Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Wer die Wahl hat – Beim Neotest

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Samstag 15.00 Uhr – im Münchner Südosten.
Ein Gymnasium.
Seit Mittag veranstaltet der Münchener Triathlon-Shop dort im Rahmen der Neo-Test-Tour 2016 ein Neoprenanzug-Testschwimmen. Und nach dem verzweifelten und bisher erfolgreichen Versuch, einen solchen Anzug in München zu erwerben habe ich mir dort einen Time-Slot zum Testen gebucht. Ins Auge gefasst habe ich dabei den Aquaman Bionik, der um Einiges günstiger aber im Wesentlichen baugleich zum Premiumprodukt der Firma Aquaman ist. Den Cell Gold hatte ich bereits zweimal im Laden an, davon war hier ja schon die Rede. Aber der Anzug steht eigentlich in keinem Preis-Nutzungsverhältnis für meinen Bedarf.

Ganz unabhängig von dem Wunsch, den neuen Neoprenanzug erst Mal im Wasser auszuprobieren bin ich natürlich kolossal neugierig, was mich bei einem solchen Testschwimmen erwartet…

Ein Hinweisschild weist mir den Weg – pro forma fotografiere ich das. Eine ältere Frau, die ihr Zamperl Gassi führt, beobachtet mich. Aus dem Augenwinkel nehme ich noch wahr, dass sie fast vor Neugier platzend das Schild inspiziert, kaum, dass ich gegangen bin.r-neotest1

Nun, sie wird vermutlich keine Ahnung von dem haben, was wir – jede Menge Schwimmer und Triathleten – in der Schulschwimmhalle treiben.
Offen gestanden weiß ich das auch noch nicht, aber eine Einführung und ein Analyse- und Bewertungsbogen, den ich ausgehändigt bekomme, weist mir den Weg. Und wenige Minuten später stehe ich in der Halle. Auf fünf Kleiderständern hängen Dutzende von Neoprenanzügen, wuselige Schwimmer sind überall, Fachpersonal, das den Namen wirklich verdient, erklärt geduldig alles, im Wasser ziehen Tester ihre Bahnen. Und gleich auch ich.r-neotest2

„Warum soll ich eigentlich noch andere testen?“ frage ich mich plötzlich, ich habe mich doch eigentlich schon vorher entschieden. Ich weiß, dass ich den Aquaman Bionik kaufen will. Eigentlich ist es doch nur noch Formsache, den im Wasser auszuprobieren. Reinschlupfen, ein paar Bahnen, ab nach Hause.neotest3
Ich soll ihn auf Flexibilität, Auftrieb und Passform hin prüfen. Er passt, das merke ich schon beim Anziehen, wie eine zweite Haut.
„Optimal“, denke ich, lasse mich ins Wasser gleiten, dann noch mal raus und wieder rein. Schnell sind – zack, zack, zack – sechs Bahnen geschwommen. Es macht unglaublich Spaß. Die Entscheidung ist gefallen.
Den kauf ich.
Aber meine Neugier siegt und ich probiere den rund 160 Euro teureren Aquaman Cell Gold auch noch an. Könnte ja sein, dass das ein sensationeller Unterschied ist – so, als ob man erst einen VW und dann einen S-Klasse-Mercedes fährt.
Aber dem ist nicht so. Auch der Cell Gold passt perfekt. Im Wasser aber habe ich das Gefühl, als läge ich auf einer Luftmatratze. Der Neo hat so verdammt viel Auftrieb, dass ich einem Mit-Tester gegenüber bemerke, es sei, als schwämme man in Israel im Toten Meer. Zu viel für meinen Geschmack. Sorry.
Ich finde das nicht optimal, also belasse ich es dabei. Der Bionik – meine erste Wahl – der soll es sein. Trotzdem gut, den anderen auch getestet zu haben.
Noch mal auf den Zettel schauen, was man mir noch so empfiehlt.
Orca 3,8 oder Orca Sonar. Die lasse ich natürlich weg, die sind ja so tailliert…

