Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Blogparade ‚München‘: Challenge 25/7 & 25/8 (Birkensee und Lußsee): Im Westen viel Neues

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ironbloggerMUC-blogparade-muenchenDieser Beitrag ist Teil der Blogparade  der Iron Blogger München im Juli 2015: An 31 Tagen schreiben 31 Blogger – das sind 31 Beiträge über München. Das hier ist der dritte Beitrag. Hier finden Sie die Übersicht zu all den anderen.  Mein Beitrag folgt Matthias Langes Text über die Probleme der Münchner Kindertagestätte Lucky Children.  Auf meinen folgt dann ein Beitrag von Bundeskater und Bundeskatze auf Reisen über Naturerlebenisse im Englischen Garten.

Für diejenigen, die nicht zu den Stammlesern meines Blogs gehören zur Erklärung, worum es hier eigentlich geht: Im vergangenen Winter habe ich eine Liste mit 25 Seen und Weihern in und um München veröffentlicht. Mein Ziel: Diese Gewässer während der Freiwassersaison 2015 zu besuchen, in jedem zu schwimmen und darüber zu bloggen. Einige habe ich bereits „abgearbeitet“, andere habe ich noch buchstäblich vor der Brust. Eine Liste mit den Verlinkungen, zu dem was war, ist am Ende des Textes, auch eine Auflistung der Gewässer, die noch kommen werden.
Hier nun reiche ich Anmerkungen zum siebten und achten Schwimm nach – in einem unbekannten Land: Dem Münchner Westen. Die Stammleser, vor allem die berühmt-berüchtigte FB-BDHSG-Gruppe weiß natürlich: Der Schwimm ist schon ein paar Tage her, Nr. 12 (Pilsensee) ist auch schon erledigt.

image KopieDie Überschrift ist ein wenig irreführend. Für mich ist im Münchner Westen alles alles neu, selbst das, was es seit Jahren gibt.
Obermenzing, Lochhausen, Langwied?
Nie gehört.
Nie dagewesen.
Denn der Münchner Westen ist für mich Terra incognita, ein weißer Fleck auf der Landkarte, eine Gegend unergründlicher Geheimnisse.
Das wird jetzt anders, denn Herbert und ich fahren zu den Langwieder Seen. Dort, wo sich die A99 und die A8 kreuzen und die Eschenrieder Spange dem Autofahrer einige Kilometer Abkürzung verheißt, bilden die drei stark befahrenen Autobahnen ein Dreieck. In dessen Mitte liegt die Langwieder Seenplatte – etwas hochtrabend so genannt, die drei ehemaligen Kiesgruben, die heute den Langwieder, den Luß- und den Birkensee darstellen. Mecklenburger, Holsteiner und andere Seenplattenbesitzer können da nur grinsen. Nun ja…
Weil deutsche Autobahnen einen wunderbaren Charme ausstrahlen und zu dem Dauergebrause noch eine ebenfalls oft frequentierte Bahnstrecke direkt am Nordufer des Birkensees entlang führt, ist es in diesem Naherholungsgebiet zumindest akustisch mit der Idylle nicht zum Besten bestellt. Darauf kann man sich schon mal einstellen,  aber wir sind ja schließlich zum Schwimmen hier und nicht zum Suchen einer Naherholung.
Zwei der drei Seen wollen wir uns vornehmen und damit den siebten und achten See meiner Liste hinzufügen. Der dritte See bleibt links liegen – oder rechts, wie auch immer. Den holen wir ein anderes Mal nach. Drei sind bekanntlich einer zu viel.
Den Anfang macht der Kleinste der drei: Der Birkensee. Warum der Birkensee so heißt, wo er doch von Weiden umgeben ist, ist schon mal das erste Geheimnis des Westens. Denn dass es Weiden sind, die weit ins Wasser ragen und mich vom Ufer fern halten, das erkenne sogar ich… Es gibt viele sonderliche Dinge in diesem unentdeckten Land.

