Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/21 & Challenge 25/22 (Wörthsee und Weßlinger See): … ach ja, es war ja Dienstag

2 Kommentare

image KopieVorab: den fehlenden See (Challenge 25/20), habe ich unten an den Beitrag über den 19. Schwimm gehängt. So viel gibt es nicht über den Zustorfer Weiher, in dem ich am Montag abend geschwommen bin, zu berichten, dass es sich gelohnt hätte, einen eigenen Beitrag zu schreiben.

Am Dienstag stehe ich morgens auf dem Münchner Autobahnring. Nichs geht mehr.
Fröhlich säuselt die Frau im Radio vor dem Wetterbericht: „Wenn Sie sich heute frei genommen haben und auf dem Weg zum Badesee sind, dann haben Sie alles richtig gemacht!“
„Ja, ich habe frei genommen und bin auf dem Weg zum Badesee“, schleudere ich ihr erbost entgegen. „Aber Deine Kollegen in der Verkehrsredaktion haben die Staus hier nicht angesagt. Was soll der Scheiß?“
Davon ungerührt liest die Radiomoderatorin den Wetterbericht vor, dann die Staumeldungen und ich erfahre, dass weiter vorne eine Baustelle ist. Da hat es gekracht.
Auffahrunfall im Baustellenbereich – bemerke ich eine Viertelstunde später.
Klar, es ist ja Dienstag. Da sind die Arschlöcher unterwegs. Das zieht sich ja wie ein roter Faden durch mein Leben, seit ich vor Jahren mit einer Presswurst in Markt Schwaben im Schwimmbad kollidiert bin, dem Urtyp aller Dienstagsarschlöcher.
Heute ist es wieder so weit. Das spüre ich schon in den Knochen.
Ein paar Arschlöcher sehe ich im Stau vor mir. Sie sind unfähig oder unwillig, eine Rettungsgasse zu bilden, als die Fahrzeuge der Autobahndirektion Südbayern sich heftig hupend durch den Stau nach vorne kämpfen. Klar, das sind keine Rettungsfahrzeuge, warum soll man die durchlassen? Das sind ja „nur“, diejenigen, die die Metall- und Plastikteile sowie die Scherben von der Fahrbahn entfernen müssen, damit es ungehindert weiter geht.
Weitere Arschlöcher sehe ich auf dem Standstreifen. Da stehen sie mit ihren eingedrückten Motorhauben und regen sich auf, das sind die Unfallverursacher.
Und noch ein paar Arschlöcher sind auf der Gegenfahrbahn und glotzen. Das sind die bisher größten. Deren Blödheit verursacht gleich den nächsten Stau.
Eine gute Stunde später und reichlich spät sammle ich Chlorhühnchen Petra in Weßling ein. Mit Petra, die auch bloggt und schwimmt, bin ich bereit im Pilsensee geschwommen, heute wollen wir uns im Fünfseenland den Wörthsee vornehmen, eine Mittagsause machen und danach in den Weßlinger See steigen. Vorbei ist der Ärger über die verlorene Zeit auf dem Autobahnring.

