Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Erster in Erding? – Alles eine Frage der Vorbereitung

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Heute um 8 Uhr öffnete das Erdinger Freibad und ich wollte vorneweg dabei sein. Also habe ich mich gründlich vorbereitet. Denn der matthäischen Strategie, dass man als Letzter zu den Ersten gehören wird, vertraue ich nicht, zumindest nicht in diesem Fall.
Und da man aus Erfahrung klug wird (oder zumindest werden sollte) rekapitulierte ich als Erstes die Erfahrungen des Vorjahres. Bereits 2015  war mein Ziel, zu denjenigen gehören, die unbedingt am Eröffnungstag des Erdinger Freibads morgens um 8 Uhr vor der Tür stehen und Einlass begehren: Der frühe Vogel halt… oder der frühe Wurm.r-freib02

 

Dieses Projekt hat mir irgendwie gut gefallen. Denn immer nur Bahnen im Hallenbad oder im Freibad zu schwimmen wird auf Dauer auch etwas langweilig. Also „werte“ ich meine Besuche dort wenn möglich mit irgendetwas Besonderem und Emotionalem auf. Ich bin ja soooo eventsüchtig.
Ich weiß bereits aus sicherer Quelle (eine Person aus dem Inner Circle hat es mir vor Wochen zugeraunt), dass die ersten 50 Besucher wieder freien Eintritt bekommen. Das also kann mich dieses Jahr nicht mehr überraschen. Meinen 50er Coin nehme ich trotzdem mit. Sicher ist sicher. Wer weiß schon, wie weit drinnen im inneren Kreis sich mein Informant wirklich befindet?

Ich weiß auch vom vergangenen Jahr her, dass ich, wenn ich um Punkt 8.00 komme, zu spät dran sein werde. Das ist übrigens auch in der Hallensaison nicht anders. Irgendwer ist immer schon im Becken, und wenn ich noch so pünktlich bin: Meistens sind es senile Bettflüchter. Und die überholen einen immer rechts.
Eine entsprechende Rentnerparanoia  kann daher nicht ausbleiben – und natürlich die Theorie, dass es sich um eine hochgeheime Verschwörung zwischen Öffnungs- und Kassenpersonal sowie den betagten Herrschaften handeln muss. Die sprechen sich doch vorher ab, oder? Sehe ich da nicht ein verschwörerisches Augenzwinkern?

Also fahre ich in diesem Jahr noch früher los. Nicht, dass es mir irgendetwas bringt, der Allererste zu sein. Aber der frühe Vogel… kennen Sie sicher. Auperdem geht es hier ums Prinzip. Darum geht es letztlich meistens. Das ist schließlich auch eines der höchsten Tugenden: Prinzipientreue. Oder verwechlse ich da was?

Hätte ich meinen zerlöcherten Schlafsack nicht vor Jahren in die Mülltonne geworfen, vielleicht hätte ich vor der Kasse biwakiert. Ich bin zwar eigentlich zu alt für diesen Scheiß, aber mich von den nochmals um 20 bis 30 Jahre älteren Brüstlern wieder so eiskalt abhängen zu lassen, kommt gleich zweimal nicht in die Tüte. Mangels Übernachtung vor der Tür muss es der Wecker richten, der mich rechtzeitig aus Morpheus Armen reißen wird, damit ich nur ja früh genug dran bin. Auf welche Zeit stelle ich ihn?
Vegeblich suche ich bei Google die Frühstückszeiten in den Seniorenheimen, um mich zu orientieren. Nicht, dass die Bewohner zu den Frühschwimmern gehören. Aber die nahezu Gleichaltrigen, die noch in freier Wildbahn und somit zum Beispiel in der dem Schwimmbad benachbarten Siedlung bei St. Paul leben, frühstücken vermutlich zu ähnlichen Zeiten. Oder sie lassen es an solchen Tagen ausfallen und holen damit noch mal Zeit rein. Badegarderobe wird gleich daheim angezogen – das mache ich auch nicht anders. Nur im Gegensatz zu den Rentnern (vermute ich), bin ich meistens so unkonzentriert, dass ich gelegentlich in der Eile vergesse, frische Wäsche für hinterher einzupacken. Seit ich eine Reservebadehose in der Tasche habe, ist das aber auch kein Drama mehr…

Ein weiterer Lerneffekt vom Vorjahr ist, dass ich angesichts der gruseligen Witterung meinen Neoprenanzug dabeihaben werde. Eine Zeitlang sinnierte ich, die Gummipelle zu Hause bereits anzuziehen und mich im Neo ins Auto zu setzen. Die Vorteile wären nicht von der Hand zu weisen:

