Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/14 (Simssee): Dabei sein ist Alles…

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image KopieDas also war er dann. Der erste und der letzte Schwimmwettkampf 2015. Als im April Herbert mit der Idee kam, wir könnten doch eigentlich beim Langstreckenschwimmen am Simsee mitmachen, wollte das wohlüberlegt sein. Unser beider Strategie war, nicht als Letzter durch’s Ziel zu kommen., seine, mich zu überholen. Um es kurz zu machen: Das Ziel zumindest haben wir erreicht. In unserer Gruppe (Masters, Männer Ü 40) hat Herbert den 15. und ich habe den 16. Platz gemacht. Insgesamt den 36. von 56 Teilnehmern.
Bescheiden, aber als Ausrede reklamiere ich, dass ich ja eigentlich gerade erst dem Tod von der Schaufel gesprungen bin. Herbert weist zu Recht darauf hin: In der Altersgruppe unter 40 wären wir beide sogar unter den Top Ten gewesen, Kunststück, wenn da nur acht Männer gestartet sind. Mit zunehmendem Alter wird man eben diskriminiert. Da kann man schon mal lamentieren.
Aber hätte, wäre, wenn…
Egal. Dabei sein ist alles.
Die Gesamtwertung werde ich mir die Tage mal aus dem Netz herunterladen. Dass ich fast 7 Minuten mehr als im Freibad gebraucht habe, wurmt mich, aber so ist das nun mal. Da kann ich auch nichts ändern. Wenigstens dieses eine Mal verzichte auf ein peinliches Selfie im Wasser. Beim Wettkampf geht sowas nicht, und alles andere hinterher wäre Fake. Also fotografiere ich lieber die anderen: Die, die das wirklich können, die 6000-Meter-Schwimmer, die an den Austrian Open Water teilnehmen:DSCF1250[1]

DSCF1253[1]
Wettkampfbedingungen sind natürlich etwas ganz Anderes, als einfach nur so ins Wasser zu steigen und loszuschwimmen. Es fängt schon mal mit dem Gerenne der Teilnehmer ins Wasser an. Jeder drängt und schiebt, die erste Minute ist es ein Knäuel an Schwimmern, dann zieht sich das Feld auseinander.
Und irgendwann versuchst Du dann verzweifelt, Dich noch irgendwie zu orientieren. Zumindest, wenn man so kurzsichtig ist und auf die Ferne kaum was erkennt.
Wo ist die verdammte Wendeboje?
Was ist das überhaupt für ’ne Scheißidee gewesen? Warum habe ich mich bequatschen lassen, mitzuschwimmen?
Warum ist die Boje so weit weg?
Stimmt. Der Rennleiter hatte ja gesagt, dass die Distanz zur ersten Boje etwas größer ist als zur zweiten.
Als ich die Boje endlich erreiche, sehe ich dass da noch reichlich Schwimmer hinter mir sind. Das beruhigt.
Letzter werde ich nicht. Das ist sicher.
Aber das ist es nicht, wie ich nach der zweiten Boje merke…
Irgendwie habe ich das Ziel nicht mehr richtig vor Augen. Ich drifte etwas ab und beschere mir einige Extra-Meter. Warum ist das aufgeblasene Ziel nicht leuchtend orange sondern dunkelblau?
Zurück auf der Ameisenstraße der Schwimmer (irgendwie schaut das wohl so aus) reihe ich mich zwischen einigen Rotkappen ein. Das sind die, die zwei Runden schwimmen, also 4.000 Meter.
Mir reichen 2.000 Meter.
Was aber, wenn das die schnellsten Rotkappen sind, die die erste Runde schon hinter sich haben?
Wie peinlich wäre das denn?
Die Liste der idiotischen Gedanken, die man auf der Strecke haben kann, ist überraschend lang. Ganz am Anfang, als ich mich ins Wasser fallen lasse und falsch atme, komme ich nicht in den Schwung. Warum lasse ich mich nicht einfach von der Wasserwacht wieder zum Ufer zurückbringen?
Warum bin ich so verdammt früh aufgestanden? Warum habe ich zum Wachwerden Kaffee getrunken, der mir jetzt aufstößt? Oder ist es das Grillfleisch von gestern? Oder der Quark zum Frühstück?
Als ich das Gefühl habe, dass mich eine Schwimmerin, mit der ich auf gleicher Höhe bin, mit ein paar kräftigen Brustschwimmzügen hinter sich lassen wird, frage ich mich, warum ich nicht einfach am Ufer auf dem Handtuch liegen geblieben bin.

DSCF1243[1]

Und so geht es in einem fort.
Dabei gäbe es soviele Gründe zu schwärmen: Die perfekte Organisation, das tolle Wetter und das 27°C warme Wasser (was zu einem Neoprenanzugverbot führt), die Angeber-Badekappe und das passsende Leibchen (für die frühen Anmelder) für’s Büro in der Startertüte, die tolle Stimmung und die lustigen Campingurlauber, die überall herumwuseln. Denn das Chiemgauer Langstreckenschwimmen findet mitten auf einem Campingplatz statt.
Außerdem: Nach dem Schwimm ist vor dem Schwimm – kennt man ja. Während ich Bananenstücke, Melonenscheibchen, ein paar kleine Bissen eines Energy-Riegels in mich hineinstopfe und isotonische Getränke literweise trinke, komme ich zu dem Entschluss, im kommenden Jahr wieder mitschwimmen zu wollen… und mich vor Herbert zu platzieren.
Dabei sein ist eben doch nicht alles.

DSCF1240[1]

Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See, Birkensee, Lußsee, Soyensee, Heimstettener See, Lerchenauer See, Pilsensee, Kronthaler Weiher, Simssee

Was bleibt:

Ammersee, Fasaneriesee, Feldmochinger See, Feringasee, Hartsee, Langwieder See, Riemer See, Thenner Weiher, Weßlinger See, Wörthsee, Zustorfer Weiher

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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