Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 25/23 & 25/24 (Fasanieriesee und Feldmochinger See): Gefall mir doch, Du Baggerloch!

Ein Kommentar

image KopieEin paar Besuche habe ich meinem Revier, dem Wörther Weiher, und dem Erdinger Freibad abgestattet, jetzt aber wird es Zeit, die Challenge 25 zum Abschluss zu bringen. Drei Seen fehlen noch, den Ammersee möchte ich mir aufheben, das soll der Abschluss werden. Also fahre ich am Dienstag nach der Arbeit wieder einmal quer durch München, aus dem Süden hinauf in den hohen Norden. Fasanerie- und Feldmochinger See warten dort von mir bisher unbeschwommen und der erste der beiden ist fällig.
Eigentlich sind es ja drei Seen dort, allesamt wie üblich aufgelassene Kieslöcher, Überbleibsel des Straßenbaus, freizeitgeländemodifiziert und für die Naherholungssuchenden im Münchner Norden eine wohltuende Abwechslung zwischen Autobahn, Kleingärten, Stadtrandidylle, sozialem Brennpunkt, Übergang zum freien Land, Rangierbahnhof und Kleinstadtidylle. Der dritte im Bunde ist der Lerchenauer See, den ich – ausgestattet mit allerlei Vorurteilen und großer Neugier – bereits im Juni besucht habe. Nun also zuerst der nächstgrößere Bruder:

1.  Fasaneriesee
Chlorhühnchen Petra, mit der ich mich über Schwimmreviere austausche, schreibt mir abwinkend, dass sie keinen Bedarf hat, als ich ihr mitteile, ich führe zum Fasanerie- oder zum Feldmochinger See. Sie kennt die Münchner Seen im Norden und meint, da ginge sie lieber in einen richtigen See.
Na, das lässt ja Einiges erahnen, was mich im Norden erwarten wird. Und bei der Fahrt auf den Parkplatz fällt mir sofort ein Schild ins Auge, das alles nur noch zu bestätigen scheint:

