Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Der Sub-Mariner – noch ein Wassermann

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Prinz Namor, der Sub-MarinerKennen Sie den?
Vermutlich nicht. Es sei denn, Sie haben eine ausgesprochen große Affinität für Superhelden-Comics aus dem Hause Marvel. Falls nicht, hilft der Wikipedia-Artikel über die Fantastischen Vier weiter: Der Sub-Mariner oder auch Prinz Namor ist der Herrscher über Atlantis und einer Rasse von Wasser-Menschen, die mit den Menschen die gleichen Vorfahren teilen. Seine Motive sind nicht von „böser“ Natur, seine Angriffe auf die Menschen sind eher eine Form der Selbstverteidigung, um sein Unterwasser-Reich vor der Rücksichtslosigkeit und Zerstörungswut des Menschen zu schützen.
Zu einem eigenen Eintrag in die deutsche Wikipedia hat es dieser merkwürdige, sehr ambivalente Superheld aus dem Marvel-Universum nicht geschafft, und das, obwohl er sowohl bei den Fantastischen Vier, den Rächern/Avengers, der Spinne/Spider-Man, Hulk und anderen Serien immer wieder auftaucht.
1974 brachte der Hamburger Williams Verlag die Marvel-Comics auf den deutschen Markt.
Schund, so hieß das damals ganz schnell, bei uns daheim.
Das aber hat meinen Bruder und mich wenig interessiert. Zunächst kauften wir von unserem Taschengeld die Heftchen am Kiosk, einige Reihen erschienen zweiwöchtentlich, andere einmal im Monat.
Später dann wurde es billiger. Beim An- und Verkauf, der günstigerweise in nächster Nähe unserer Schulbushaltestelle lag, gab es auch Marvel-Comics. Für einen Zehner. So füllte sich unsere Marvel-Sammlung, die nie lückenlos blieb und irgendwann auch wieder den Weg zurück zum An- und Verkauf fand.
Also kenne ich diese merkwürdige, bisweilen recht aggressive Figur, die hoffentlich auch irgendwann mal auf der Kinoleinwand auftauchen wird, schon lange.
Der Sub-Mariner, Prinz Namor oder auch Aquarius genannt, war der „Zweitheld“ in den Heften der Spinne, die damals noch nicht Spider-Man hieß. Das ging dann bis 1976 so, da zog der deutsche Verlag die Reißleine, kickte die wenig profitablen Helden aus dem Programm und ersetzte den Sub-Mariner als Co-Held in den Spinne-Comics durch Thor, der zuvor sein eigenes Heft hatte. Fortan war von Prinz Namor nichts mehr zu lesen… außer natürlich in den nachgekauften älteren Marvels. Oder Aquarius tauchte als Widersacher gegen die bereits erwähnten Superhelden auf…

Warum ich das erzähle?

Nun: Was der kleine Wassermann und die anderen Bücher von Otfried Preußler für meine Kindheit waren, das waren die Marvel-Comics für mein frühes Teenager-Alter.
Zum Leidwesen meiner Eltern lasen mein Bruder und ich sie stundenlang. Wieder und wieder und wieder. Ganz neue Welten taten sich für uns auf… und ganz neue Helden eroberten unser Leben. Akzeptiert waren sie nicht. Comics hatten – wenn sie denn überhaupt toleriert wurden – mindestens den pädagogischen und sittlichen Wert von Asterix zu haben. Hin und wieder eines von Walt Disneys lustigen Taschenbüchern erlaubt oder ein Fix & Foxi. Aber das war Kinderkram und höchstens noch lesenswert, wenn wir beim Friseur waren und der nichts anderes zu bieten hatte.
Der Friseur nämlich hatte eine Schublade voller Comics für wartende Kinder. Dort entdeckte ich die europäischen Comics a la Lucky Luke, Tim und Struppi, Michel Vaillant (wie? Den kennen Sie auch nicht!?) und Dan Cooper . Aber eigentlich zog es mich zu den „Abgründen“ amerikanischer Superhelden – ich bevorzugte Marvel vor DC. Und wenn es doch DC war, dann eher Batman als Superman.
subootNicht, dass wir uns allzu sehr mit den Figuren identifizierten oder gar die Comics nachspielten, dazu waren wir zu alt und wohl viel zu cool, obwohl wir das Wort cool noch nicht benutzten. Aber trotzdem faszinierte mich damals dieser Aquarius. Schließlich war er ein Wassermann – wie ja auch ich. Laut Marvel ein Mutant, der Sohn eines Menschen und einer Prinzessin aus Atlantis, was es ihm ermöglichte sowohl über- als auch Unterwasser zu atmen, pfeilschnell zu schwimmen als auch zu fliegen (dank der winzigen Flügel an seinen Fersen… wie immer das funktionieren mag).
Außerdem war er mit erstaunlichen Körperkräften ausgestattet, so dass er es sowohl mit dem Hulk als auch Ben Grimm, dem Ding aufnahm. Da konnte man als schmächtiger Elf-, Zwölfjähriger schon ganz schön neidisch werden. Erklärt wurde das mit dem enormen Druck des Wassers auf seinen Körper, wenn er in der Tiefsee weilte. Entfällt dieser Druck an Land, dann wachsen im automatisch riesige Kräfte zu.

