Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

…noch lange nicht Schluss!

2 Kommentare

Da jammern sie wieder… die Freibadfreunde.
Die Ferien sind auch in den südlichen Bundesländern zu Ende – ein Freibad nach dem anderen schließt seine Pforten. Die Zeit des Draußen-Schwimmens ist wieder einmal vorbei. Heulen und Zähneklappern allüberall bei denen, die gern im Freien schwimmen, aber keinen Fuß ins freie Wasser setzen.
Die Armen: Jetzt müssen sie wieder zurück in die Hallenbäder – ein Schicksal, das ich noch ein wenig hinauszögern kann. Ein kleiner Blick in die Datenbank zeigt: 15 mal war ich in diesem Sommer im Freibad, am 05.05. das erste (und einzige) Mal im Prinzregentenbad, danach konsequent in Erding. Viel ist das nicht, vor allem angesichts der für die Freibäder fulminanten Saison: Über 100.000 Besucher hat man in Erding gezählt. 54,5 Kilometer bin ich im gechlorten Outdoorbecken geschwommen, davon vier in München. Weitaus mehr in Seen und Weihern. Soweit zu den nackten Zahlen. Nun bin ich fertig mit dem Schwimmen im Freien… Auch das Erdinger Freibad ist zu.
Der Herbst ist da.

Auch die Seen und Weiher haben ihre wohligen Temperaturen verloren. Schmale 18°C messe ich an der Kiesgrube im sonnenbeschienen Flachbereich. Gut, dass ich das Badethermometer dabei habe. Ein Stückchen weiter im Wasser, dort, wo es schlagartig tiefer wird, sind es 16°C.

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66-05-cBeim Messen der Wassertemperatur und bei den Fotos, die ich unter Wasser mache, fällt mir wieder einmal auf, wie scharf die Kante zwischen dem Flachwasser, in dem Badegäste stehen können, und dem Tiefen ist. Es ist nur ein Schritt und es geht schlagartig meterweit nach unten. Das ist eine tödliche Gefahr für Nichtschwimmer; auch dort, wo Kiesgruben zu offiziellen Badeweihern und Seen umfunktioniert wurden. Die Bilder geben zumindest einen kleinen Eindruck davon wieder, warum manchmal nur ein einziger Schritt genügt, den Boden unter den Füßen vollständig zu verlieren. Nicht immer ist der Übergang so hart, oft aber fällt das Ufer unter Wasser trotzdem sehr steil ab, wie ich in einigen Badeseen in diesem Sommer gesehen habe. Aber das ist ein anderes Thema.66-05b

16°C ist dann die Temperatur, bei der mir bei den ersten Atemzügen die Luft weg bleibt. Und wie immer schießt mir in genau diesem Augenblick der Gedanke in den Kopf, wie bescheuert ich eigentlich bin.
Alles zieht sich zusammen, ich kann kaum atmen, so kalt kommt mir das Wasser vor. Jetzt geht es erst mal darum, in ruhiges und gleichmäßiges Atmen und ebensolche ruhigen und gleichmäßigen Schwimmbewegungen zu kommen.
Gar nicht so leicht. Kalt- und Eiswasserschwimmer mögen angesichts dieser Gedanken und der Temperaturen, bei denen ich an meinem Verstand zweifle, nur milde lächeln. Aber mir ist das nun mal entschieden zu kalt… zumindest, um ohne Neoprenanzug zu schwimmen. Und genau das mache ich, wozu habe ich mir schließlich die Gummipelle gekauft?
Puristen rümpfen vielleicht jetzt die Nase. „Schwimmen im Neo? Wie kann man nur? Das wahre Schwimmgefühl hat man nur, wenn man ohne schwimmt. Und ich schwimm ja grundsätzlich nie in einem… bla bla bla“
Sollen sie…
Jedem das seine.

66-01Also raus… ab zur Kiesgrube, rein in den Neoprenanzug, der mittlerweile so viele Risse hat, dass dringend ein neuer her muss, und hinein ins Wasser.
Herbert ist wieder mit am Start. Seine Schulter, die ihn zeitweilig solche Beschwerden machte, dass der Arzt ihm riet, das Schwimmen zeitweilig auszusetzen, scheint wieder in Takt. Auch er jammert und klagt: Zu gerne wäre er mit Petra und mir zum Ammersee und auch zum Langbürgner See gefahren – zwei ganz besonders schöne Schwimmrunden im ausklingenden Sommer. Es hat halt nicht sollen sein. Aber ich freue mich, dass wir jetzt im Herbst noch die eine oder andere Runde gemeinsam draußen schwimmen können.
Verführerisch liegt das Wasser vor uns. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen -von uns beiden kauzigen Typen einmal abgesehen.
„Wollen wir das wirklich?“ frage ich Herbert ein wenig zögerlich.
Doch der winkt nur ab.
„Natürlich!“ antwortet er bestimmt. Zu lange war er schon nicht im Wasser. Fehlt nur, dass er noch sagt, ich solle mich mal nicht so anstellen.
Als ich ihm den Rückenreißverschluss hochziehe und er anschließend mir, sind wir beide erstaunt, wie eng die Neoprenanzüge den Sommer über geworden sind. Das letzte Mal hatte ich ihn Mitte Juni an. Kann doch nicht sein, dass die Anzüge nur noch mit Mühe passen.
Da ist es also wieder, dieses wunderbare Gefühl, sich wie ein Walross vorzukommen…66-04a

Egal. Walrösser lieben kaltes, sauberes Wasser. Und genau das mache ich jetzt auch. Ich muss nicht erwähnen, dass die Entscheidung, in der Kiesgrube zu schwimmen, goldrichtig war. 66-03

Nach der ersten Runde, die ich relativ nah am Ufer entlang schwimme, folgt ein zweite. So kalt ist es doch gar nicht. Da geht schon noch was. 2,5 Kilometer werden es, hin und wieder lugt die Sonne durch. Was will man mehr?

So lange das Wetter so bleibt, ist die Freiwassersaison ist noch lange nicht zu Ende…66-02

 

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “…noch lange nicht Schluss!

  1. Pingback: Freibad – mehr als schwimmen | Übers Schwimmen

  2. Ich war heute ganz offiziell traurig, dass die Freibad-Saison vorbei ist. Auch, wenn es in München mit dem Dante-Bad ein ganzjähriges Freibad gibt. Es ist nicht dasselbe…

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