Ist natürlich auch Schwachsinn, nach nicht mal 400 Metern eine so lange Pause zu machen. So kann man ja nicht auf Touren kommen. Und ich bin schließlich zum Schwimmen hier und nicht zum Knipsen.
Also weiter. Die Arme sind schwer wie Blei, der Spaß am Schwimmen ist für heute irgendwie untergegangen. Es wird zäh. Meter um Meter mühe ich mich ab. Immer wieder drifte ich in die Seerosen, was ich noch nie besonders leiden konnte.
Hinter der Insel (wie ja bereits festgestellt: In einen See gehört eine Insel, und wenn sie noch so klein ist), habe ich schon wieder keine Lust mehr. Mir wird einfach nicht richtig warm im Neopren, ich weiß auch nicht, warum.
Vermutlich werde ich mir eine Erkältung einfangen, dann ist es jetzt sowieso schon egal. Weiter geht es nach Süden, immer am Ufer entlang, immer um Haaresbreite an den Teichrosen vorbei. Und irgendwo dort versenke ich dann endgültig den Spaß.
Herbert und ich beschließen, umzukehren.
Ich schwimme im weiten Bogen zum Ausgangspunkt zurück, mache so noch etwas mehr Strecke. Das geschieht abersoy3 nicht, weil ich das unbedingt so wollte, sondern weil ich beim Kraulen ich zunehmend nach links ziehe. Dagegen muss ich was tun. Vielleicht Markierungen auf dem Boden?
Ach ja: Schnell noch ein Selfie: Das Beweisbild. Ich ziehe und zerre an der Kamera, um sie noch einmal an die Wasseroberfläche zu bekommen. Was immer ich für einen bescheuerten Knoten gemacht habe, ich könnte mich ohrfeigen dafür. Denn es ist ja nicht so, dass ich nicht Pal-, Schot- und Slipstek, Acht- und Kreuzknoten und wie die alle heißen, mal für’s Segeln gelernt habe.
Irgendwie schaffe ich es dann doch, die Kamera hoch genug zu bekommen, drücke auf den Auslöser und der Autoblitz flasht mich an.
Was soll das denn… warum blitzt das Teil?
Das nervt. Wie alles. Auf dem Foto sehe ich etwa aus wie die ulkigen Amerikaner in den 50ern mit ihren Schutzbrillen, wie sie einem Atombombentest zuschauen.

Als wir das Wasser verlassen und die wenigen Schritte über die Liegewiese zum Auto gehen, schaut uns der Betreiber des Campingsplatzes etwas erstaunt an. Er sitzt im T-Shirt auf seinem Aufsitzrasenmäher und raspelt die Wiese kurz. Die Zeltplätze müssen hergerichtet werden. Die Saison beginnt ja bald.
Aber erst bald.
Wo also kommen jetzt diese Typen her?
Immerhin erspart er uns die 2 Euro Eintritt für sein Privatfreibad und die Gebühr von 1,50 Euro für’s Parken. Wenigstens etwas.
Gut, dass es noch so kalt ist.

—-

Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See, Birkensee, Lußsee, Soyensee

Was bleibt:

Ammersee, Fasaneriesee, Feldmochinger See, Feringasee, Hartsee, Heimstettener See, Kronthaler Weiher, Langwieder See, Lerchenauer See, Pilsensee, Riemer See, Simssee, Thenner Weiher, Weßlinger See, Wörthsee, Zustorfer Weiher

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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