fasa02

Der Charme der 70er an einem Baggerloch entlang verteilt ist nicht gerade das, was ich mir für einen schönen Feierabendschwimm erwünsche. Andererseits: Bin ich erst einmal im Wasser, dann bekomme ich von dem ganzen Drumherum sowieso kaum noch was mit.
Aber dann bin ich doch einigermaßen beruhigt, als ich mich am Ufer umkleide. Nicht, dass der Fasaneriesee zu meinen Lieblingsgewässern gehören wird, dazu ist er zu beliebig, aber so schlimm wie befürchtet ist es in dem nahezu rechtwinkligen Gewässer auch wieder nicht.
Ich wate durch das algige Wasser und die flache Uferzone hinein bis das Wasser tief genug ist, dann schwimme ich meine fast schon obligatorische Uferrunde. Sie führt mich durch zum Teil erstaunlich klares Wasser, flache Bereiche, über Algen- und Wasserpflanzenteppiche. Hin und wieder werde ich von eiskalten Stellen überrascht. Nach absolvierter Runde geht es noch einmal im Sprint über der Diagonale quer zum anderen Seeufer und abschließend zurück. So bringe ich es wenigstens auf 2,6 Kilometer Schwimmstrecke.
fasa03Während des Schwimmens sinniere ich darüber, ob das Schild Erbaut 1976 den See mit einschließt. Das hätte ja schon etwas Absurdes, dass Seen mittlerweile erbaut werden. So ist das natürlich nicht, denn die Seen sind einige Jahre älter, wie ich später bei Wikipedia nachlese. 1976 wurde nur das Gelände drum herum nachmodelliert
Während ich meine Runde drehe, bemerke ich, wie sehr ich als Schwimmer auffalle und Aufmerksamkeit auf mich ziehe. Schwimmer scheint man am Fasaneriesee kaum zu kennen. Statt dessen wird geplanscht und ein wenig gebadet, kaum einer wagt sich etwas weiter hinaus. Das ist auch in Ordnung so.
Eine Frau schaut mir bibbernd nach, die Schwimmbrille auf der Stirn, sie steht bis zu den Knien im Wasser und kommt irgendwie nicht weiter. Ein Mann beobachtet mich, wagt sich aber selbst auch nur bis zu den Knien ins Wasser. Die Arme hat er vor der Brust verschränkt. Friert er?
„Weiter, Junge“, möchte ich ihm zurufen. „Das Wasser ist doch warm… zumindest, wenn man sich ein wenig bewegt.“
Aber den entscheidenden Schritt, nämlich den, bei dem die Badehose nass wird, macht er nicht.
Und sonst?
Wasservögel gibt es in großer Zahl, im Süden sehe ich zwei fette Karpfen unter mir. Sie suchen hektisch ihr Heil in der Flucht. Auf dem Steg des DLRG sitzt eine junge Frau mit Inlinern an den Füßen. Wasserrettung kann so nicht funktionieren, aber sicher gehört sie auch gar nicht zu den Rettern sondern nutzt nur den sonnenbeschienen Platz auf dem warmen Holz.
Als ich gegen 18.30 Uhr aus dem Wasser komme, hat es sich auf der ausgedehnten Wiese etwas geleert, aber noch immer sind viele Menschen dort. Es ist wie im Park im Kiez: Einige grillen, andere rauchen Shisha, eine Frau wickelt ein Baby, kleine Kinder schlecken Eis. Manche haben Klapptische und Stühle dabei, andere haben Deckenlandschaften ausgebreitet. Einige sitzen nur auf den mitgebrachten Handtüchern. Es ist ein Mix aus zig verschiedenen Sprachen, das zu hören ist.
Die Menschen aus den umliegenden Wohngebieten Feldmoching, Allach, Moosach und Hasenbergl genießen den Abend am See. Niemand stört sich an niemandem. Und keiner fühlt sich vom anderen gestört, bedrängt, genervt oder belästigt.
Autoschlüssel und Handy sind selbstverständlich auch noch dort, wo ich sie zurückgelassen habe, obwohl ich mitten in einem angeblich sozialen Brennpunkte unterwegs bin und beides über eine Stunde unbewacht am Ufer zurückgelassen habe.

fasa01 Vor mir im Wasser steht ein Einkaufswagen. Nachdem ich auf dem Weg zum See ein langes Gespräch mit Daniel Spoerri im Radio gehört habe, entscheide ich mich, das Ganze als ein Kunstwerk anzusehen. Das ist eine gelungene Installation eines Objekts in freier Natur. Und dann stört der Wagen mich auch nicht weiter. Jedenfalls weitaus weniger als die blöden Hunde im Wörthsee.

