Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Männer sind so – Teil 4

Ein Kommentar

So sind sie, die Männer, wie in Teil 1,  Teil 2  und Teil 3 bereits skizziert. Es gibt noch mehr zum Thema und ich maße mir an, kompetent darüber zu schreiben – aus persönlicher Betroffenheit. Ich weiß, wie Männer sind, ich bin selbst einer. Hier also ein weiteres Beispiel typisch männlichen Schwimmbadverhaltens:

Ein wenig verwundert bin ich, dass auf der für Sportler abgetrennten Bahn Hochbetrieb herrscht, als ich an einem Mittwoch spätnachmittags im Markt Schwabener Schwimmbad ankomme. Das ist normalerweise nicht die Zeit, in der sich die Massen im Becken und somit aneinander vorbei quetschen.
Ich mag die Fülle nicht. Wer mag so etwas schon, aber sei’s drum – jetzt bin ich nun mal da, also los.
Es dauert auch nicht lange, da ziehen sich ein paar Schwimmer von der Sportbahn zurück. Zwei geben genervt auf, weil ein anderer Mann nicht nur rücksichtslos mittig auf der Bahn schwimmt und niemanden vorbei lässt, sondern auch noch wüste Beschimpfungen ausstößt, wenn man ihn trotzdem überholt.
„Der meint wohl“, so kommentiert einer der beiden bei einer Pause am Beckenrand, „ihm gehöre das Schwimmbad.“
„Oh ja“, bestätige ich und ergänze, dass er es sogar absichtlich so einrichtet, andere auszubremsen und nicht vorbeizulassen.
„Unfassbar, da kann man echt die Lust verlieren…“ erwidert mein Gesprächspartner. „Der legt’s echt drauf an und vergrault alle auf der Bahn.“ Ich nicke ihm bestätigend zu. Der andere stemmt sich hoch, verlässt das Schwimmbecken, schnappt sich seine Paddle und sein Pullbuoy, verabschiedet sich mit einem ironischen  „Viel Spaß dann noch…“ und geht.
Ich starte wieder und wundere mich, dass man neuerdings nicht nur dienstags im Schwimmbad auf Arschlöcher trifft. Jetzt also auch Mittwochs. Das kenne ich noch gar nicht. Aber vertreiben lassen werde ich mich nicht.
Wozu fährt man jahrelang Auto und ist erfahrener Skiliftschlangensteher? Es gibt eine Menge Strategien, andere Menschen, die einem vorsätzlich die Bahn versperren, erst sanft und dann immer deutlicher auf die Pelle zu rücken. Wenn der mich nicht überholen lassen will, dann kollidieren wir eben. Stur sein kann ich. Männer sind so. Aber ich will hier nicht schon wieder über diese lästigen Bahnblockierer nörgeln. Das wird ja auf die Dauer auch langweilig…


