Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2016 / 3. Teil: Am Pelhamer See

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Nein, ein echter Knaller ist der Pelhamer See nicht. Es gibt zahlreiche schönere Seen. Das muss ich zugeben. Aber weil er nun mal da ist und weil ich die meisten anderen Seen im Chiemgau schon besucht habe und darin geschwommen bin , ist er in die Challenge 2016 einfach mal so mit reingerutscht.
Warum auch nicht?
Vielleicht, weil auf Wikipedia zu lesen ist, dass seine Wasserqualität bemängelt wurde…
Nun – so schnell lasse ich mich davon nicht abbringen. Ich fahre trotzdem hin.
Das heißt: Eigentlich fahre ich gar nicht hin, sondern ich komme bei meinem Plan, im Rahmen meiner selbstgewählten Aufgaben im Klostersee bei Seeon zu schwimmen, mehr oder weniger am Pelhamer See vorbei.
Dann kann ich den auf dem Weg ja eigentlich auch „mitnehmen“. Das wären dann nämlich zwei Fliegen, die mit einer Klatsche geschlagen wurden. Es muss ja mal weitergehen mit der Challenge 2016.
Als ich von Höslwang zum Weiher Pelham komme, der aus wenig mehr als einem Hotel und einem Hochseilgarten zu bestehen scheint, liegt eine schläfrige Mittagsstille über dem Land. In der Ferne sind die Alpen zu sehen, die Wiesen sind gemäht. Kein Mensch weit und breit.r-peh01

Als ich den See erreiche, bemerke ich: Nur eine Handvoll Badegäste, offensichtlich Einheimische, befinden sich auf der Liegewiese. Ein Bauer wendet Heu auf der benachbarten Wiese, der Sommer und die Saison haben eben noch nicht richtig begonnen.
Kein Kiosk, keine Eisbude, kein Nichts. Eine Wiese, ein paar Bänke, ein Steg. Ich verstehe, warum der Pelhamer See eher wenig Menschen anlockt.
Aber ich mag diese Ruhe.

r-peh02

Schnell bin ich umgezogen und im Wasser. Ich bin im ersten Moment überrascht, wie warm es ist, aber eigentlich hätte ich mir das denken können. Die Tiefmoorseen nördlich des Chiemsees sind alle viel wärmer.r-peha03
Mit kräftigen Stößen geht es ein paar Züge am Steg entlang, dann halte ich mich rechts. Ich will parallel zum Ufer schwimmen und in einigem Abstand eine Runde drehen. Zwei Angler mustern mich kritisch aus einem Ruderboot.
Ich rechne fest mit einem Anschiss, es ist nicht das erste Mal, dass Angler mir Flüche hinterher rufen, ich würde ihnen die Fische vertreiben. Vielleicht wollen sie mir auch einen Vortrag über die Naturschutzbestimmungen halten „Schwimmen Sie gefälligst nur an den ausgewiesenen Badeplätzen“… „Genau, da stehen schließlich Schilder!“
Aber nichts davon passiert.
Die beiden aber rudern einfach woanders hin, der See ist groß genug, es ist genug Platz für alle.
Live and let live.
Am anderen Ufer staksen zwei Frauen gerade zögerlich ins Wasser, als ich die Badestelle erreiche. Ich schwimme zwischen ihnen hindurch. Der Spaß muss jetzt sein.
Ihre beiden mitgebrachten Zwerghunde finden das weniger amüsant und bellen mich vom Ufer her wütend an. Sollen sie. Ins Wasser setzen sie keinen Fuß, diese großmäuligen Hasenherzen.
Als ich zum Steg zurückkomme, hat es sich etwas gefüllt, ein paar andere Menschen sind im Wasser. Ein Opa manövriert seine Enkeltochter auf einer Schwimmnudel hin und her, ein Mann bringt seiner Freundin unermüdlich die Grundzüge des Brustschwimmens bei. Ein älterer Mann bemüht sich, mit Kopfsprüngen drei Frauen, die ihm vom Wasser aus zusehen, zu beeindrucken.
Niemand interessiert, was der andere macht, jeder lässt jeden einfach gewähren.
Summertime – and the livin is easy!
Es nimmt auch niemand Notiz davon, dass ich mir die direkt am Ufer in einer Falte meines Handtuchs liegende Unterwasserkamera hole, die natürlich noch an seinem Platz ist. Hier kommt nichts weg.
Durch wen auch?
Ich schwimme ein Stück hinaus, lege einen bedeuten Gesichtsausdruck auf und mache das obligatorische Selfie.
I was here!r-peha04

Dann tauche ich noch mal unter in das moorig-braune Wasser und mache ein paar Fotos.
Mich amüsiert ein wenig der Gedanke, wie viele Leute aus der unbedingten Chlorwasserfraktion das jetzt wieder so abstoßend und eklig finden, dass sie keinen Meter darin schwimmen würden.
Ob das wohl die gleichen sind, die sich im Wellnessurlaub eine Fango-Packung nach der nächsten auf den Rücken klatschen lassen?
Man weiß es nicht. Und man will es auch nicht wissen.r-peha05
Fish are jumpin‘ and the cotton is high.
Ok. Baumwolle wohl eher nicht. Und das Gras wurde gerade erst gemäht.

challenge2016Challenge 2016: 410 km * Mindestens ein Fünfer * Feringasee * BDHSG-Leute zum Schwimmen treffen * Zustorfer Weiher * Goldene Stunde * Ammersee von A nach B * Austrian Open Water im Simssee * Chiemsee: Fraueninsel * Chiemsee Herreninsel * Simssee: Nur so * Hartsee * Kloster Seeon zu Wasser * Pelhamer See * Langbürgner See * Vollmondschwimmen *
– – – – – – – – – – –
214-10Vielen Dank fürs Lesen.
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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