Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2016 / 2. Teil: Spielen im Zustorfer Weiher

Ein Kommentar

2016-zus0129,2km im Neo.
Das ist doch mal was.
Beziegungsweise wäre es.
Geschwommen.
Ich bin aber nicht geschwommen, sondern die Strecke im Auto gefahren.
Ja: Im Neo.
Der Grund ist einfach. Ich wollte unbedingt auch im Rahmen der Challenge 2016 noch einmal zum Zustofer Weiher. Das ist kein besonders aufregendes Gewässer, aber ich muss zugeben, dass ich 2015 bei der Challenge dort sehr geschludert habe. Damals bin ich mehr im sommerwarmen Wasser gedümpelt statt zu schwimmen. Das gilt es aufzuholen.
Soweit ich mich erinnere, sind zwar einige Einstiegstellen und Anglerplätze vorhanden, aber es fehlt an Kiosk, Liegewiese und so weiter, also womöglich an willfähigem Personal vor Ort, das mir den Neoprenanzug schließen wird. Das kann ich ja gar nicht gebrauchen.
Seit ich gelesen habe, dass andere Schwimmer wie Günther Eckert und Martin Tschepe auch im Neo im Auto durch die Gegend fahren, denke ich mir: Was die können, das kann ich auch. Also ziehe ich mir den Neoprenanzug daheim an, lasse ihn mir zuziehen, springe ins Auto, um nur von möglichst wenigen im Dorf gesehen zu werden – und dann geht das los.
Ganz schön warm, so im Neo hinterm Lenkrad. Das merke ich schnell, kämpfe mit Hilfe der Klimaanlage gegen Schweißausbrüche unter der Gummihaut und lächle freundlich die Beifahrerin im Cabrio an, die mich fassungslos anstarrt. Wir stehen an einer roten Ampel nebeneinander, sie schaut herüber und wundert sich nur noch.
„Nicht wundern – Mägdelein. Bewundern,“ möchte ich ihr gerne zurufen, aber ich weiß nicht, ob der Fahrer im rosafarbenen Polo-Shirt und verspiegelter Sonnenbrille das so witzig findet.
Nach exakt 29,2km steige ich am Parkplatz am Weiher aus und bin froh, dass einfach niemand da ist – zwar stehen ein paar Autos dort, aber kein Mensch starrt mich an. Das kommt noch früh genug, als ich endlich im Wasser bin und meine Runden drehe. r-2016-zus03
An den vielen Bänken auf den kleinen Lichtungen am Ufer sind natürlich Menschen. Badegäste. Kinder staksen durch’s knöcheltiefe Flachwasser, zwei verwegene Geschwister schwimmen tatsächlich ein paar Meter. Und ich errege ein wenig Aufmerksamkeit bei den Sonnenbadenden.
Kalt ist das Wasser am Ufer nicht, den Neoprenanzug hätte es nicht unbedingt gebraucht, aber beim Queren des Weihers, ist es dann doch herzhaft frisch. Aber was will man machen, wenn Teile zugunsten heimischer Tier- und Pflanzenarten für Wassersportler gesperrt sind? Da muss man eben quer durch.
Ich finde das nebenbei bemerkt auch richtig so. Zwischendurch nehme ich meine kleine Kamera mit ins Wasser und spiele damit ein wenig. Dann geht es wieder weiter.

Noch immer kein Schwimmer.
Doch.
Ein Hund, groß, schwarz, wild.
Der stürmt ins Wasser, als er mich sieht, und jagt mir nach. Sein Herrchen am Ufer pfeift ihn zuück – und der Hund gehorcht. Das hört man gern.
Weniger gern höre ich den Classico, der unweigerlich vom Halter folgt.
„Der tut nichts, der will nur spielen.“
Aber ich will nicht spielen. Und schon gar nicht mit großen, schwarzen Hunden, die, wenn sie keinen Boden unter den Füßen haben, bedrohlich nah kommen können und sich plötzlich an einen krallen. So etwas hatte ich vergangenes Jahr am Wörthsee. Brauch ich nicht wieder.
Da der Hund aber bereits wieder auf dem Rückweg ist, erübrigt sich der spontane Gedanke, wo zum Teufel ich die Quittung vom nigelnagelneuen Neoprenanzug habe, der sich, hätte der Hund mich erreicht, sicher von dessen Krallen und Gestrampel einen Cut eingefangen hätte. Und da hätte der freundliche Halter gleich mal seine Versicherung anrufen dürfen.r-2016-zus04
„Der hat Sie mit einer Ente verwechselt,“ ruft mir der Mann noch zu, wünscht mir einen weiterhin guten Schwimm und lacht. Sein Hund steht neben ihm und schüttelt sich das Wasser aus dem Fell.
Weitere 1.000 Meter nehme ich mir Zeit, darüber nachzudenken, ob denn eine Ente vielleicht lieber mit dem Hund hätte spielen wollen als ich. Und ich frage mich, ob mein Schwimmstil so scheiße ist, dass mich die Töle mit so ’nem Federvieh verwechseln konnte.
Am Ausgangsort zurück, sind zwei badende Kinder dort. Als ich mir meine Paddle, die ich im Gras deponiert hatte, überstreife, meint das ältere Kind:
„Guck mal – Unterwasserhandschuhe.“
„Nee,“ antwortet das andere Kind. „Handflossen. Dann kann er richtig schnell schwimmen.“
Und genau das werde ich jetzt auch tun – schon der Kinder wegen…r-2016-zus05

 

challenge2016Challenge 2016: 410 km * Mindestens ein Fünfer * Feringasee * BDHSG-Leute zum Schwimmen treffen * Zustorfer Weiher * Goldene Stunde * Ammersee von A nach B * Austrian Open Water im Simssee * Chiemsee: Fraueninsel * Chiemsee Herreninsel * Simssee: Nur so * Hartsee * Kloster Seeon zu Wasser * Pelhamer See * Langbürgner See * Vollmondschwimmen *
– – – – – – – – – – –
214-10Vielen Dank fürs Lesen.
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Ein Kommentar zu “Challenge 2016 / 2. Teil: Spielen im Zustorfer Weiher

  1. Mit 29 km bist du der ungekrönte Neo-im-Auto König, so viel haben Martin und ich zusammen nicht hingekriegt!

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