Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Alle Jahre wieder…

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Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind. Im Schlepptau dieses heimtückischen Geschöpfs kommen all die Leckereien. Und in Folge von viel zu viel gutem Essen, Süßkram und Alkohol kommen die Pfunde. Das kennen Sie vermutlich.

Alle Jahre wieder kommt aber auch die Fastenzeit und damit mein hochheiliges Versprechen, einige Kilo wieder loszuwerden. Nicht das Neue Jahr mit seinen albernen Vorsätzen ist der Judgment Day. Bei mir ist das der Aschermittwoch (Kunststück, ich wurde an einem solchen geboren).
In der Fastenzeit geht es Kraftvoll gegen Fett  (2015), ich setze Alles auf Null (2014) und nerve meine Mitmenschen mit Geschwafel vom Abnehmen (2102). Eigentlich ist es jedes Jahr der gleiche Scheiß. Darum gehe ich schon gar nicht mehr auf die Waage. Sich täglich beleidigen zu lassen… wer braucht das schon?
Also stelle ich mich am Aschermittwoch auf die Waage, sammle innere Stärke und bemühe mich um maximale Contenance und dann – mit einem beherzten Ruck ziehe ich die Füße auseinander, um den erbarmungslosen Fakten in Form einer Anzeige ins Auge zu blicken:

waage

Dieses Jahr trifft es mich knüppeldick. Immerhin sehe ich die Waage noch, ein schwacher Trost. Aber die Ziffern sind gnadenlos. Da hilft es auch nicht, vorher ausgiebig aufs Klo gegangen zu sein, geduscht zu haben, sich zu fönen und zu rasieren und mit allen Tricks, noch ein paar Gramm Verlust zusammenzukratzen. Ich bin gewichtsmäßig wieder da, wo ich vor vier Jahren war.

Face the fucking facts!

Da hilft es auch nichts, den Bodymaßindex auszurechnen. Zwar ist das Ergebnis in Ordnung, aber das beruhigt mich nicht:

bmi1 bmi2Mit 23,7 gehöre ich zwar noch in die Gruppe der Normalgewichtigen – aber eben nur noch. Die Obergrenze ist deutlich näher als die Untergrenze. Stelle ich hingegen das Gewicht ein, von dem ich meine, dass es besser zu mir passt, fällt der BMI auf 21,7. Und so gefällt mir das.

Ich fange jetzt gar nicht an, mir vorzubeten, dass ich vor vier Jahren das Gewicht überwiegend mit Fettgewebe und eingelagertem Wasser zusammengebracht habe und jetzt doch mehr (und schwerere) Muskelmasse habe als damals. Das mag stimmen, aber Herr P. hat ein Bäuchlein, das er wohl nicht mehr losbekommt. Aber trotzdem muss da was gemacht werden. Immer nur die Wampe einziehen ist auch irgendwie doof.

Dabei ist es ja nicht so, als hätte ich das nicht geahnt. Die Zeichen stehen schon länger auf Alarm rot.

Eine freundliche Verkäuferin in einem Herrenoberbekleidungsfachgeschäft rät mir, es doch mal eine Nummer größer zu versuchen, als ich einen neuen Anzug anprobiere. „Die sind aber auch verdammt eng geschnitten“, wäre der richtige Satz gewesen. Stattdessen weist sie mich darauf in, dass der Anzug einfach nicht sitzt. „Er spannt. Da. Sehen Sie…“ sagt sie und zupft am Sakko. Will man das?
„Ganz dünnes Eis“, gebe ich einen Warnschuss ab, als sie nicht locker lässt. Sie rennt los, kommt zurück und meint, in Größe 104 habe sie gerade keinen da. Aber sie würde ihn gern für mich bestellen. Denn 104 müsse es schon sein. 98, den ich gerade probiert habe, ginge ja gar nicht, der sei deutlich zu eng. Und in 50 sind die Ärmel zu kurz.
Das ist dann der Moment, den Laden zu verlassen. Sofort. Ich habe mich nicht umsonst vor ein paar Jahren auf Konfektionsgröße 98 zurückgehungert. Selten bin ich so gedemütigt worden. Da muss man seinen Kummer und das Anzuggeld doch gleich in Grundnahrungsmittel umsetzen:20150321_110009

Aber Hendrik K., Verkäufer in einem Münchner Triathlon-Shop, setzt noch einen oben drauf:
Nach einem ausgiebigen Weißwurstfrühstück mit Alex und Herbert im Münchner Weißen Bräuhaus (3 Wüste, 1 Breze, 2 Bier) beschließen Herbert und ich, auf dem Weg zum Auto noch ein paar Geschäfte abzuklappern. Mittlerweile sind unsere beiden Neoprenanzüge ein wenig in die Jahre gekommen, voller Risse, die zu kleben nicht mehr lohnt. Also muss ein neuer her und da wollen wir uns mal umschauen. Denn, so meinen wir – wenn der Bauch voll ist, und wir passen rein, dann erst recht, wenn er das nicht ist.
Hendrik, der uns überaus freundlich und kompetent bedient, bedauert, uns nicht mehr Auswahl zeigen zu können. Die neue Ware kommt erst noch. Aber er hat noch einen Aquaman Cell Gold auf Lager. Hendrik, der wissen wollte, wie oft ich schwimme, wie weit, wie groß und wie schwer ich bin (das Alter fragt er zum Glück nicht) meint, der Anzug wäre perfekt für mich. Zwar ist vom Vorjahr, hat ein paar Cuts vom Testschwimmen, aber er könne ihn mir deutlich günstiger geben. Der wäre wohl in meiner Größe, ich könne ihn ja mal anprobieren.
Selbiges kostet nichts, also schlupfe ich in einen Top-Neoprenanzug, der maximale Flexibilität, hohen Tragekomfort und maximalen Auftrieb miteinander kombiniert.aquamangold Die Beschichtung an der Innen- und Außenseite garantiert eine minimale Wasseraufnahme des Anzugs und erleichtert den Ausstieg. Der Cell Gold ist die Aquaman Empfehlung für alle Distanzen und für Athleten, die beim Material keine Kompromisse machen: So lese ich später auf der Aquaman-Seite und falle fast vom Stuhl, als ich den Neupreis sehe.

Mag sein, dass die Beschichtung den Ausstieg erleichtert, das kann ich sogar bestätigen. Den Einstieg aber erleichtert sie nicht. Im Gegenteil. Ich komme in das Teil einfach nicht richtig rein. L passt einfach nicht. Er ist zu eng. Mit Ziehen und Zerren schaffe ich es dann doch, verschließen lässt er sich auch, aber an irgendwelche Bewegungen ist nicht zu denken.
XL dürfte nicht nur zu lang, sondern dann doch zu weit sein, mutmaßt Hendrik, was ich sehr charmant finde. Aber er sieht ein, dass ich mit L nicht weiterkomme, obwohl er sich ernsthaft bemüht hat, mich optimal in den Anzug zu stopfen. Hedrik erkennt mit einem Blick, wo die Problemzonen sind – der Bauch.
„Dann brauchst Du die Anzüge von Orca gar nicht zu probieren“, empfiehlt er mir. „Die sind sehr auf Taille gemacht. Da wirst Du Probleme haben…“
Obwohl er bisher sehr nett war, dürfte ich ihn doch dafür töten, oder?
ODER?

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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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