Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Männer sind so – Teil 6

2 Kommentare

Männer müssen immer übertreiben. Das ist nichts Neues und bedürfte keine Erwähnung, wenn nicht Herr P. auch so einer wäre. Nach der Devise Ostern war gestern fühlt sich Herr P. (also ich) heute statt zu Ostereiern, Osterlamm und Osterspaziergang der Bewegung zugetan. Wie gesagt: Ostern war gestern nebst diesen drei Attributen. Bereits gestern hat er sich auf Facebook mit einem Osterspaziergangbild am Chiemsee präsentiert und auf die Ankündigung, er wolle die Lage sondieren, wann das Schwimmen losgeht, einen unlustigen Kommentar eingefangen. Also lässt er das jetzt mit dem Schwimmen. Und dem Spazierengehen.rspazier

 

Stattdessen popelt Herr P. sein über 20 Jahre altes Mountainbike Centurion Weasel aus dem Verschlag, pumpt die Reifen auf und tritt in die Pedale. Und übertreibt. Denn Herr P. übersieht einige Dinge geflissentlich:

  1. Er ist kein Jungspund mehr. Vielleicht sollte er es ruhiger angehen lassen.
  2. Er hat nicht in der Dorfchronik nachgesehen, wann man ihn das letzte Mal auf dem Rad gesehen hat. Es muss eine kleine Ewigkeit her sein und ist so selten, dass es in der Dorfchronik ruhig erwähnt werden dürfte.
  3. Beim Schwimmen werden andere Muskelgruppen schikaniert als beim Radfahren. Herr P. ist also gänzlich untrainiert.r-wald6

Gerade letzteres wird Herr P., da ist sich der Chronist sicher, bitte zu spüren bekommen. Denn Herr P. möchte mit dem gelben Radl-Oldtimer heute so ungefähr alle Etappen der Tour de France fahren – am Stück natürlich. Das ist maßlos übertrieben. Aber irgendwie kommt es Herrn P. so vor, als täte er das. Es reicht nicht, einfach nur eine gemütliche Runde im Wald hinter dem Haus zu drehen.

r-wald3

Nein. Erst wird kreuz und quer durch den Forst geradelt, dann geht es raus aus dem Grün.Richtung Erding muss es sein. r-wald5Dabei kreuzt er die Bahn und tritt dann erst richtig in die Pedale. Denn ein Stück geht es den Radweg entlang und da sind heute viele SonntagsOstermontagsradler unterwegs. Auf ihren Rennmaschinen und in ihren bunten Lycra-Leibchen zischen sie an Herrn P. vorbei, dass diesem ganz schwindlig wird. Das spornt den Ehrgeiz an. Mithalten ist nicht drin. Aber wenigstens an den Inlinern will er vorbei.

eis-reduziertZwischenstopp macht er in Erding und eröffnet die Leckeiszeit – traditionell mit der Kombination Pistazie-Zitrone, der schmackhaftesten, die es überhaupt gibt. Auch da macht er keine Kompromisse.

 

Ein bisschen eingesaut kommt er sich vor, matschbespritzt an Beinen und Rücken, als er so zwischen den Sonntags Ostermontagsbummlern am Schrannenplatz sitzt und Eis leckt. In bunten Übergangsjäckchen schlendern die Erdinger vorbei und schauen indigniert auf Herrn P., den dreckerten Dörfler, der da hockt und sich schamlos des München-Freifunk-WLANS bedient.
Ein paar Rennradler sind da und die obligatorischen Familienradl-Gruppen, vorschriftsmäßig ausgestattet mit Helm und Signalweste. Vati hat einen neongelben Clip am Hosenbein, damit dieses sich nicht in der Kette verfängt. Auch das ist Deutschland.wald2
Nach einem kurzen Plausch geht es weiter. Im weiten Bogen folgt Herr P. unbekannten Feld- und Waldwegen und hat nur eine grobe Vorstellung davon, in welche Richtung er muss und wo er am Ende dieses Weges wieder rauskommen wird. Bisweilen ist die Vorstellung derart grob, dass er ein paar Extrabögen und Schlenker fährt. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel. Und Herr P. will Weg machen. Und ein Selfie. Das wirkt nicht ganz so überzeugend, aber der Chronist zeigt es trotzdem und outet Herrn P. damit auch als Lycra-Träger auf dem Bike. Wenn auch das Farbspiel ein wenig diskreter ausfällt als bei so manchem Rennradfahrer. Aber Herr P. nimmt im Wald ja auch Rücksicht auf heimische Tierarten, die er mit schreiend neongrün/-orangem Outfit nicht dauerhaft vergrämen will.

Irgendwann kommt Herr P. daheim wieder an, gar nicht mehr so eingesaut, wie er zwischendurch einmal war. Er erinnert sich an die Betonplattenpiste, die er kurz mal nehmen musste. Da bröselte es den angetrockneten Matsch vom Rad, Schenkel und Reifen, dass es eine Freude war.
Herrn P. macht übrigens der Dreck nichts aus, denn er hat eine Dusche und eine Waschmaschine und die beide sind schnell gefüllt: 40°C, pflegeleicht – fertig.

r-wald7

Allerdings ist Herr P. kaum daheim, da wird er eine böse Vorahnung von dem bekommen, was ihn erwartet. Die Schenkel glühen dermaßen, dass er erst das Duschwasser auf deutlich über 40°C drehen muss, um überhaupt zu spüren, dass da was Heißes von oben auf ihn herunterprasselt.
Und morgen wird Herr P. einen Muskelkater haben, der sich gewaschen hat. Daher überlegt er, lieber auf dem Sofa zu übernachten. Denn morgen einigermaßen schmerzfrei aus dem ersten Stock hinunter zu kommen ist etwa so unwahrscheinlich wie der Fahneneinzug einer Marianischen Männerkongreation samt weihrauchschwenkender Ministranten in eine evangelische Kirche.

Frau P.s Mitleid hält sich angesichts des prophylaktisch schon mal jammernden Gatten in Grenzen.
Sie bringt es auf den Punkt: „Warum musst Du es auch wieder übertreiben? Männer eben!“
Fehlt nur, dass sie jetzt das Sofa blockiert. Das zweite Kissen sucht sie schon, aber da sitzt Herr P. drauf und notiert das Geschehene. Denn der Hintern tut ihm weh, als wäre Herr P. zu Gast bei Lady Haudrauf im Spanking-Sadostudio gewesen. Zumindest stellt er sich das mangels Erfahrung so vor…

– – – – – – – – – – –
214-10Vielen Dank fürs Lesen.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann freue ich mich, wenn Sie ihn Ihren Freunden weiterempfehlen – z.B. über Facebook, Twitter, in Internetforen, Facebookgruppen o.ä.
Gern dürfen Sie meine Artikel auch verlinken.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie bitte das Kommentarfeld.

 

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

2 Kommentare zu “Männer sind so – Teil 6

  1. Mit Helm??

    „Helme tragen bzw. trugen zwar auch Wikinger, aber der moderne, zivile Freizeitmensch setzt selbige nur noch zu wenigen Gelegenheiten auf: Ski- und Snowboardfahren, Reiten, und Motorradfahren. (…) Es nutzt nichts. Radfahren mit Helm – das ist wie Motorradfahrer oder Hühner mit Warnwesten: Absolut vernünftig und trotzdem ab einem gewissen Alter irgendwie genauso uncool wie mit Schwimmflügel in den Badeweiher zu steigen.“

    http://zwetschgenmann.de/hauptsache-haeuptling/

  2. Köstlich!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s