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Ein Zug donnert wenige Meter direkt hinter den Büschen an meinem Ohr vorbei. Gab es einen Hauch von Idylle, nun ist es damit vorbei. Wesentlich besser als um die Beschaulichkeit ist es am Birkensee allerdings um die Anschaulichkeit nackter Tatsachen bestellt, denn am Ufer des Birkensees liegt ein FKK-Gebiet.
Das hat Herbert und mich übrigens daran gehindert, den direkten Weg vom Parkplatz zum Ufer zu nehmen. Wir weichen ein paar Meter nach Osten aus, dort darf man auch verhüllt ins Wasser. Und genau das haben wir vor. Denn das Wasser – kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen – ist Mitte Juni empfindlich kalt.bs01Da es nach den Regentagen ganz schön abgekühlt hat, schmeißen wir uns in unsere Neoprenanzüge, stülpen die Silikonkappen über, setzen die Schwimmbrillen auf und ab geht es in den Birkensee.  Nicht gerade FKK-regelkonform, wie wir uns verpacken. Darum weichen wir ja auch ein wenig aus und begeben uns ins abseitige Terrain.
Die wenigen Nackten am Ufer beobachten uns bei unserer ersten Schwimmrunde, es gibt ja sonst auch nichts zu sehen. Sie schenken uns ihre intensive Aufmerksamkeit, die wir ihnen im Gegenzug nicht zukommen lassen. Beim Kraul bleibt wenig Zeit, irgendetwas genauer anzuschauen. Und das ist gut so. Außerdem gibt Spannenderes zu sehen als die pensionierten FKKler am Birkensee.
Da wäre zum Beispiel ein monumentaler Karpfen, den ich unter mir im Wasser sehe. Der Fisch sucht das Weite, als er mich über sich wahrnimmt. Er erinnert mich an Cyprinus, den gritzigen Karpfen aus dem Kleinen Wassermann, meiner geliebten Kinderlektüre.
Da wäre auch der Akku meiner kleinen Unterwasserkamera, der sich bedrohlich dem battery empty nähert und die Kamera zu hysterischem Blinken motiviert.
Und da wäre Gustl, das Blässhuhn. Die schwarze Ralle fühlt sich keineswegs von mir belästigt, als ich nah an sie heranschwimme und sie mit dem letzten Quentchen Strom fotografiere. Das beunruhigt sie nicht. Sie ist offensichtlich Kummer gewohnt… ach ja: Da ist ja der FKK Strand direkt gegenüber und damit direkt in ihrem Blickfeld.bs07
Als wir das Wasser verlassen und uns am Ufer einen Thermoskaffee genießen, brüstelt eine ein wenig in die Jahre gekommene, trockenhaarschwimmende Nackerte im knietiefen Wasser direkt an uns vorbei.bs03
Täusche ich mich oder schaut sie uns etwas angewidert an?
Bekleidet schwimmen?
Noch dazu ganzkörperbekleidet?
In Gummi, das wie alte Autoreifen riecht…
Ist ja widerlich.
Das distanzlose Anstarren veranlasst mich, zurückzustarren. Ich nehme die Kamera einfach mal in die Hand, bis sie empört den Blick von uns abwendet und davon paddelt.
Vermutlich hält sie mich jetzt für einen perversen, sexistischen Spanner, der den nackten, schwimmenden Frauen hinterher schaut und sie fotografiert.
Soll sie, dann halte ich sie im Gegenzug für eine perverse, sexistische Person, die lustvoll auf ebenfalls ein wenig in die Jahre gekommene Kerle in Gummianzügen starrt. So hat eben jeder seinen Fetisch.

