Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Ein und Aus…

Ein Kommentar

Zwei Kilometer bin ich allein, dann gesellt sich ein anderer Schwimmer auf die Sportbahn. Er wolle mich nicht stören meint er, was ich angesichts von zwei Personen nicht nur kolossal höflich und rücksichtsvoll finde.
„In zehn Minuten bin ich weg, ich will nur schnell ausschwimmen“, meint er. Wir einigen uns darauf, dass einer rechts und einer links schwimmen, denn er meint er, wäre jetzt sehr langsam und gemütlich unterwegs und wolle mich keinesfalls ausbremsen.
Nach zehn Minuten ist er dann tatsächlich fertig mit ausschwimmen, ich habe die hundertste Bahn hinter mir gelassen und schwimme wieder mutterseelenallein hin und her. Und sinniere über die angebliche Logik deutsche Sprache, eine bisweilen höchst amüsante Angelegenheit.DSCF0313
Ausschwimmen – was für eine wunderbare Sache, die ich auch noch vor mir habe.
Und was für ein feines Wort dafür…
Neben dem ausschwimmen kenne auch einschwimmen, das ist dann schon weitaus weniger genussvoll. Zumindest erinnere ich mich an den gymnasialen Oberstufenschwimmkurs, in dem für die versammelte Mannschaft einschwimmen ein wöchentlicher Albtraum war. Morgens noch vor Unterrichtsbeginn trafen wir uns im Hallenbad zu gotteserbärmlich früher Zeit. Schwimmlehrer Bob Pyde kündigte zehn oder zwanzig Bahnen Einschwimmen zum Warmmachen an: „…und wer nörgelt gleich noch mal zehn obendrauf.“
Danach erst ging es mit Techniktraining, Zeitenschwimmen, Staffeln und dem üblichen Unterrichtsstoff weiter bis es nicht selten mit dem Ausschwimmen und dem Springen vom Einer oder Dreier endete. Ausgenommen von dem Einschwimmen waren nur die vier Vereinswasserballer aus unserem Kurs – warum auch immer. Sie genossen ohnehin allerlei Privilegien, es ging das Gerücht um, hinter ihren Namen im Notenbüchlein des Lehrers waren die 15 Punkte schon eingestempelt worden, egal, was sie machten.
Also rein ins arschkalte Wasser, bibbernd, zitternd, innerlich fluchend. Es half ja nichts.

Einschwimmen und ausschwimmen – entzückende, hochemotionale Worte, über die ich, während ich also den dritten Kilometer schwimme, ein wenig sinniere. Was sind wir Wasserratten doch bevorzugt, dass wir über solch wunderbare Trainingsmodule verfügen um in den Sport erst richtig hinein und hernach wieder richtig herauszufinden. Andere haben das zwar auch, aber sie nennen es nicht so.

DSCF0310Oder hat je einer von Ihnen von einem ein- oder aus- bei diesen neumodischem Sportgedöns gehört, das man heutzutage so macht?
Rafting, Canyooning, Freeclimbing, Kiting, Parcouring, Snowboarding, Paragliding, Surfing, Nordic Walking, Stand Up paddeln… schon mal was von ein ein-canyooning gehört? Oder aus-canyooning?
Eben. Sag ich doch.
Lediglich die Reiter genießen das Privileg, ein– und ausreiten zu können. Ersteres, wenn sie so ein wildes Viech unterm Sattel haben, letzteres, wenn es vom Hof runter ins Gelände geht. Oh, Entschuldigung: Outdoor activities meine ich natürlich. Also dann dürfen sie ein- und ausreiten.
Natürlich lassen sich im Rahmen der deutschen Sprache auch viele andere Sportarten mit ein- und aus- kombinieren, nichts davon aber beschreibt die Phase der Aufwärmung des Körpers, den Organismus auf Schwung zu bringen und später wieder „runter“zukommen.
Nehmen wir die Läufer: Klar können die einlaufen. Tun sie aber in der Regel nicht, nicht mal, wenn man sie zu heiß wäscht. Die Armen müssen also sich einlaufen. Und auslaufen? Ein Sprinter, der ausläuft? Braucht man nicht. Also bitte schalten Sie das Kopfkino einfach wieder aus. Ein Sprinter, der sich ausläuft? Noch gröberer Unfug.
Speer- und Diskuswerfer können zwar irgendetwas einwerfen (zum Beispiel in Debatten), im Sport aber müssen sie sich vor dem Wettkampf einwerfen – so, als würden sie sich selbst in die Hand nehmen und durch die Luft schleudern. Fußballer hingegen werfen tatsächlich ein, manchmal allerdings falsch, aber immer den Ball. Auswerfen allerdings tun höchstens Rechenmaschinen, Computer und Analysegeräte: Nämlich Ergebnisse. Auswurf wiederum kann auch jeder. Will man aber eigentlich auch nicht.
Geher können zwar ein– und ausgehen, aber das ist so trivial, dass wir das alle können. Eingehen tun in der Regel die Blumen auf der Fensterbank, ausgehen die Partypeople. Und der Geher? Steht da im kurzen Hemd, während wir schon mit dem Einschwimmen beschäftigt sind.
Ich habe zwar schon von Eintänzern gehört, aber austanzen noch nie. Springer springen ein – schon klar, aber auch aus?
Wie gesagt: Was haben wir Schwimmer es doch gut. Einschwimmen und ausschwimmen.
Das ist fast wie einatmen und ausatmen. Ein lebenserhaltender Prozess.Aber selbst in Schwimmkreisen wird das wunderbare Wort bisweilen durch schnödes swimming down ersetzt. Wie traurig.

Darum, liebe Leser: Wenn Sie sinnvolle Wortbildungen mit Ein-… und Aus-… bei Sportarten kennen, immer her damit. Nutzen Sie einfach die Kommentarfunktion. Ich bin gespannt.
Aber bitte führen Sie nicht ein- und ausparken auf. Das wäre sprachlich zwar sinnvoll, ist aber nur für einen verschwindend geringen Anteil der Bevölkerung ein echter Sport, bei dem sie in Schweiß geraten… Darum versuchen andere es erst gar nicht, hinzubekommen:

parkpack

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214-10Vielen Dank fürs Lesen.
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Ein und Aus…

  1. Hach, da könnt ich mich bei einlesen festlesen, bis es ausgelesen ist…. 😀
    lg eine Wasserschnecke

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