Gottseidank rückt dieser unangenehme Schwimmgast bald ab. Es wird gemütlich, zeitweilig schwimme ich allein auf der Sportbahn. Eine Frau gesellt sich zu mir, wir teilen uns die Bahn, einer links, einer rechts: Alles ist entspannt und friedlich. Frauen sind so.
Dann aber steigt ein Mann ins Wasser, der sich nun auch nicht gerade besonders schnell oder sportlich bewegt sondern angestrengt vor sich hin brüstelt, nur damit bloß nicht die kurz geschorenen Haare nass werden. Niemanden stört das, ihn am allerwenigsten. Zügig überhole ich ihn, zähle die Bahnen, bis ich ihm wieder an den Fersen klebe und beginne mit einer wilden Rechnerei: Nach wie viel Bahnen werde ich wieder dicht hinter ihm sein, wann werde ich ihn das nächste Mal überrunden?
Geschätzt sind es acht, maximal neun. Also los: Gas geben. Dann schaffe ich das vielleicht in sieben, vielleicht sogar in sechs Bahnen. Angespornt von einer Herausforderung erhöhe ich das Tempo. Männer sind eben immer auf Bestätigung ihrer eigenen Fähigkeiten aus… Und immer im Wettbewerb, selbst wenn der andere nichts davon weiß.
Nach vier Bahnen bin ich so weit hinter ihm, dass ich ihn sicher in drei Bahnen überrunden kann…
Noch drei…
Noch zwei…
Bei der nächsten Bahn…
Was macht der Idiot? Warum bleibt er gerade jetzt am Beckenrand stehen und macht Pause?
Innerlich fluche ich: „Ahhhhh! Was macht es denn? Dummer, fetter Hobbit! Er verdirbt sie!“
Alle meine Anstrengung ist umsonst.
Ich schwimme vorbei, er klemmt sich hinter mich. Ok. Die Ausgangslage hatten wir schon. In sieben Bahnen werde ich Dich überholen, jetzt gilt’s.
Pustekuchen. Der Typ legt nach vier Bahnen schon wieder einen Stopp an. Ich hasse ihn! „Dämlicher Hobbit!“
Wie kann ich denn jemals meine eigene Leistung überprüfen, wenn der immer aus dem Rennen aussteigt?
Aus dem Augenwinkel sehe ich später, dass ein weiterer Mann sich anschickt, zu uns auf die Sportbahn zu kommen: Der Neue sieht aus, als sei er Stammgast im Fitness-Studio. Ein durchtrainierter Typ, aufgepumpt, solariengebräunt in eng sitzender himmelblauer Speedo. Er sieht ein wenig aus wie so ein Chippendale oder sonst so einer der Männer, die sich vor hysterisch kreischenden Weiberleut entblättern und dabei merkwürdige Verrenkungen vollziehen.
O ha! Der wird mich sicher mehrfach beim Schwimmen versägen, überlege ich mir und erinnere mich daran, dass ich auch bei deutlich schnelleren Schwimmern schätze, wieviele Bahnen ich brauche, bis die mich überholen. Auch das spornt an, etwas schneller zu schwimmen, damit der Überholende eine Bahn mehr braucht als ich das berechnet habe. Auch das spornt an. eiweissÜberraschenderweise aber ist es der Proteinbomber, der schnell überholt wird. Denn – so stellt sich bei seinen ersten Zügen heraus –er hat überhaupt keine Technik. Statt dessen krault er wild rudernd und hält den Kopf angestrengt über Wasser, da er keine Schwimmbrille trägt. Hektisch planschend schaut das aus, kraftvoll aber nicht effizient. Nicht mal wasserballkraulen ist das – das ist  irgendwie gar nichts.
Alle vier Bahnen macht er eine ausgiebige Verschnaufpause. Alle Sorge, permanent überholt zu werden, ist umsonst. Langsam bekomm ich Mitleid mit dem Muskelmann, dem das Wasser als Trainingsort vermutlich bisher fremd war.
Bei der nächsten Wende und seiner Pause biete ich ihm an, es mal mit meiner Ersatzschwimmbrille zu versuchen, vielleicht hat er seine vergessen oder er hat noch gar keine. Der Mann bedankt sich freundlich, lehnt aber zu meiner Überraschung ab.
„Schwimmbrillen gehen mir auf die Nerven“, erklärt er mir und begründet das damit, dass ihm immer Wasser in die Brille laufe, und so könne er gar nichts sehen. „Mimimi!“
Es wird Zeit, weiterzuschwimmen. Ich überhole den Brustschwimmer, der noch immer gemütlich hin und her schwimmt und gebe mir sieben weitere bis zum nächsten Überholen. Wie gesagt: Männer sind so. Immer im Wettbewerb. Und wenn es nur gegen sich selbst ist…
Dass es mit den sieben Bahnen natürlich nichts wird, muss ich wohl nicht weiter erwähnen. Der Andere steigt einfach aus dem Wasser und geht. Weg ist er.
Und ich steh da wie ein Idiot. Aber wenigstens einer mit Schwimmbrille.

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Männer sind so – Teil 4

  1. Ich konnte mich beim Lesen wahrhaft gut amüsieren, Lutz. Nun, es wird Zeit, dass mal Konkurrenz im Schwimmbad auftaucht (ich bin leider keine 😉 ) und Du mal richtig Spaß am Kräftemessen hast („Männer sind so“ – herrlich!).
    Ach, ehe ich es vergesse: Nicht alle Frauen „sind so“, aber wahrscheinlich sind Frauen bei Männern eher zahm auftretend – gegenüber Frauen eher nicht.
    So ist das eben, mit den Männern und den Frauen ;-).

    Liebe Grüße
    Sylvia

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s