Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Weil etwas in der Zeitung steht…

Ein Kommentar

… muss es deshalb lange noch nicht wahr sein. Gelogen aber auch nicht. Hier ein Beweis:

Seit etwa zwei Wochen steht in meinem Schwimmbad in Erding ein Kundenstopper im Eingangsbereich. Mit diesem werden die Schwimmbadbesucher darauf hingewiesen, dass am Samstag, den 20.02.2016 das Hallenbad wegen einer Veranstaltung geschlossen ist. Man bitte um unser Verständnis und das sei auch gerne gewährt.
Die Stadtwerke als Betreiber des Bades möchten nun sicherstellent, dass das auch wirklich jeder mitbekommen wird. Also schicken sie eine Meldung an die lokale Presse. Das ist nicht weiter ungewöhnlich, so etwas kommt dauernd vor. Zigmal am Tag. Für für einen Lokalredakteur sollte es keine unüberwindbare Aufgabe sein, die Meldung nach Leserrelevanz zu ordnen und zumindest die wirklich wichtigen ins Blatt zu heben. Und zwar so, dass sie ihre Relevanz behalten – an sich keine große Kunst. Kann aber wohl nicht jeder, die wunderbare Stilblütensammlung Perlen des Lokaljournalismus gibt ein beredtes Zeugnis davon.

Nachdem ich also heute (Freitag, 19.02.2016) entspannt 3.ooo Meter unter abklingendem Husten geschwommen bin und mich zweimal mit Eukalyptus-Minze habe bedampfen lassen (beim zweiten Gang herrst qualvolle Enge im Schwitzkastl), experimentiere ich ein wenig mit der Kamera herum, natürlich so, dass es weder jemanden stört noch überhaupt es von jemandem wahrgenommen wird. Man toleriert zwar die eine oder andere Handy-Fotoorgie, wenn Junior um ersten Ml vom Einmeterbrett springt. Aber man muss ja die Grenzen der Toleranz nicht ausreizen.
Trotzdem brauchen Blog und Facebook-Posts Bilder und dabei entsteht unter anderem diese kühne Experimentalfotografie:

expWas das soll, weiß ich eigentlich auch nicht so genau. Darum nenne ich es einfach Kunst, verschaffe dem Foto eine gigantische Schöpfungshöhe und rechtfertige die Veröffentlichung hier. Gleichzeitig unterbinde ich die Diskssion, denn Kunst entzieht sich selbiger. Will man nicht Gefahr laufen, sich als Dilettant vorwerfen zu lassen, keine Ahnung von Kunst zu haben, schweigt man besser und nickt verständig.

Als ich nach dem Schwimmen heim komme, empfängt mich meine Frau mit der Frage, wo ich denn Schwimmen gewesen sei. In Erding sei doch das Hallenbad geschlossen. So stehe es in der heutigen Ausgabe der Lokalzeitung:

DSCF0378

Gut, dass ich jetzt Beweisfotos habe, dass ich dort war…

In der Tat steht es tatsächlich in der Lokalzeitung, aber ganz offensichtlich ist die Meldung einen Tag zu früh erschienen. Denn das betrifft ja erst den Samstag und davon steht in der Meldung nichts. Man weiß natürlich nicht, ob der Text bereits so in die Redaktion gegeben wurde und die Redakteure einfach nur vergessen haben, nachzufragen, um welchen Tag es dabei eigentlich geht.

Wie dem auch sei: Ein solcher Fehler kann passieren – selbst wie in diesem Fall einem Redaktionsleiter, der sein Kürzel unter die Meldung gesetzt hat.
Deshalb allerdings von Lügenpresse zu zetern wäre sicher verkehrt. Denn Lügen geschieht ja vorsätzlich, wissent- und absichtlich. Und mit einer Zielsetzung. Das ist ja hier eher nicht zu vermuten. Und Fehler machen alle, das nennt man dann je nach Grad gern menschliches Versagen. Solch kleine Schnitzer verzeihe ich dieser Zeitung sogar. Andere wieder weniger, aber das gehört jetzt  nicht hierher.

Dass es trotzdem für einen Freitag Spätnachmittag zumindest im Dampfbad und im Kinderbeckend proppenvoll ist, lässt darauf schließen, dass dieses Blatt wohl nicht (mehr) von allzu vielen Badegästen gelesen wird. Wie beruhigend. Offen gestanden: Ich schau mir mittlerweile auch lieber meine Knie an:

 

wiederknie

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214-10Vielen Dank fürs Lesen.
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Weil etwas in der Zeitung steht…

  1. #lesenwäremanchmalgarnichtschlecht
    Deine experimentelle Fotosession solltest du auf jedenfall weiterführen…
    Die Tatsache, dass immer weniger Leute das Medium Zeitung nutzen oder auch nutzen wollen trifft, wenn auch hier in einem anderen Zusammenhang… leider einen sehr wahren Kern…naja…Zeitung lesen ist eben nicht unbedingt ein sehr beliebtes Medium unserer Zeit. ..

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