2. Feldmochinger See
Und noch einmal muss ich mich auf den Weg in den Münchner Norden aufmachen. Der Dritte im Bunde im Dreiseenland wartet auf mich. Der Feldmochinger See. Den nehme ich mir am Freitag vor – einigermaßen missmutig und unmotiviert, aber dafür kann der See nichts.
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht schon wieder in einer ehemaligen Kiesgrube schwimmen will, die den Namen See nicht ernsthaft verdient.
feldm03Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht schon wieder quer durch die ganze Stadt zu einem Gewässer fahren will, von dem ich mir wenig Spannendes verspreche. Das ist ein Pflichttermin und so fühlt es sich auch an.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich in munterer Runde in München im Weißen Bräuhaus sitze und selbige nun verlassen muss. Zwei Leichte Halbe, eine Breze und fünf Weißwürscht sind nicht unbedingt die Magenfüllung mit der ich mich ins Wasser begeben sollte. Aber jetzt ist es zu spät.
Watt mutt dat mutt.
Also schwimme ich vom Freizeitgelände im Osten (schon wieder eines) meine obligatorische Uferrunde. Diese ist unspektakulär, ich bin nur überrascht, wie klar der See ist und finde es schade, ohne Unterwasserkamera unterwegs zu sein.
Ich hetze mich nicht, angesichts der Zuladung vom Vormittag ist das ohnehin kaum machbar.
An den Badestränden drängelt es sich, ich rücke etwas weiter ins Seeinnere, dann wieder zurück zum Ufer. Mittlerweile bin ich – ebenfalls wieder mal völlig unvorbereitet und daher unwissend – mitten im FKK-Bereich gelandet. Nackte Pensionisten brüsteln trockenhaarschwimmend am Südende des Sees umher und schauen mich empört an, was ich als Textilierter in ihrem Refugium zu suchen habe.
Keine Stunde ist es her, da habe ich im Bräuhaus mit Peter, einem FKKler aus den 70ern darüber geplaudert und er erklärt mir, dass diese Generation noch immer voller Misstrauen auf die Bekleideten achtet.
„Das waren alles Spanner“, erklärt er mir. „Zumindest damals!“ Und dann erzählt er mir amüsiert, wie sie, die Nackten, damals sie Spanner gepackt und samt ihren in den Birkensee geworfen haben.
„Aber genau daher rührt eben dieses Misstrauen der Fkkler gegen alle, die was anhaben..“
Schon möglich, dass da was dran ist. Heute schauen mich die Nackten, durch die ich hindurch schwimme, so böse an, als wolle ich ihnen irgendwas weggucken. Aber mal ehrlich Leute: Da gibt es nichts bei Euch, aber auch absolut gar nichts, was ich weggucken möchte, weil ich es gerne hätte. Da waren mir die Weißwürscht im Bräuhaus wesentlich lieber.
Nach absolvierter Runde sprinte ich noch einmal quer über den See und zurück. feldm02
Fast kollidiere ich am Ufer mit einem Luftmatratzenkapitän, der etwa 12 Jahre alt ist.
Erschreckt bremse ich ab.
Er grinst.
„Sind die ganze Strecke quer über den See geschwommen?“ fragt er höflich. „Und das Ganze auch wieder zurück?“
„Jupp“, antworte ich. „So ist es.“
Das scheint ihn schwer zu beindrucken, also erwähne ich gar nicht, dass ich vorher den ganzen Ssee umrundet habe.
„Uii uii“, bemerkt er anerkennend.
„Danke“, lächle ich ihn an, denn ich nehme das als Kompliment und wate das letzte Stück durchs Wasser zur Liegewiese.
feldm01

„Wieder ein See zum abhaken“, denke ich, während ich mich abtrockne. Begeistern konnte mich auch dieses Baggerloch nicht.
„Jetzt noch der Ammersee noch, und das war’s mit der Challenge 25. Dann hab ich die 25 zusammen.“
Freund Alex schwärmt vom Ammersee, Herbert will mitschwimmen, Petra auch.
Nächsten Dienstag dann. Das Beste kommt zum Schluss?
Schauen wir mal.

 

Erledigt:

Wörther Weiher, Chiemsee, Langbürgner See, Staudhamer See, Poschinger Weiher, Echinger See, Birkensee, Lußsee, Soyensee, Heimstettener See, Lerchenauer See, Pilsensee, Kronthaler Weiher, Simssee, Hartsee, Riemer See, Feringasee, Langwieder See, Thenner Weiher, Zustorfer Weiher, Wörthsee, Weßlinger See, Fasaneriesee, Feldmochinger See

Was bleibt:

Ammersee

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Challenge 25/23 & 25/24 (Fasanieriesee und Feldmochinger See): Gefall mir doch, Du Baggerloch!

  1. Ist nicht spektakulär da, hast schon Recht. Aber besser als Freibad bei Sonne und Hitze. Aber die für dich lange Anreise rechtfertigt es nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s