Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/10, 25/11 & 25/12 (Heimstettener, Lerchenauer & Pilsensee): Kontrastprogramm

4 Kommentare

Die Berichte über die Seen 25/7 (Birkensee) und 25/8 (Lußsee) habe ich zurückgestellt. Sie erscheinen in der kommenden Woche als Teil der Blogparade „München“ der Iron Blogger München: 31Tage, 31 Blogs, 31 Blogger, 31 Beiträge. Darum kommen jetzt schon mal Nr. 10-12:

image KopieEin Kontrastprogramm ist angesagt, drei Gewässer in zwei Tagen, die kaum unterschiedlicher sein können:

Donnerstag, Spätnachmittag, Heimstettener See

Kennen tue ich ich ihn schon lange, den Heimsettener See. Er liegt an der Bahnstrecke zwischen Markt Schwaben und München. Wann immer ich mit S- oder Regionalbahn in die große Stadt oder von dort heimwärts gefahren bin, habe ich den See neben den Gleisen liegen sehen.
Nun fahre ich ihn zum Schwimmen nach der Arbeit mit dem Auto nach Heimstetten und bin etwas überrascht, 2,50 Euro für die Benutzung des Parkplatzes zu bezahlen. Das scheint im Landkreis München üblich, entsprechende Schilder habe ich bereits am Poschinger Weiher und am Echinger See gesehen. Kassiert hatte dort allerdings niemand. In Heimstetten sitzt eine junge Frau mit Campingstuhl und -tisch in der Einfahrt.
Sie schaut von ihrem Französischbuch auf, ich entrichte meinen Obulus und darf passieren.
Schon auf den ersten Blick erinnert mich der Heimsettener See an den in Eching: Liegewiese, Kiosk mit Wirtsgarten, Bänke, Mülleimer, Spielplätze, kurzgeschnittenes Gras, alles sehr gepflegt. Überhaupt scheint es im Kiesland östlich von München an den Badeseen sehr aufgeräumt zuzugehen.
Auf der Liegewiese versammelt sich das übliche Ensemble: Studenten hocken vor Büchern und hören über Kopfhörer Musik, Helikoptermütter achten darauf, dass Laurin, Fabian und Jaqueline, die die Enten über die Wiese jagen, nicht zu nah ans Wasser kommen (sorry: Die Kinder hießen wirklich so). Sie könnten ja nasse Füße bekommen.
Rentner sonnen sich auf mitgebrachten Liegen der nächsten UV-Strahlungsüberdosis entgegen. Sich sportlich ertüchtigende Radfahrer und Läufer umrunden den See. Schwimmer gibt es keine. Keinen Einzigen. Nicht mal Badende.hese02

Das ändert sich schlagartig als ich ins Wasser steige. Neugierige Blicke gelangweilter Naherholungssuchender begleiten mich. Mittlerweile bin ich das gewohnt. Es gibt wenig zu sehen an solchen Gewässern wenn das Wetter nicht mitspielt und das Wasser kühl ist. Also ziehe ich so manchen Blick auf mich: Tatsächlich ein Irrer, der in das kalte Wasser steigt…
So kalt ist das Wasser aber gar nicht, der Neopren-Shorty reicht, wie ich feststelle. Richtig entschieden. Ich schwimme meine obligatorische Runde in Ufernähe. Mal kieselt es gewaltig unter mir, dann krautelt es flächendeckend.hese01Das Wasser ist relativ klar, es könnte ruhig etwas trüber sein, dann sieht man nicht auf den ersten Blick, was die Naherholungssuchenden alles so hineinwerfen. Vor allem Zigarettenkippen fallen auf. Die Raucher meinen wohl, wenn man die Kippe ins Wasser schnippt, dann frisst sie der See. Tut er aber nicht.
Nach der ersten Runde schwimme ich noch im Zick-Zack hin und her. Die Badeinsel erweist sich als großer Wasservogelkotablageplatz, da müssen die München-Umländer aber noch ordentlich bürsteln, wenn’s schön aufgeräumt sein soll. Ich kraule zurück, nehme einen anderen Schwimmer wahr, freue mich, nicht der einzige Irre zu sein und verlasse den See.

