Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/16 & 25/17 (Riemer See und Feringasee): Vorurteile… und was draus geworden ist

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image KopieZwei auf einen Streich… im Münchner Osten gibt es zwei Seen, die ich noch auf der Liste habe, den Riemer und den Feringasee. Eigentlich hatte ich die Idee, die Seen auf dem Weg von der Arbeit nach Hause aufzusuchen: Runter von der Autobahn, rauf auf den Parkplatz, rein in die Badeklamotten und ab in die Seen. Das war der Plan.
Nur wie so oft wird aus Plänen nichts. Zumindest dann nicht, wenn die Lokalradiosender in den Verkehrshinweisen mit schöner Regelmäßigkeit mitteilen, dass alle Parkplätze am Feringasee belegt sind und man auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen solle.
Und schon habe ich keine Lust mehr, dahin zu fahren. Da bin ich komplett traumatisiert.
Denn seit frühester Kindheit war die zentrale Frage in unserer Familie: „Wo parken wir denn eigentlich?“
Mein Vater konnte alle damit gewaltig nerven, für ihn war es immer ein großes Problem, wo er das Auto lassen konnte. Möglichst sicher natürlich, dass ja nur niemand den Wagen knackt und klaut.
Das Problem löste sich für ihn erst, als er endlich seinen Behindertenausweis bekam. Fortan parkte er, der noch halbwegs gut zu Fuß war, auf Behindertenparkplätzen. Pech eben für echte Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer, aber hatte schließlich auch ein G auf dem Ausweis.
Die Parkplatzsorge prägt. Wo parken, wenn kein Platz ist?
Also mache ich im Vorfeld Pläne, wie Petra in ihrem Chlorhühnchen-Blog so schön beschrieb.
Konsequenterweise beschließen Herbert und ich diese beiden Seen an einem eher etwas kühlerem Dienstag zu besuchen – unter der Woche, kühles Wetter, keine Ferien. Wir werden also einen Parkplatz finden. Und wir werden einen Platz auf der Wiese für unsere Sachen finden. Und im Wasser werden wir Platzt zum Schwimmen haben. Das ist der Vorteil freier Tage, und diese gilt es auszunutzen. gute Planung ist halt die halbe Miete.
Zunächst führt uns der Weg nach Riem…

1. Riemer See

Da stehe ich auf dem Kies am Ufer und denke: „Vor Dir soll ich Respekt haben?“riemer-see-01
Der Gedanke ist töricht, ich weiß. Jeder Schwimmer sollte vor Gewässern Respekt haben. Grundsätzlich. Vor allem bei fremden Gewässern ist es nicht verkehrt… wer weiß schon, was einen im trüben Wasser erwartet?
Aber so sehr ich mich auch bemühe, der Riemer See flößt mir keinen Respekt ein. Das ganze Arrangement ist eher vor lauter Künstlichkeit abstrus. Zur Münchner Bundesgartenschau wurde 2005 der See angelegt – eine riesige Betonwanne, die nun den vielen Menschen der umliegenden Dörfer vor allem aber den Bewohnern der Trabantenstadt Badevergnügen bereiten soll. Ein harmloser etwas größerer Teich…riemer-berg-06
Denkste.
Es ist keine zehn Tage her, es war ein enorm heißes Wochenende, da sind zwei Menschen bei Badeunfällen im Riemer See um’s Leben gekommen. Zuerst eine junge Frau, am Sonntag drauf ein 56jähriger Mann.
Viel wurde darüber spekuliert, wie es zu den Unfällen kommen konnte, vor allem angesichts der Menschenmassen, die sich an diesem Wochenende am See befanden. Gerüchte machten die Runde… es ist müßig, dem weiter Nahrung zu geben.
Aber ich sollte Respekt haben… und genau daran hapert es. Ich bin einfach nur neugierig. Weniger, wegen der Ertrunkenen, als wegen dieses vollkommen künstlichen Sees, einem reinen Landschaftsarchitektenprodukt.riemer-schwimm-01
Wir waten durch’s knöcheltiefe Wasser. Endlich ist es tief genug, dass wir unsere Runden schwimmen können. Eine Runde, eine Längsquerung, ein paar Fotos. Fertig.
Wieder steht meine Tasche am Ufer, wieder kommt mir der Gedanke, was wäre, wenn ich jetzt beklaut würde, wieder erweist sich das Ganze als komplettes Hirngespinst. Sogar die kleine Unterwasserkamera liegt offen und unangetastet zwischen Taschen und Schuhen, genau da, wo ich sie liegengelassen hatte, als ich zum Ufer zurückkomme. Natürlich war das blöd, sie so für jedermann sichtbar und unbeobachtet liegen zu lassen. Aber wie gesagt: Entweder habe ich unendlich viel Glück, oder das ganze, vor allem aus der rechten Szene stammende Gequatsche, man werde beim Schwimmen im Freibad oder am See fortwährend von herumschleichenden Ausländern oder Asylbewerben bestohlen, ist erlogene rassistische Propaganda. Offen gestanden: Ich tendiere zu letzterem und bemühe mich einmal mehr solche Vorurteile gar nicht erst in meinem Kopf zu lassen.
Rein schwimmtechnisch ist der Riemer See eher dürftig. Voll ist es wie zu erwarten war, nicht, aber ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es an heißen Tagen hier zugeht. Ich habe Fotos gesehen, da drängen sich Menschenmassen am Ufer und im Wasser wie an der Adria, wenn die Heerscharen deutscher Touristen in Bibione einfallen.riemer-schwimm-02
Den Riemer See kann ich nach dem Schwimm als erledigt abhaken. Hier gibt es nichts, was mich dazu bringen kann, ein zweites Mal zum Schwimmen herzukommen. Lediglich die Aussicht vom nahegelegenen, aufgeschütteten Hügel ist famos. Ganz anders hingegen als der Riemer See ist der

