Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Wenn gilt: d = 365, kann dann s ≥ 365k sein?

Ein Kommentar

Seit Anfang des Jahres habe ich mich immer wieder mit der Frage beschäftigt:

Wenn gilt: d = 365, kann dann s ≥ 365k sein?

Das Ganze ist streng mathematisch gesehen schnell beantwortet. Solange gilt, dass s ≥ d ist, dann ist die richtige Antwort: Ja. Falls aber d ≥ s gilt, lautet die Antwort nein.

Nun geht es in diesem Blog aber nicht um Mathematik. Überhaupt ist es völlig unsinnig, dass jemand wie ich, der mit diesem Fach immer auf Kriegsfuß stand, sich freiwillig mit solchen Fragen beschäftigt. Es geht natürlich um’s Schwimmen. Um was auch sonst?
Um diese Frage, die sich erstaunlicherweise immer auf den Bahnen im 40er bis 60er Zahlenraum in meinen Kopf drängt,  zu beantworten, muss zunächst geklärt werden, für was d, s und k stehen.

d= 365 macht die Sache eigentlich schnell klar. Denn bei der Zahl 365 weiß jeder sofort: Hier geht es um Tage, also um 365. 365 d sind 365 Tage, also ein Jahr.
s ist die Strecke… Physik; wir erinnern uns? k, auch kein großes Geheimnis, steht hier für Kilo, gr. χίλιοι = tausend. Mathematisch korrekt mag das Ganze also nicht sein, aber es geht an dieser Stelle um 365.000, also 365.000m. Das sind 365km.

Ganz simpel: Die Formel oben verklausuliert nur die Frage:

Schaffe ich es, innerhalb eines Kalenderjahres 365 Kilometer zu schwimmen?

SONY DSCDas wäre pro Tag ein Kilometer; oder eben alle zwei Tage zwei; oder alle drei Tage drei…
Das klingt nach einer weiteren Herausforderung, dabei habe ich doch Ende des Jahres erst meine diesjährige Challenge definiert: Den Sommer über 25 Seen zu beschwimmen. Und jetzt das! Im Lauf des Januars gesellt sich eine neue Idee dazu. Da nämlich habe ich angefangen, ein wenig Buch zu führen über die Distanzen, die ich in den Schwimmbädern der Region zurückgelegt habe. Ich wollte es einfach mal wissen. Viele Schwimmer protokollieren ihre Strecken, so viele andere Sportler auch ein Auge darauf haben, wann, wie oft und wie viel sie trainieren und es sich hinterher notieren. Und da ich, wie mir nachgesagt wird, aus allem eine Wissenschaft mache (was ich verneine), habe ich mir schnell eine geeignete Excel-Tabelle angelegt, die mir nicht nur aufaddiert, wie viel ich geschwommen bin, sondern auch, wie viele Tage verstrichen sind und ob ich sozusagen drin bin im statistischen Soll oder ob ich mehr schwimmen muss. Jetzt kann ich, wenn immer jemand fraagt, wie viel ich dieses Jahr schon geschwommen sei,  verbindlich Auskunft geben

Das Ganze artet also wieder in Stress aus. Denn natürlich habe ich, wenn ich ehrlich bin, mich längst entschieden, das durchzuziehen. Und nicht weiter verwunderlich schiebe ich Panik vor Urlaub-, Krankheits- oder sonstigen Ausfällen. Schnell fehlen mir ein oder zweimal die Zeit oder die Lust zu schwimmen und schon hinke ich hinterher. Denn die Zeit flieht… Und ich muss mit meinen Kilometern hinterher hetzen um auf gleicher Höhe zu bleiben; mehr schwimmen oder öfter. Und mehr und mehr und mehr. Sonst kann ich mir den Sofaabend, den Schnupfen oder das neue Tattoo nicht leisten (ok, letzteres fällt zum Glück schon mal aus!).

Herbert verdanke ich auch den Hinweis auf den Wittener Läufer Uli Sauer, der nicht nur ein digitales Tagebuch führt, sondern seine Laufstrecken ebenfalls akribisch mit Excel auswertet – inklusive Säulendiagrammen mit Lauf-km im Jahr je Belastung und Ausgliederung, mit welchen Schuhen er welche Strecken gelaufen ist. Aber mir wirft man vor, aus allem eine Wissenschaft zu machen…
Was der Sauer kann, das kann ich schon lange. Also nicht Laufen, aber Excel-Tabellen. Ich mache ich mich ans Werk, fummle, knoble und optimiere an einer Tabelle mit zig Datenblättern herum…

365 Kilometer sind jetzt nicht wirklich viel. Aber auch nicht so wenig. Zur Beflügelung der Vorstellungskraft von Lesern und Hörern bemüht sich die Presse ja gern mal um Vergleiche. Sie kennen das: So groß wie die Fläche von 10 Fußballfeldern, dreimal so groß wie das Saarland. Das hört man doch dauernd, wobei vermutlich niemand weiß, wie groß das Saarland eigentlich ist und Fußballplätze durchaus in der Größe variieren können, was sich bei 10 Fußballplätzen gern schon mal zu erheblichen Abweichungen summieren kann. Wir schweifen ab.