Am Ufer füttern Fabian und Jaqueline Enten mit Brot. Laurin bewirft die Vögel mit Sand, den er im Eimer vom Spielplatz angeschleppt hat. Seine Mutter untersagt es ihm, was aber wenig Ergebnisse zeigt. Pädagogisch perfekt erläutert sie ihm, dass Enten das nicht mögen, mit Sand beworfen zu werden und dass sie auch keinen Sand fressen wollen. Ein klares „Nein. Hör auf mit dem Mist!“ wäre vielleicht hilfreich, aber das könnte Laurins Seelchen vielleicht vernarben, also müht sie sich weiter mit umfangreichen Begründungen, warum man Enten nicht mit Sand bewerfen soll, ab.
Was die fürsorgliche und zugleich pädagogisch so angestrengte Mutter aber offensichtlich nicht weiß, ist, dass man Wasservögel nicht mit Brot füttern soll. Das nämlich drückt sie Jaqueline in die Hand, die es bergeweise an die Enten verfüttert. Vermutlich Vollkörniges oder Glutenfreies aus dem Reformhaus… für ein Vermögen gekauft und nicht gegessen. Irgendwas läuft schief bei diesen Menschen.

—-

Freitag, später Vormittag, Lerchenauer See

Tags drauf fahre ich nach München.  Ich habe frei und will vor urbaner Kulisse schwimmen gehen. So oder ähnlich könnte ein Stadtvermarkter die Hochhäuser am Lerchenauer See schön reden. Die Bilder von der „Skyline“ am See habe ich schon oft im Netz gesehen. Es wird also Zeit, den See anzufahren, vor dem ich mich eine Zeitlang gedrückt habe. Ich gebe zu, ich hatte Vorbehalte – und Vorurteile.

lers01

Als ich das erste Mal von jemandem, der in diesem See zum Schwimmen gehen wollte, im Netz gelesen hatte, hieß es:
„Dann pass auf, dass Du nicht in Glasscherben trittst!“ Ein anderer ergänzte: „… oder in Drogenspritzen“.
Kurz darauf schrieb einer: „Und nimm bloß den Autoschlüssel mit ins Wasser. Lass ja nichts am Ufer liegen.“
O ha. Ich weiß, der See liegt im Münchner Norden, zwischen Am Hart und Hasenbergl, nicht gerade die beste Gegend. Das ist mir klar. Aber in den Banlieue, der Bronx, Skid Row oder anderen berühmt-berüchtigten Problemvierteln liegt er eben auch nicht.
Sicher sind die Hochhäuser nicht unbedingt eine Traumkulisse, aber erstens sieht es in vielen Teilen anderer Städte viel trister aus und zweitens kann sich nicht jeder Münchner sein Seegrundstück am Starnberger oder Ammersee leisten – mit hohen Mauern, Videoüberwachung und scharfen Hunden. Normale Menschen müssen auch irgendwo wohnen.
Trotzdem ist mir etwas mulmig und ich schwimme mit einem denkbar schlechten Gefühl los, denn natürlich steht die Tasche am Ufer und natürlich liegt der Autoschlüssel darin. Das Auto steht (gebührenfrei geparkt, liebe Verwaltung des Landkreises München!!!) gleich in der Nähe. Hätte, wäre, wenn… Dann ist die Karre weg. Der Geldbeutel mit dem Ausweis auch. Der Hausschlüssel, die Adresse… wir werden ausgeräubert bis auf die Sachen, die wir am Leibe tragen.
Allen Ermahnungen und Vorbehalten zum Trotz riskiere ich das. Ich bin ein hoffnungsloser Optimist und glaube an das Gute der drei barbusigen Frauen, die allesamt die Siebzig überschritten haben, sich in Hörweite am Ufer sonnen und lautstark über die Widervereinigung schimpfen. Die werden mich schon nicht bestehlen. Und sonst ist niemand am Südufer des Sees, der das tun könnte: Keine Jugendlichen mit Baseball-Caps und Ghettoblaster, keine Drogendealer und -konsumenten, keine Obdachlosen im morgendlichen Rausch, keine Ausländer 0der Asylsuchenden, denen viele ja per se kriminelle Absichten unterstellen – einfach niemand. Und selbst wenn es so wäre…
lers05Der Lerchenaue See ist ein Badesee wie viele andere auch – nicht gerade eine Sensation, aber eben auch kein Gefahrengebiet. Nach einer Stunde, in der es mir zunehmend peinlich wird, mit solchen Vorbehalten hergefahren zu sein, beende ich meine Runden, die mich an Schwänen, Enten, Gänsen und einem ganz und gar nicht scheuen Haubentaucherpaar vorbei geführt hat. Zur Bedienung aller Klischees fertige ich trotzdem ein Selfie mit den Wohntürmen an:
lers02
Ich bin endlich mal wieder auch nicht der Einzige, der hier schwimmt. Ein paar ältere Damen wagen sich ins Wasser, auch die barbusigen Damen brüsteln ein Ründchen und lassen alles Mitgebrachte einfach am Ufer zurück. Na also.
Auf der Wiese mache ich eine ausgedehnte Mittagspause, der Biergarten in der Lassallestraße schaut sehr gemütlich aus, aber etwas Schweres im Magen kann ich jetzt nicht gebrauchen. Denn ich habe noch etwas vor…