1. Wörthsee – Dienstagsarschlöcher inklusive
Wir starten am Augustiner Badestrand in Steinebach. Unser Ziel ist die andere Seeseite schräg gegenüber, dort wollen wir einmal durchschnaufen, dann wieder zurück. Jede Strecke ist etwa einen Kilometer lang. Das soll reichen. Schließlich kommt noch ein weiterer See dazu. Das klingt nach einem guten Plan, oder?wös1
Aber das ist es nicht. Denn entgegen der bayerischen Verfassung vom garantierten, ungehinderten Zugang zu Bayerns Naturschönheiten wie Wald, Seen und Gebirge stehen auf der gegenüberliegenden Seite lauter Boots- und Badehäuschen, natürlich alle im Privatbesitz, wie wir schnell lernen. Trotzdem wagen wir es, auf den Stufen einer Badeleiter an einem Privatsteg Platz zu nehmen, uns zu orientieren und durchzuschnaufen. Und wir besitzen sogar die Frechheit, ein paar Bilder vom Steg zu machen… und uns.
Eine ältere Frau mit Hund kommt gerade aus dem Wasser, der Hund schaut grimmig, bellt aber nicht, als Petra als erste zu dem Steg schwimmt.
Beide verlassen das Wasser, da kommt der Hund plötzlich wieder angelaufen, springt ins Wasser und schwimmt auf mich, der ich mich mittlerweile auch dem Steg nähere, zu.
„Verbieten kann ich ihm das nicht. Auch nicht verhindern“, belehrt uns die Frau schnippisch vom Steg aus. „Das ist schließlich sein Revier.“
Was so viel heißt, dass wir hier nichts zu suchen haben: Privatgrund!wös4
Soweit ihre Auffassung zu der Bayerischen Verfassung, in der es in Artikel 141, Absatz 3 heißt: „Staat und Gemeinde sind berechtigt und verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen.“ Das gilt wohl hier nicht, nicht mal, wenn man den freien Zugang von der Seeseite aus wählt, wie wir bald erfahren werden.
Hund und Frauchen sehen es nicht so, dass wir uns im Wasser vor dem Steg aufhalten dürfen. Der Hund klammert sich an mich, erstaunlich, dass er nicht kratzt, er schnappt auch nicht nach mir. Trotzdem ist es eine überaus unbehagliche Situation, einen eher schlecht schwimmenden, Jagdhund auf dem Arm hängen zu haben, keine 20 cm von meinem Gesicht entfernt. Endlich kommt die Frau und pflückt ihren Köter von mir.
Wenige Minuten später kommt der Hund erneut angerannt, saust die Stufen herunter und stürmt schwimmend auf Petra zu. Petra, die ein eher zwiespältiges Verhältnis zu Hunden hat, fühlt sich ebenfalls unbehaglich und regt sich verständlicherweise gebührend ein wenig auf. Postwendend stimmt die Frau vom Steg ein wütendes Gezeter an. Denn jetzt muss sie, obwohl sie sich gerade zum zweiten Mal abgetrocknet hat, noch einmal ins Wasser  und ihren „blöden Hund“ (O-Ton Petra) einsammeln.
Die Bemerkung vom blöden Hund nimmt die Frau persönlich. Also tobt und schimpft sie durch’s Wasser watend über die Unverschämtheiten, dass wir es gewagt haben, ein paar Minuten auf ihrer Badetreppe zu sitzen, und dass ohne überhaupt zu fragen.
Ihr Mann, angelockt von dem Geschrei, kommt auf den Steg und stimmt lautstark mit ein. Kalkweiß steht er dort und brüllt herum. Von Unverschämtheiten ist die Rede, von schlechtem Benehmen, fehlender Kinderstube, unerlaubtem Betreten des Grundstücks und so weiter und so weiter. Der Alte ist richtig in Fahrt, was seinem Blutdruck ganz sicher nicht gut tut. Arme und Beine bleiben bleich und kontrastieren sich auf’s Trefflichste mit seinen schwarzen Hosen. Der Kopf nimmt aber immer heftigere Rottöne an.
Ich bin froh, dass wir nur in Deutschland sind, in Amerika hätte der Alte vermutlich längst sein Gewehr im Anschlag und würde auf uns schießen.
„Ist ja gut“, fauche ich genervt zurück und schwimme einfach los. Zeternde Idioten sollte man einfach mit ihrem Gebrüll stehen lassen. Es ist Dienstag, da sind eben viele Arschlöcher unterwegs.
Petra donnert beiden noch einen Glückwunsch zu, dass sie soviel Zeit hätten, sich über so eine Lappalie so sehr aufzuregen. Die Erwiderungen der jetzt schäumenden und tobenden Geldigen auf dem Steg gehen buchstäblich im Geglucker und Gegurgel des Wassers in meiner Ohrmuschel unter. Auch Petra schwimmt los.

