Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Irgendwie ein Spindschrankneurotiker

4 Kommentare

Die Hallensaison hat begonnen und ich muss Sie bedauerlicherweise mit diesem Shrankthema noch einmal behelligen. Aber seit man mich vor mehr als einem halben Jahr einen Spindschrankneurotiker genannt hat, fühle ich mich mies. Das geht mir nicht mehr aus dem Kopf und schlägt mir langsam aufs Gemüt. Jetzt bin ich endlich soweit, dass ich darüber reden kann. Ich möchte das auch, denn das tut mir gut…

Ich gehe mal davon aus, dass der, der mich so getauft hat und angeregt hat, gleich ein ganzes Blog so zu benennen, das keineswegs böse gemeint hat, denn er bezeichnet sich selbst und sein Blog als Kiezneurotiker. Das sagt eigentlich alles. Mein Blog werde ich allerdings nicht umbenennen, aber das Thema ist zu wichtig, als dass es mit einem einzigen Beitrag zu diesem Thema getan ist. Und ich nehme zu mindest die Anregung in die Überschrift mit auf. Vielen Dank dafür nach Berlin…
Nachdem ich also das erste Mal im Frühjahr über Schrank 157 gebloggt und das Thema sowohl bei Facebook und Twitter angeschnitten hatte, erhielt ich viel Zustimmung und Bestätigung. Wir Menschen sind offensichtlich so, dass wir diesen einen, nämlich meinen Schrank benötigen, ebenso wie diesen einen, nämlich meinen Sitzplatz im Bus im Berufspendelverkehr (das nennt man nicht umsonst Stammplatz).
Ich bin beim Einkauf relativ markentreu: Egal ob Shampoo, Frühstückscerealien, Unterwäsche, Honig, Mineralwasser, Schrauben oder Handies. Warum soll ich das bei Schwimmbadschränken anders halten?
Nur hatte die Sache mit dem Schrank leider ein trauriges Nachspiel.
Keine zwei Tage später kam ich ins Schwimmbad und musste feststellen: Schrank 157 ist belegt. Es ist einer der wenigen Schränke überhaupt, der an diesem Tag in Benutzung ist, denn es sind nicht viele Badegäste da. Da soll man sich nicht aufregen? Hatte ich nicht gerade erst unmissverständlich klar gemacht, dass das so nicht passieren darf?
Diese Occupy 157 Aktion empfinde ich als eine Unverschämtheit, Einschränkung meiner persönlichen Freiheit, Übergriffigkeit… 157b
Entsprechend jammerte ich gebührend auf Facebook und Twitter. Das ganze Mimimi eben:

Asshole, Treibgut, Motherfucker, Zipfelklatscher, Totholz, Hurensohn, Bonehead, Kletzensepp, Hodenkobold, Klötenpony, Hackfresse, Kackfass, Trockenhaarschwimmer, Dreckschüppengesicht, Beckenrandsteher, Falschhauser, Pissnelke, Bastard, …
Eines Tages werde ich Dich erwischen. Dann werde ich Dir die Finger- und Fußnägel ausreißen, Dich mit glühenden Spießen traktieren, auf’s Rad flechten, Dir ein S04-Logo auf den Arsch brennen und zehn Stunden lang im Wechsel Helene Fischer und die Regierungserklärungen der letzten zwanzig Jahre vorspielen.

Viele meiner virtuellen Freunde stimmten mir damals zu, man zeigte sich weitgehend verständig und mitleidig. Die Vorschläge reichten von der Evakuierung des Schwimmbads mit Armgelenkkontrolle, um den Übeltäter zu finden bis zum Aufsprengen des Schrankes. Etwas weniger brachial wäre eine Beschwerde beim Bademeister. Einige Schwimmer empfahlen, den Schrankschlüssel abends einfach mit heimzunehmen, andere, mein Blogpost oder alternativ dazu ein Schild mit der Aufschrift Samenbank an den Spind anzubringen, von beidem versprachen sie mir abschreckende Wirkung. Eine offensichtlich harmoniebedürftige Schwimmerin empfahl mir, mich doch zu entspannen und den Schrank daneben zu nutzen (was ich letztlich auch notgedrungen machte). Ach ja: Es gab auch Leute, die das als Manierismus abtun und einfach idiotisch finden – warum können solche Leute nicht einfach kommentarlos weitergehen?

Tirathlet Volker postete bei Facebook einige Tage später ein Bild und meinte dazu: „Ich habe es des Rätsels Lösung für unseren Lutz Prauser. Die Nr. kann man bei mir im 1000er Pack online bestellen und ist nun auch für die Freiwassersaison einsetzbar…“
157

Der Mann versteht mich. Und nicht nur mich. Denn es hagelt umgehend Bestellungen:  Björn möchte auch die 157, schwimmt aber offensichtlich woanders, sonst hätte er jetzt ein ernsthaftes Problem mit mir. Günter bittet um 215, Petra hätte gern die 115. Mareike bevorzugt die 78,  aber das Bändchen bitte in rot, zeigt aber ein Bild einer 347, was mich irritiert.
Clemens steht auf die Mummer 64 (auch cool), Sabine auf 93… Schwimmer sind eben so. Timm  outet sich bei Facebook, dass er auch langsam zum Spindfreak mutiert: Mir fiel heute auf, dass ich auch schon zu den Spindfreaks gehöre… In diesem Bad beglückt es mich bald mehr die 43 zu haben, als das eigentliche Vorhaben Schwimmen… Auch dieser Mann hat verstanden, um was es wirklich geht im Leben. Willkommen im Club,.

Nun hat die Hallenbadsaison wieder begonnen. Beim ersten Innenschwimm ist der Spind 157 frei – wie es sich gehört.
Und ich werde ihn benutzen.
Was denken Sie denn?

157a

 Danke an Volker für das Recht, das Bild benutzen zu dürfen.

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

4 Kommentare zu “Irgendwie ein Spindschrankneurotiker

  1. Bei mir geht’s nur bis 83 –

    83

  2. Pingback: Schon wieder Rentnerparanoia... - Zwetschgenmann

  3. Pingback: 824 – oder warum es manchmal gut ist, aus der Routine auszubrechen | Übers Schwimmen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s