—-

Freitag Nachmittag, Pilsensee

Petra M. gable ich in München auf. Eine mir unbekannte Frau, mit der ich aber drei Dinge gemeinsam habe: Wir schwimmen gern, bloggen und sind beide Mitglieder der Facebookgruppe Bist Du heute schon geschwommen.
Da Petra in München wohnt, liegt es auf der Hand, dass wir uns irgendwann mal zum Schwimmen treffen und so geschieht es dann auch. Aus Leuten, die man nur aus dem Netz kennt, werden irgendwann echte Bekannte… so ganz real, im echten Leben.
Petra, die als Chlorhühnchen lieber im Schwimmbad als Open Water schwimmt, hat Blut geleckt, seit sie mit Christof Wandratsch im Wöhrsee geschwommen ist. Jetzt möchte sie gern öfter mal im See eine weitere Strecke schwimmen, gern in Gesellschaft.
Unser Ziel ist der Pilsensee im Fünfseenland. Das wäre dann der erste der vier Seen, die ich dort auf der Liste habe.
Vom Parkplatz am Ostufer geht es los.  Zunächst nach Norden zur Landzunge, auf der ein Campingplatz liegt, dann hinüber zum anderen Seeufer und vorn dort den direkten Weg zurück zum Ausgangspunkt. Das ist der Plan und so setzen wir ihn auch um.
pi04Luftlinie sind das etwa 2,1 Kilometer, das reicht für den Anfang, vor allem, da ich heute schon geschwommen bin und Petra noch nicht so große Erfahrung mit Freiwasser hat und etwas unsicher ist.
Wie schaut’s mit der Kondition aus? Wie mit der Einteilung der Kräfte? Wie mit der Wassertemperatur?
Anders als im Freibad kann man auf halber Strecke zwischen beiden Ufern nicht sagen: „Ich mag nicht mehr, ich kann nicht mehr, mir ist kalt…“
Beim Schwimmen allerdings merke ich wenig von einer Unsicherheit. Ruhig schwimmt Petra ihre Strecke und übernimmt locker die Führung. Der Abstand zwischen uns wird größer. Da sich Petra meinen Safe Swim ausgeliehen hat, habe ich sie immer gut im Blick. Immer wieder muss ich meinen Linksdrall ausgleichen, sehe sie gut 80 Meter entfernt und korrigiere meine Bahn. Und dann möchte ich  das eine oder andere Foto auf dem Weg machen.
pil01Das hält natürlich auf, ist aber für’s Blog und Poesiealbum unabdingbar. Es ist  alles ganz wunderbar aufgmaschelt am Pilsensee, für die Einheimischen sowieso, die es gediegen und proper mögen, aber auch für die Urlauber, die es in Bälde in die Region ziehen wird. Hier gibt’s dann auch reichlich Seegrundstücke mit privaten Bootsanlegern und großen Wiesen. Pilsensee und Lerchenauer See bieten einen großen Kontrast.
Als Petra und ich zum Ausgangspunkt zurückgekehrt sind, steigen wir nach einer kleinen Fotosession sehr zufrieden aus dem Wasser. Uns ist klar, wir werden beide über dieses Schwimmen bloggen. Hier ist Petras Beitrag.
Spaß hat’s gemacht und schön war’s sowieso. Es verlangt nach Wiederholung.
Zum Glück sind ja noch weitere Seen in München und im Fünfseenland auf meiner Liste.
pi03

Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See, Birkensee, Lußsee, Soyensee, Heimstettener See, Lerchenauer See, Pilsensee,

Was bleibt:

Ammersee, Fasaneriesee, Feldmochinger See, Feringasee, Hartsee, Kronthaler Weiher, Langwieder See,  Riemer See, Simssee, Thenner Weiher, Weßlinger See, Wörthsee, Zustorfer Weiher

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

4 Kommentare zu “Challenge 25/10, 25/11 & 25/12 (Heimstettener, Lerchenauer & Pilsensee): Kontrastprogramm

  1. Pingback: Schwimmfreu(n)de im Tegernsee | Übers Schwimmen

  2. War echt schön! Danke fürs Mitnehmen!

  3. Pingback: Open Water – again! | Übers Schwimmen

  4. Pingback: Laurin kann's nicht lassen - Zwetschgenmann

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s