Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Weil wir es eben können!

2 Kommentare

Die Wetter-Apps melden einhellig eine Regenfront. Der Wetterbericht in den Fernsehnachrichten hingegen verheißt zumindest trockenen Himmel und vielleicht sogar ein wenig Sonnenschein. Das reicht. Wer glaubt schon Apps…
19°C sagt das Thermometer an der Hauswand, in der Sonne sind es vielleicht ein paar Grad mehr. Das Wasser bringt es zumindest direkt am Ufer auf die gleiche Temperatur. Ich zweifle ein wenig daran, ob das Badethermometer die Wahrheit sagt. Bekannterweise neigen Kiesgruben dazu, besonders kalt zu sein, es fehlt eben der breite, flache Bereiche, in dem sich das Wasser schnell aufwärmen kann. Außerdem fühlt sich das Wasser sich entschieden kälter an als ich die Füße hinein setze. Ich zögere. Mimimi…wal00
„Mann ist das kalt“, jammere ich ein wenig und denke an den Kälteschock, der mir gleich in die Glieder fahren wird, spätestens dann, wenn ich mich nach vorne fallen lassen und losschwimmen muss.
Herbert grinst nur.
„Wollen wir das wirklich?“ frage ich, obwohl ich weiß, dass es sowieso kein Zurück gibt.
„Klar!“ antwortet er, was keinen Widerspruch duldet. Ich versuche es trotzdem.
„Warum machen wir das eigentlich?“
Die Frage erinnert mich  an einen MAD-Cartoon aus den 70ern, in dem ein Bergsteiger seinen Begleiter fortwährend damit löchert, warum sie eigentlich auf den Berg hinauf klettern.
„Weil er eben nun mal da ist!“ antwortet der andere zunächst stoisch und dann immer gereizter.
Eine ähnliche Antwort erwarte ich von Herbert. „Weil wir die Kiesi nun mal direkt vor der Haustür haben…“ oder so.
Aber Herbert antwortet viel klüger:

„Weil wir es können. Und die Dickbäuchigen, die den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen, eben nicht!“. Weg ist er. Ich hinterher. Die Antwort hätte nicht besser sein können.
„Motivieren kann er“, denke ich, während ich die ersten Schwimmzüge mache. Möglichst gleichmäßig und langsam. Bloß nicht hektisch und schnell losschwimmen und dadurch in Schnappatmung geraten. Das ist angesichts des kalten Wassers fatal.

„Brrrrr“, höre ich Herbert vor mir. „Eine Runde, wenn überhaupt!“ Auch das verstehe ich als Motivation. Jetzt nämlich werde ich schon aus Prinzip zwei Runden schwimmen. Aber das hatte ich mir sowieso vorgenommen. Für eine, die es auf etwa einen Kilometer Strecke bringt, lohnt sich das Umziehen und mühsame Hineinquetschen in den Neoprenanzug ja gar nicht.wal04
Nachdem die erste fast absolviert ist und ich zwischenzeitlich kontrolliert habe, ob meine Füße noch nicht blau angelaufen sind, sehe ich auf dem Rückweg am Ufer eine Radfahrerin stehen. Sie hat die Hände in die Hüften gestemmt und schaut uns beim Schwimmen zu. Schüttelt sie ihr weises Haupt vor lauter Unverständnis angesichts dessen, was sich vor ihr im Wasser abspielt?
Mitnichten. Bei der zweiten Runde sehe ich, dass sie das Rad ans Ufer gelegt, ihre Sachen ausgebreitet und sich selbst ins Wasser begeben hat. So schnell, wie sie drin ist, ist sie allerdings auch wieder draußen, denn sie ist ohne Neoprenanzug in die Kiesgrube gestiegen.
Verständlich, dass sie es da nicht übertreiben will. Es muss ja nicht jeder wie ein gestrandeter Wal enden.
wal01
Wieder hat’s schwimmen Spaß gemacht, und wieder war es gut, den ersten und ekligen Moment im Wasser auszuhalten, denn was danach kommt, lohnt sich. Unbedingt. Also machen wir Pläne: So lange das Wetter es einigermaßen zulässt und es uns nicht zu kalt wird, wollen wir im Weiher oder der Kiesgrube unsere Runden drehen. Hoffentlich bis weit in den Oktober.
Weil wir es wollen!
Und weil wir es können!
Und uns die Halle immer noch bleibt…

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Weil wir es eben können!

  1. das mit den Wetter-Apps ist so eine Sache. Viele basieren auf amerikanischen Vorhersagemodellen, die mit den Bedingungen in Europa einfach nicht zusammenpassen. Ich habe gute Erfahrungen mit der App von „Wetteronline“ gemacht.

    • Wetterapps traue ich schon lange nicht mehr über den Weg, genau aus diesem Grund. Und sehr viele äußerst regionale wetterbestimmende Faktoren werden auch gar nicht berücksichtigt, was z.B. insbesondere den Zugverlauf von Gewitterfronten betrifft.
      Eine Wettervorhersage, die sich über mehr als zwei Tage erstreckt, ist ohnehin sehr zweifelhaft. Aber wenn man den Luxus hat, genug Gewässer in kurzer Distanz erreichen zu können, dann reicht es ja auch, einfach aus dem Fenster zu schauen. Landbewohner haben ein gutes Gespür dafür, wie sich das Wetter innerhalb der nächsten 2-4 Stunden entwickeln wird :). Kennst Du ja sicher auch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s