Keine 500 Meter weiter liegt der Lußsee, zu dem wir anschließend hinüber wechseln. Ich merke: See-Hopping ist chic, das könnten wir öfter machen.
Die Radfahrer und Spaziergänger auf dem Gelände schauen etwas verwundert, zwei mit Taschen bepackte Typen in Neoprenanzügen über die verwaiste Grill- und Liegewiese latschen zu sehen.
Aber es sagt keiner was. Wenigstens etwas… hat man auch nicht so oft.
Der Lußsee, obwohl deutlich größer als der Birkensee, ist um Einiges wärmer als der zuvor beschwommene Teich, wie wir schnell bemerken. Eine gut ausgeschwommene Runde bringt es auf etwa 1,5 Kilometer. Herbert kürzt allerdings ab, indem er sich sehr weit auf die Innenbahn vom Ufer weg bewegt. Er mag die Nähe zum Ufer nicht, er braucht Raum.
Dafür entgeht ihm das Durchschwimmen der dichten Unterwasservegetation am Westende des Sees. Ich brauche das zwar auch nicht unbedingt, aber ich möchte doch eine möglichst große Distanz bei dieser Runde zurücklegen. Und so hänge ich eben immer wieder kurz mal im Gestrüpp.
An den Flachstellen achte ich auf etwa eine Handbreit Wasser unter den Fingern. Ich hab keine Lust, mit meinen Fingerkuppen den Bodengrund umzugraben, Sediment aufzuwirbeln und am Ende gar meine zarten Fingerchen noch an einem Stein zu verletzten. Das muss nun wirklich nicht sein.
Gegenüber der Uferwiese, auf der wie unsere Sachen abgelegt haben, ist ein betonierte Promenade, an der ich sehr nah entlang schwimme. Ein gefährliches Gebiet ist das, wie ich später auf dem Umgebungsplan sehe:bs05Warum man eine etwa eineinalb Meter hohe Betonwand, auf der oben ein Geländer angebracht ist, Steilufer nennt, ist auch ein sich mir nicht erschließendes Geheimnis. Es gibt eben viel Neues zu entdecken im Münchner Westen.
Weiter geht es im See zum breiten Kiesstrand am Nordufer. Gottseidank ist das Wetter an diesem Tag sehr bescheiden. Ich möchte mir nicht ausmalen, was hier los ist, wie es hier zugeht, wenn die Sonne das Thermometer auf über 30°C hoch jagt. Vermutlich stapelt sich dann der gesamte Münchner Westen in den beiden größeren Seen und die nackten Münchner Westler, die es nicht in den Englischen Garten zieht, schichteln sich am Birkensee auf. Die Münchner Ostler treibt’s wohl eher an den Feringasee, den ich auch noch auf der Liste, habe aber auf kühleres Wetter warte. Das Auge schwimmt schließlich auch mit.bs06

Unterm Schwimmen weht mir plötzlich der Duft von Pommes frites in die Nase. Ein Kiosk steht nah am Ufer.
Fein. Da weiß ich ja, was ich direkt nach dem Schwimmen mache. Zum Kiosk werde ich traben und mir ein Schälchen Pommes holen. Mit Mayo. Und Ketchup. Und ’ne Wurst.
Mann, hab ich einen Hunger.
Die verlockenden Aussichten beschleunigen nicht nur mein Tempo beim Schwimmen sondern auch beim anschließenden Umziehen. Wir verstauen unsere Sachen im Kofferraum, dann geht’s zum Essen fassen.
Je näher wir aber dem Kiosk kommen, um so stärker riecht es. Der Magen knurrt. Leute allerdings sind keine zu sehen. Die Rollläden sind allesamt heruntergelassen, der Kiosk hat geschlossen.
Also keine Wurst und keine Pommes, obwohl es so sehr danach riecht. Ein weiteres Geheimnis des Westens: Warum riecht es nach Essen, wenn es gar keines gibt?
Auch der Biergarten am nahe gelegenen Hotel Langwieder See hat geschlossen. Schade. Dann eben nicht. Ein Schokoriegel aus der Notverpflegungsbox und ab geht’s nach Hause.
Ich weiß schon jetzt: Das gibt enorme Abzüge bei dem späteren Ranking der Schwimmgewässer, das kann ich Euch versprechen.
Und für die Rückkehr und das Schwimmen im Langwieder See, was ich ja auch noch machen werde, such ich mir schon mal heraus, wo in der Nähe ein McDonald’s ist.

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 —-

Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See, Birkensee, Lußsee, Soyensee, Heimstettener See, Lerchenauer See, Pilsensee,

Was bleibt:

Ammersee, Fasaneriesee, Feldmochinger See, Feringasee, Hartsee, Kronthaler Weiher, Langwieder See, Riemer See, Simssee, Thenner Weiher, Weßlinger See, Wörthsee, Zustorfer Weiher

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Blogparade ‚München‘: Challenge 25/7 & 25/8 (Birkensee und Lußsee): Im Westen viel Neues

  1. Pingback: Meine Lieblingsfundstücke im Juli 2015 - soschy on tour

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