Nach knapp 25 Gewässern, in denen ich in den vergangenen Monaten geschwommen bin, muss ich sagen: Nirgendwo habe ich bisher ein solches Auftreten gegenüber Schwimmern erlebt, wie von diesen beiden. Da ist es selbst am Lerchenauer See, am angeblichen „sozialen Brennpunkt“ Hasenbergl friedlicher. Leben und leben lassen ist fast überall die Devise. Nur bei diesen Seegrundstücksbesitzern eben nicht.wös3

Auf der Liegewiese pausieren wir, am Kiosk gibt es Pommes, mit oder ohne Currywurst.
Den Wörthsee werde ich eventuell noch mal anfahren, dann aber von einem anderen öffentlichen Wasserzugang aus. Damit haben die beiden Vollpfosten mit ihrem Arschlochbenehmen natürlich  erreicht, was ihr Ziel ist: Schwimmer aus dem Wasser vor ihrem Privatgrund fernzuhalten, das ärgert mich bei dem Ganzen am allermeisten.
Aber offen gestanden reicht’s mir mit solchen Arschlöchern. In meiner geplanten Rangliste der 25 Seen werde ich den Wörthsee auf Ramschniveau herunterstufen. Wer solche Leute an seine Ufer zieht, hat kein gutes Ranking verdient. Auch wenn der See nichts dazu kann.

2. Weßlinger See – der bessere Tip
Wesentlich gemütlicher und friedlicher geht es am Weßlinger See, der auf dem Nachmittagsprogramm steht. Der kleinste der fünf Seen ist eher ein etwas größer geratener Teich mit Badestrand, Cafe und einer Fontäne mittendrin. Urlauber finden offenbar wenige dorthin, dafür mehr Einheimische, denen vermutlich das wichtigtuerische, aufgeblasene Gehabe an den größeren Seen ebenso auch auf die Nerven geht, wie die Scharen an Sommerfrischlern und Tagesausflüglern.
wes01
Petra und ich schwimmen eine Runde durch geradezu absurd warmes Wasser, über Krautfelder, vorbei an Kindern, die sich aus uralten Bäumen ins Wasser fallen lassen., am Strandcafe, Badehütten und viel Grün. Nach dieser etwa 1,7 Kilometer langen Runde soll es das dann auch gewesen sein.
Von weiteren Dienstagsarschlöchern bleiben wir zum Glück in dieser Postkartenidylle unter blauem Himmel mit weißen Schäfchenwolken verschont. Am Ufer toben Kinder, von denen man zwei Mathilda und Eduard getauft hat… Aber für ihre Namen können sie ja nichts.

wes03

Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See, Birkensee, Lußsee, Soyensee, Heimstettener See, Lerchenauer See, Pilsensee, Kronthaler Weiher, Simssee, Hartsee, Riemer See, Feringasee, Langwieder See, Thenner Weiher, Zustorfer Weiher, Wörthsee, Weßlinger See

Was bleibt:

Ammersee, Fasaneriesee, Feldmochinger See

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Challenge 25/21 & Challenge 25/22 (Wörthsee und Weßlinger See): … ach ja, es war ja Dienstag

  1. Oh, Mann wie gut ich das kenne, Wörthsee und Starnbergersee sind die schlimmsten. Da ist einem jeder „Brennpunkt-Assi“ 100 mal lieber, als die grosskopferten Arschlöcher vom Schickimicki See, die sog. Oberen 10.000 …
    Der Ammersee ist zum Glück nicht so, der wurde schon immer als Bauern-See verspottet, der ist schön und ohne Allüren …

  2. Pingback: Sight-Seeing, Seehunde und andere Ungeheuer | Übers Schwimmen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s