Hach – da ist ja noch der Ständer mit den Sailfish-Neos. Und der Attack steht auch auf dem Testbogen. Den sollte ich vielleicht auch noch testen. Nach zwei Bahnen verlasse ich schon wieder das Wasser. Der Anzug nervt mich. Ich bin überrascht, die Marke meines Vertrauens passt nicht optimal, sie schmiert im Vergleich zum Aquaman ab.
Kann nicht sein, oder?
Ist aber so. Muss an mir liegen.
Und dann steht noch der 2XU Race. Nie gehört. Was soll das sein?
Aber wenn ich schon mal da bin, warum nicht den auch noch?
Matze – Fachhändler für diese Marke – erklärt mir alle Vorteile, macht mir den Anzug so richtig schmackhaft und reicht mir einen.
„Probier den mal…“
Nanu? Der fragt nicht mal nach Größe und Gewicht.
„Muss ich nicht – seh ich auch so“ meint er und gibt mir genau den Anzug, der perfekt passt. Und schon geht die Qual der Wahl los. Denn im Race schwimmt es sich grandios.neotest4
Natürlich beeinflusst Matze mich; nicht nur damit, dass er meine Übergriffigkeit im linken Arm bemängelt.
„Weißt Du, dass Du links total übergreifst“, fragt er, nachdem ich den Race 100 Meter geschwommen bin und er mich beobachtet hat.
„Ja, weiß ich“, antworte ich aus dem Wasser.
„Und warum tust Du das dann?“
Scherzkeks… Dafür bin ich heute nicht hier.
Die Wasserlage in dem Anzug ist sensationell, der Auftrieb genau richtig und die Passform ist auch ok – nur graduell schlechter als der Bionik.
Ein anderer Tester steht vor dem gleichen Dilemma – auch er hatte sich für den Bionik entschieden, als ich ihm aus dem Wasser zurufe, er solle den Race doch auch mal testen.
Das macht er und schon sind wir zu zweit mit der Qual der Wahl.
Der oder der.
Vor- und Nachteile werden abgewogen, letztlich entscheide ich mich, den Bionik doch noch mal zu testen. Der direkte Vergleich soll die Entscheidung herbeiführen.
Mann – der schmiegt sich so schön an mich an. Der fühlt sich so verdammt gut an. Da kommt der Race nicht mit. Aber der Race bietet den besseren Auftrieb. Und wirkt robuster. Und überhaupt. Der verspricht, mit der gleichen Kraft schneller zu sein oder weiter zu kommen
Hin und her überlege ich. So als ginge es um staatstragende Entscheidungen. r-neotest5
So ’ne Scheiße.
Der andere Schwimmer testet den Bionik auch noch mal, als ich mich längst entschieden habe, den Bionik zu nehmen.
Aber er verleitet mich dazu, noch einmal nachzudenken, als er sich für den Race entscheidet, und so geht das ganze Abwägen ein weiteres Mal los.
Am Ende ist es der 2XU Race.
Wenn heute was auf Flexibilität getestet wurde, dann meine Entscheidungsfreudigkeit.

Die Freiwassersaison kann kommen…
PS:  Das Testschwimmen war genial. Es hat immens viel Spaß gemacht, es ist großartig, mit den anderen Testschwimmern Erfahrungen und Meinungen auszutauschen. Kompetente Beratung und Hilfe vor Ort sind Gold wert. Große Klasse. Probieren geht halt doch über studieren. Ich kann solche Testschwimmaktionen nur empfehlen. Und das steht hier nicht, weil ich vom Veranstalter auch nur ein Energy-Riegelchen bekommen hätte, das ich das schreibe. Sondern weil’s wahr ist.
(Einen Energy-Riegel habe ich trotzdem nicht bekommen 😉
– – – – – – – – – – –
214-10Vielen Dank fürs Lesen.
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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