Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Hallelujah im Hallenbad

2 Kommentare

kermit„Also das Allerschönste, was Füße tun können, ist tanzen“ – ein legendärer Satz aus dem Mund von Kermit, dem Frosch. Im Original erklärt der grüne Sympatikus in der Sesamstraße, was Füße eigentlich sind (hier) und was man mit ihnen alles machen kann. Der zitierte Satz ist seitdem mehrfach zur Grundlage mehr oder weniger guter Dancefloor-Songs gemacht worden. Natürlich kann man geteilter Meinung sein, ob es neben Tanzen nicht schöneres gibt, was man mit seinen Füßen anstellen kann. Arschtritte verteilen wäre vielleicht eine Möglichkeit, die mir spontan einfällt.
Die Partypeople aber sehen das so, dass nur Tanzen zählt und deshalb veranstalten sie Jahr für Jahr das gleiche Geschrei, wenn ein stiller Feiertag samt Tanzverbot näher rückt.
Als wäre es existenzvernichtend, wenn am Karfreitag in der Öffentlichkeit Tanzverbot herrscht, mehren sie sich zu Beispiel auf Twitter aus, wie fürchterlich es ist, sich von Staat und Kirchen, denen sie schon lange nicht mehr angehören, bevormunden lassen zu müssen. Sie wollen tanzen. Und zwar am Donnerstag in den Freitag rein und am Freitag in den Samstag. Was – so meinen sie – haben sie mit den religiösen Gebräuchen zu tun?Flyer-Tanzverbot_neutral-212x300
Interessanterweise sind das meistens diejenigen, die das Privileg religiös begründeter Feiertage, auch der stillen, in Anspruch zu nehmen, am Tag drauf statt zu arbeiten ordentlich auszuschlafen. Und das gilt nicht nur an Ostern. Weinachten, Pfingsten nehmen sie ebenso mit, wie die anderen gesetzlichen aber religiös begründeten Feiertage, die ihnen je nach Bundesland zur Verfügung stehen. Aber vor dem nächsten stillen Feiertag erschallt dann wieder der Ruf, das Tanzverbot endlich aufzuheben. Wenn man an genau diesen Abenden nicht Party machen kann, dann gerät offensichtlich die Welt aus den Fugen.
Tut sie nicht.
Mir persönlich ist das Tanzverbot egal. Das betrifft mich genausowenig wie das Verbot der Aufführung nicht feiertagsfreier Filme (Horror, Gewalt, Porno). Ich geh weder vor, noch an, noch nach Feiertagen tanzen – ich gehe nämlich gar nicht. Mich stört aber auch nicht, wenn andere an diesen Tagen tanzen. Ich muss es ihnen ja nicht gleich tun. Ich habe Alternativen; auch an stillen Feiertagen.
Da tanze ich mutterseelenallein auf der Sportbahn im Schwimmbad meine Kilometer zusammen. Während sich das Partyvolk noch zwischen Matratze und Decke ob der entgangenen Partynacht totbeleidigt grämt, der fromme protestantische Nachbar streng lutherisch zerknirscht Oh Haupt voll Blut und Wunden anstimmt, die Katholiken die Wohnungen weißeln, weil sie ja mit Karfreitag nichts am Hut haben, nutze ich die Gunst der Stunde: Ab ins Hallenbad. Es ist nicht einmal wie sonst an Feiertagen Warmbadetag. Das wäre ja auch noch schöner, am Karfreitag das Wasser noch zusätzlich anzuwärmen. Ein wenig Kasteiung darf’s schon sein. Man könnte die Frischwasserzufuhr aufdrehen, dann zieht’s gschmackig kalt aus dem Filterauslass hinein ins Becken. Das kenn ich bereits.
Wie auch immer. Die Bahn ist frei…
Und jetzt, Herr Kapellmeister, Musik bitte. Ich will tanzen.r-leere
Nun hat das Zusammenspiel aus Armzug, Beinschlag, Gleit- und Zugphase, rhytmischer Atmung und Wende etwas Kraftvolles und zugleich Tänzerisches. Im Viererrhythmus zu atmen wird foxtrottig, im Dreierryhthmus walzerbeschwingt. Es geht aber auch samba-sprintmäßig oder tangozackig und -geschmeidig im Zweierzug/-vierteltakt.
Alles eine Frage der Phantasie. Hauptsache, man hat genug davon. Dann kann man sich nämlich auch einbilden, österlicher Erleuchtung entgegenzukraulen. Oder vielleicht statt zu schwimmen beim nächsten Mal übers Wasser zu laufen…r-12841212_10204659683486798_533759296543400859_o
Hallelujah im Hallenbad.
Wer braucht da schon tanzen?

– – – – – – – – – – –
214-10Vielen Dank fürs Lesen.
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Hallelujah im Hallenbad

  1. Wieder einmal ein sehr gelungener erfrischender Text ☺ a b e r wo bleibt der „Blues des Flows“…Dieser einzigartige Rhythmus…Der im Takt des Herzens schlägt.. Wenn die erste Freude über die Bewegung im Wasser nachlässt und der Kopf und der Körper die erste anstrengende rhythmische Bewegung hinter sich gebracht hat…sich diese Innere Zufriedenheit einstellt…💙

  2. “ wie das Verbot der Aufführung nicht feiertagsfreier Filme (Horror, Gewalt, Porno)“
    Oder Filme wie „Heidi“, „Dumm & Dümmer“, „Die Feuerzangenbowle“ etc.
    🙂

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