2. Feringasee

Seit über 15 Jahren wohnen wir östlich von München, an dem See war ich vorher nie. Irgendwie war der mir immer unsympathisch. Schon bei den Meldungen im Verkehrshinweis. Völlig überlaufener Baggersee, Naherholungsgebiet, Menschenmassen, Parkplatzprobleme. Wer braucht schon sowas?feringa02
Und ja, da war noch etwas, was ich über den Feringasee weiß: 2001 wurde mal ein Kind (in der Presse der kleine Josef genannt) dort von einem Hecht gebissen. Für mich ist das kein Grund, das Gewässer zu meiden, ich erwähne das nur der Vollständigkeit halber. Denn ich habe keine Sorge, von irgendeiner heimischen Wildtierart irgendwelche ernsthaften Verletzungen zugefügt zu bekommen. Ich gehöre nicht in deren Beuteschema und löse wohl eher deren Flucht- als Angriffsreflexe aus.  Das liegt nun weniger daran, dass ich selbst ein so bestienhaftes (um bestialisches zu vermeiden) Äußeres habe. Das liegt einfach daran, dass man beim Umgang mit Wildtieren sich seines Verstandes bedienen sollte, also Distanzzonen nicht zu durchbrechen, Tiere nicht zu erschrecken und ihnen immer Fluchtmöglichkeiten offen lassen sollte…
Warum schreibe ich das so ausführlich?feringa-01
Weil es sonst über den Feringasee wenig zu erzählen gibt. Herbert findet einen Parkplatz, natürlich fast direkt vor’m Loch, also dem direkten Zugang. Fast heißt: Natürlich gibt es die Behindertenparkplätze ganz vorne – vermutlich damals extra angelegt, weil mein Vater ja mal irgendwann hätte zu dem Feringasee fahren können oder wollen…
Wir steigen ins Wasser, ich entschließe mich, den Neopren-Shorty anzuziehen, die Erkältung ist immer noch nicht ganz abgeklungen, es ist der zweite Schwimm heute. Da möchte ich etwas vorsichtig sein.
Ganz die Regeln durchbrechend schwimmen wir direkt nach Norden auf die A99 zu, die sich hinter dem Ufer befindet. Damit geraten wir direkt hinein in die Wassersportzone, die für Windsurfer und Angler reserviert ist. Baden ist dort – so lese ich später auf Wikipedia – nicht erlaubt. Da aber keiner Surfer und keine Angler anwesend sind, und sich auch sonst niemand dafür interessiert, weist uns auch niemand darauf hin, dass wir hier nichts zu suchen haben. Andererseits: Wir baden ja nicht. Wir schwimmen. Und das ist doch auch ein Wassersport.feringa03
Aber auch dies sollten wir eigentlich im Südteil des Sees tun… hinter der Bojenkette. Wozu schließlich wurde sie gespannt?
Den Feringasee, so sind Herbert und ich einer Meinung, werden wir sicher noch mal ansteuern. Vielleicht im Herbst – denn den Schwimmerbereich haben wir eigentlich noch gar nicht richtig kennengelernt.

feringa04

Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See, Birkensee, Lußsee, Soyensee, Heimstettener See, Lerchenauer See, Pilsensee, Kronthaler Weiher, Simssee, Hartsee, Riemer See, Feringasee

Was bleibt:

Ammersee, Fasaneriesee, Feldmochinger See, Langwieder See, Thenner Weiher, Weßlinger See, Wörthsee, Zustorfer Weiher

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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