  • Vorteil 1: Ich habe garantiert jemanden in der Nähe, der ihn mir schließt. Meine Frau ist wild erpicht darauf, samstags in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett zu steigen und einen Reißverschluss hochzuziehen, den ich alleine kaum bewegt bekomme. Falls sie das doof findet, so früh für mich aufzustehen, bleibt mir nichts anderes übrig, als den Neoprenanzug schon am Vorabend anzuziehen und darin zu schlafen. Ihr Pech, wenn es dann die ganze Nacht nach Neopren und Gummi riecht. Aber vielleicht ließe sich der Sache ja auch ein erotischer Nebeneffekt abgewinnen. Ich sollte das Thema mal vorsichtig anschneiden…
    Jedenfalls bin ich so auf der sicheren Seite. Denn möglicherweise stoße ich im Freibad ja wieder auf schwächelnde Mitbürger, die zwar hilfsbereit sind aber, denen es an Kraft und dem Mut zum beherzten Zupacken fehlt. Das kenn ich ja auch schon und dann steh ich da mit der Pelle, derweil die Omabrüstler schwer durchs Wasser pflügen.
  • Vorteil 2: Ich kann direkt von der Kasse ins Becken und spare die ganze Umkleidezeit. Viel ist das nicht, aber es zählt im Ringen um die vordersten Plätze jede Sekunde. So behäbig sich die Konkurrenz sonst bewegt, so schnell ist sie im Ablegen der Kleidung und beim Sprint ins Schwimmbecken. So schnell, dass sie den Weg über die Dusche  gleich abkürzen.
    Eine weitere Überlegung: Wenn ich daheim auch noch Badekappe und Chlorbrille aufsetze, spare ich noch mal eine Minute. Immerhin habe ich ja 16 Kilometer Anfahrt – zum Teil durch Baustellebehinderung. Da gilt es, ganz vorne auf die Tube zu drücken und Gas zu geben.
  • Vorteil 3: Ich kann mit Martin und Günther gleichziehen. Die nämlich haben vor Kurzem ein Foto bei Facebook hochgeladen. Da sitzt einer im Neo hinterm Lenkrad im Auto. Sehr beeindruckend.
    Dagegen spricht allerdings die Gefahr, in eine allgemeine Verkehrskontrolle zu geraten, die vielleicht die letzten freitäglichen Party People und alkoholisierten Nachtschwärmer ausfindig machen will. Ich war oft genug in meinem Leben in diesen Verkehrskontrollen, dass ich mittlerweile weiß: der bayerische Verkehrspolizist ist einigermaßen humorlos. Für einen verkappten Superhelden im Kampfkostüm, der auf dem Weg zu seinem ersten Einsatz zur Rettung der Welt ist, werden sie mich wohl kaum halten. Ich könnte das aber scherzhaft behaupten und einfach sagen, ich müsse nur noch meine Flugpille einwerfen. Dazu zitiere ich den Anfang einer amerikanischen 60er Jahre TV-Serie, die heute wohl keiner mehr kennt:…ein zarter und schwacher Gnom,
    die Pille machte ihn zum Phantom.
    Er konnte wie ein Adler fliegen
    und jeden Bösewicht besiegen.
    Denn seine große Stunde kam
    immer, wenn er Pillen nahm!Spätestens dann ist sicher, dass ich nicht in Erding in Freibad lande sondern in der Klinik für forensische Psychiatrie in Taufkirchen/Vils. So verkehrt ist das allerdings nicht, immerhin sind es von dort nur noch zwei Kilometer bis zum Taufkirchener Freibad. Zu Fuß kann man sogar noch abkürzen.r-20160504_192524Aber zum einen war ich dieses Jahr dort schon mehrfach im Taufkirchener Waldbad (gestern erst) und ich wollte ja Erster in Erding sein. Zum anderen stellt das Verlassen einer forensischen Klinik immer eine gewisse Herausforderung dar – zumindest, wenn man nicht Besucher oder Personal ist oder wenn man über Flugpillen verfügt. Das spricht gegen das frühzeitige Anlegen des Neoprenanzugs. Ich lasse das mal lieber.==

Als heute um 6.40 Uhr der Wecker klingelt, bin ich nur Minuten später startklar. Die Schwimmtasche steht längst gepackt und griffbereit im Flur. Ein Griff und es kann losgehen.
Jetzt gilt’s. Bahn frei. Jetzt komm ich…

Wie dieses ungleiche Rennen ausgegangen ist? Versäumen Sie nicht die Fortsetzung. Demnächst in diesem Blog.

– – – – – – – – – – –
214-10Vielen Dank fürs Lesen.
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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