Zugegeben: Der Sub-Mariner ist keine ausgesprochene Identifikationsfigur. Dazu ist er zu ambivalent, uncharmant und verfügt auch nicht gerade über ein besonders attraktives Äußeres: Spitze Ohren hatte er wie Mr. Spock… und eine Frisur wie die TV-Journalistin Gabriele Krone-Schmalz, die irgendwann in den 70er Jahren auf den Bildschirmen auftauchte und bei uns daheim ebenso umstritten war wie amerikanische Comics.
Aber dass er sich weder dem Avengers-Corpsgeist unter der Anführerschaft dieses hanswurstigen Aufschneiders Captain America unterordnete, noch dass er es so mit Familie hatte, sondern stets ein grimmiger, menschenverachtender Einzelgänger blieb, macht ihn schon wieder interessant. Und dass er wie ein Torpedo durch sein Unterwasserreich schoss, kaum, dass er einmal ein wenig mit den Beinen gezuckt hatte, lässt die Landratten vor Neid erblassen. Arme strecken, Eintauch- und Gleitphase, Zugphase, Luftholen, Ausatmen – diesen ganzen Scheiß, auf die man sich als Schwimmer konzentrieren sollte, waren aus dem Blick von Prinz Namor allenfalls ein Scherz. Wenn einer schwimmen und tauchen konnte wie ein Gott, dann er. Kunststück. Er war ja auch einer…. zumindest ein halber.

f16Natürlich war es der pure Zufall, dass ich in dem Alter, in dem ich  Marvel entdeckte, eine dunkelgrüne Badehose mit schwarzen Linien aber ohne Fischschuppenmuster und vor allem ohne gelbes Waistband besaß. Dazu die beschämenden 2 weißen Streifen an der Seite. Für den dritten, und damit eine echte Adidas hatte es mal wieder nicht gereicht.
„Das Kind wächst ja so schnell“, war das Totschlagargument meiner Eltern gegen jede teure Markenklamotte. Also gab es Garderobe von C&A.
„Langt doch – fertig! Sie doch fast aus wie ne echte.“
Nur zwei Streifen auf der Badehose, dafür vier auf den Schlappen. Auch so ein Kindheitstrauma.
Die Hose aber mochte ich trotzdem. Und natürlich war es auch Zufall, dass ich die, und nur die, trug, als wir im Sommerurlaub am Neusiedler See in Österreich waren und ich über Stunden im Wasser blieb. Ich sprang hin und her, tauchte, schwamm (mehr schlecht als recht), tobte auf der Luftmatratze, warf den schlammigen Bodengrund durch die Gegend und war aus dieser „größten Badewanne Europas“ nur schwer herauszuholen.
Aber glauben Sie jetzt nur nicht, ich hätte mich nur wegen einer grünen Badehose gefühlt wie ein Sub-Mariner, etwa so wie sich Walter in James Thurbers berühmter Kurzgeschichte The secret life of Walter Mitty am helllichten Tage in andere heldenhafte Persönlichkeiten hinein räumt.

Wie uncool wäre das denn?

So was macht doch keiner. Also kein normaler Mensch. Also ich nicht.
Damals nicht; und heute im Weiher oder auf der Bahn im Schwimmbad noch viel weniger.

Ganz sicher nicht.
Ich doch nicht.

Nie…
Aber die Ähnlichkeit ist schon verblüffend. Finden Sie nicht?
Namor_Vintage_h1

– – – – – – – – – – –
214-10Vielen Dank fürs Lesen.
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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