DSCF1296Also: 365 Kilometer:
Das wäre, damit Sie sich das vorstellen können, etwa die Entfernung von Vilsbiburg nach Großbodungen, wie ich auf Google-Maps nachgemessen habe… Luftlinie selbstverständlich Das hilft Ihnen jetzt sicher enorm viel, denn Sie wissen ja, wo Vilsbiburg und Großbodungen liegen, wer kennt diese bedeutenden Städte nicht? 365 Kilometer schwimmen entspräche eta 11,29 mal den Ärmelkanal zu queren. Da liegt nämlich die Schwimmdistanz zwischen Dover und Cap Griz Net bei Calais bei 32,3 Kilometern, ebenfalls Luftlinie. Dagegen sind die etwa 26 Kilometer zwischen der Nord- und der Südinsel Neuseelands fast ein Kinderspiel. Das ist allerdings nur auf Google-Maps so, denn nicht nur, dass man die Interislandercook Strait Ferry Routen queren muss, die Strecke ist wegen der Strömungen, des Seegangs und anderer Gefahren eine der schwierigsten und härtesten Distanzen der Welt.
Überhaupt ist schwimmen im Meer eine ganz andere Hausnummer. Und Luftlinie schwimmt man ja eigentlich nie. Beim Zickzack kommt also immer noch was oben drauf.
365km Luftlinie wären es übrigens auch unter Umschwimmung der Inseln die Distanz vom kroatischen Zadar nach Bari in Süditalien.

Und: Welch Zufall… Anfang Juni waren wir in der Gegend von Zadar im Urlaub. Natürlich bin ich nicht nach Bari geschwommen. Denn erstens schafft man das sowieso nicht und zweitens würde es ja meine ganze Statistik versauen.

Und diese wird fein säuberlich geführt. Ich weiß nicht nur, wie viele Kilometer ich insgesamt geschwommen bin sondern auch wie viele pro Tag im Durchschnitt, wie viele pro Schwimmeinheit im Durchschnitt, wie viele Schwimmeinheiten im Monat usw. Excel macht sich echt bezahlt. Und da ich ein penibler kleiner buchhalterischer Erbsenzähler sein kann, der aus allem eine Wissenschaft macht, weiß ich jetzt auch, wie die prozentuale Verteilung der unterschiedlichen Gewässer aussieht.

Das wäre dann die Bilanz des ersten Dreivierteljahres   Nun ja… könnte besser sein, aber ich bin zufrieden.
Wie oft bin ich pro Monat geschwommen? Was war nur los im September? 2015-Statistik2
Oft zum Schwimmen zu gehen heißt aber nicht zwangsläufig, viel geschwommen zu sein. Dass ich im Juni im Urlaub nahezu täglich im Wasser war, heißt aber nicht, dass ich viel geschwommen bin – zumindest nicht weit. Also:Wie viele Kilometer habe ich pro Monat geschafft? Ich sehe schon, im September war ich ein faules Stück.

2015-Statistik5

Wie viele Kilometer habe ich durchschnittlich pro Schwimm gemacht? Im Freien, vor allem in Seen und Weihern schwimmer ich also weitaus kürzere Strecken als im Hallen- oder Freibad. Das zeigen die Werte von Juni und Juli ganz deutlich:2015-Statistik4

Wie viele Kilometer habe ich pro Tag durchschnittlich geschafft? Wieder der September, der alles versaut:

2015-Statistik3

Und letzte Frage: Wie steht es mit der prozentualen Verteilung auf die Gewässer:2015-Statistik1

Hach – ich liebe Statistiken.
Ich freue mich schon auf 2016, wenn ich dann die Werte von 2015 gegenüber stellen kann. Ich werde personenbesogene Daten generieren, von der die NSA nur träumen kann und für deren Auswertung sie sicher Monate, wenn nicht gar Jahre braucht. Was immer auch dabei herauskommen wird. Aber eines ist schon mal sicher:

Wenn gilt: d/ = 365/, kann dann gilt s/4×3  ≥ 365k/4×3.

Was heißt: In den 274 Tagen der ersten drei Quartale bin ich 334,81Kilometer geschwommen. Das langt mir. Man ist ja schließlich auch nicht mehr der Jüngste… und außerdem muss ich ja noch Tabellen optimieren.
Oder eben ganz kurz: Mir fehlen noch 30,9 Kilometer bis zum Jahresziel. Sollte zu schaffen sein. Und jetzt fahr ich erst mal ein paar Tage in den Urlaub…

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Wenn gilt: d = 365, kann dann s ≥ 365k sein?

  1. Ich liebe Schwimmzählereien … habe dieses Jahr schon 703 km in meiner Statistik°

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