Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/15 (Hartsee): Boaah wat is dat härrlich!

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image KopieMargarethe Pallaschke (nennen wir sie mal so) kommt aus dem  Hartsee. Die rüstige Mitsiebzigerin schlingt ihr Handtuch um sich. Ihr Mann Manfred schaut kurz von der Chiemgauzeitung, die er sich am Kiosk gekauft hat, hoch.
„Ich geh getz ma n bissken inne Sonne und wärm mich wacker auf“, lässt sie ihn wissen. Der Mann brummt nur – als Zeichen der Zustimung, und das er verstanden hat, was seine Margarethe im gesagt hat. Mehr Worte bedarf es nicht.
„Willse nich auch ma n bissken schwimmen? Tut Dir doch gut, hat doch der Dokta gesacht…“
Manfred brummt nur.
An ihrem Redeschwall und seiner Einsilbigkeit erkenne ich die Westfalen – und natürlich an dem unverwechselbaren Dialekt. Ich weiß sofort, wo die beiden herkommen, schließlich bin ich auch da wech.
Zahlreiche Fahrzeuge auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz in Eggstätt tragen NRW-Kennzeichen, das ist mir schon bei der Ankunft aufgefallen, sogar ein Hagener steht dort. Also muss man die Westfalen ja auch irgendwo finden. Und so ist es dann auch.
„Dat is so schön hier, und alles so grün, woll Manfred?“ begeistert sich Frau Pallaschke. „Is doch dat Beste, wasse machen kanns. Schwimmen inne freien Natur. Härrlich!“
Du meine Güte, kommt die Frau, die in nächster Nähe zu uns auf der Liegewiese mit ihrem Mann spricht, ins Schwärmen.
Zwischen Minigolf (Büdchen geschlossen, bitte am Kiosk melden), Beachvolleyball (viel zu heiß), Liegewiese (papierchenfrei), Spielplätzen (unfallsicher), Betontischtennisplatten (unvermeidbar), Kiosk (Schöller statt Langnese) und Restaurant (heute Ruhetag!) beweist das Freizeitgelände am Hartsee wieder einmal, wie man es der deutschen Seele Recht macht: Der Kies ist geharkt, der Rasen neu ausgesät, die Blumengäste sind bepflanzt, die Gartensprenger laufen, der Müll ist verräumt, die bayerische Mundart wird gepflegt. So liebt es schließlich der Urlauber von der Ruhr oder der Elbe, wenn er seine Ferien in Bayern verbringt. Irgendwie ist das ja noch Deutschland, aber irgendwie auch so schön exotisch. Und so lieben es auch die Pallaschkes.hartsee1
Sollen der Urlauber im Allgemeinen und meine Liegewiesenachbarn im Besonderen das genießen, das ist in Ordnung. Mich interessiert das ganze Drumherum relativ wenig, ich bin nur zum Schwimmen hierhergekommen. Vielleicht werde ich mich noch etwas sonnen und mit meiner Tochter ’ne Leberkas-Semme am Kiosk kaufen, dann fahren wir wieder heim.
Pallaschkes fühlen sich jedenfalls wohl. Und das ist die Hauptsache.
„30 Jahre is das getz her, dass der Boris Wimbledon gewonnen hat“, zitiert Manfred die Zeitung. „Kinders, wie die Zeit vergeht.“
„Da hasse recht“, antwortet Margarethe. „Is echt ewich her. Da war dem Günni sein Junge noch ga nich auffe Welt…“
Manni nickt.
„Ich geh dann getz ma. Wenn’se mich suchs, ich bin da hinten, da beim Lokal. Inne Sonne…“
Der Mann brummt.
Die Frau geht nicht. Sie faltet ihr Strandhandtuch ordentlich zusammen und umschlingt ihre Hüften mit einem Tuch.
„Wann geh’se denn schwimmen, getz dann?“ fragt sie.
„Nee. Gleich.“ Etwas genervt faltet er die Zeitung zusammen. Er weiß, dass er keinen Artikel mehr in Ruhe lesen kann, bis seine Frau endlich in der Sonne liegt und er im Wasser ist.
„Da kann’se dich echt auf watt freuen. Is härrlich,“ verspricht ihm Margarethe. Und sie hat absolut Recht.hartstee3
…und weil es so herrlich ist, lasse ich die beiden jetzt allein im Schatten der hohen Bäume und mache mich auf in den See. Ich bin längst umgezogen, habe meine Sachen zusammengesucht und möchte den nächsten See kennenlernen, einen Toteissee im nördlichen Chiemgau. Es ist der letzte der vier Seen dort, die ich in der Challenge 25 für dieses Jahr auf der Liste habe. Dann ist der Osten erledigt.
Der See ist unspektakulär, weitaus weniger reizvoll als der Langbürgner See gleich nebenan, aber trotzdem eben härrlich!
Im Wasser, das gefühlt mittlerweile an die 30°C heranreicht, schwimme ich langsam und entspannt meine Runde. Zwischendurch habe ich das Gefühl, dass ich der Einzige bin. Es gibt offensichtlich nur den einen Seezugang im Freizeitgelände. Im direkten Umfeld drängelt es sich ein wenig, aber ein kleines Stück entfernt umkreisen mich nur noch Libellen und Fliegen.
Kein Schwimmer weit und breit, kein Schlauchboot, keine Luftmatratzenkapitäne, keine Trockenhaarschwimmerinnen, nichts und niemand.
Nur ich.
Härrlich! So inne grüne Natua.

hartsee2

 

Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See, Birkensee, Lußsee, Soyensee, Heimstettener See, Lerchenauer See, Pilsensee, Kronthaler Weiher, Simssee, Hartsee

Was bleibt:

Ammersee, Fasaneriesee, Feldmochinger See, Feringasee, Langwieder See, Riemer See, Thenner Weiher, Weßlinger See, Wörthsee, Zustorfer Weiher

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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