Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2016 / 5.Teil: Reif für die Inseln

Hinterlasse einen Kommentar

Frauenwöhrth im Chiemsee gehört mit Sicherheit zu den absoluten touristischen Highlights der Region. Kaum ein Urlauber lässt die Fraueninsel aus, wenn er am Bayerischen Meer Ferien macht. Viele Male war ich schon auf der Insel, sie gehört zu den klassischen Ausflugszielen, wenn man nicht allzuweit entfernt wohnt, da kommen auch die Naherholer und Wochenendausflügler gerne vorbei. Geschwommen aber bin ich dort noch nicht. Und darum steht eine Inelumrundung auf der Liste der Challenge 2016.frauenumrundung
Wie immer bei solchen Unterfangen, bei denen ich nicht einfach am Ufer losschwimme, schaue ich mir im Vorfeld das Gewässer auf Google Maps an, überlege und zeichne eine grobe Linie und messe Entfernungen.
Der Plan, der dabei herauskommt:
Von Gstadt will ich mit dem Boot zur Insel übersetzen. Vom Nordsteg plane ich über die Insel zu Fuß zum Südufer zu laufen und vorn dort zur Krautinsel zu schwimmen. Die kleine, unbewohnte Insel ist etwa 500m entfernt. Die Krautinsel wird umrundet, dann geht es zur Fraueninsel, die ich gegen den Uhrzeigersinn umschwimmen möchte, bis ich am Ausgangspunkt wieder angekommen sind. Das Ganze sind Pi mal Daumen 3,6 Kilometer. Das ist beruhigenderweise nicht allzu viel. Machbar. Aufpassen müssen wir vor allem am Nordsteg, wo die Boote aus Gstadt anlegen und zwischen den Inseln, dort kreuzen wir die Route der Ausflugsschiffe. Und dann ist da noch der Hauptanlegesteg, auf dem es zugeht, wie auf dem Stachus…
Wieder habe ich mich mit einem, dieses Mal mir unbekannten Schwimmer aus der Facebookgruppe Bist Du heute schon geschwommen verabredet.
Solche Aktionen machen einfach zu mehreren mehr Spaß, letztlich sichert man sich auch gegenseitig ein wenig ab auf der Strecke.
Heute schwimme ich mit Maximilian, mit dem ich mich späten Mittag am Anleger in Gsadt verabredet habe.

r-fris05

Die Urlaubermassen haben den Chiemgau längst erobert, als wir von Gstadt übersetzen. So richtig touristisch sehen wir aus, mit Tasche, Rucksack, Sonnenbrille. Allein der Dialekt unterscheidet Maximilian, der wenigstens ein echter Hiesiger ist, von den umsitzenden Dauerfotografierern.
Am Nordsteg angekommen geht es schnurstraks – soweit das im Pulk möglich ist – nach Süden zur großen Wiese. Dort wollen wir starten. Die Urlauberflut ergießt sich in die Gartenrestaurants.
Für mich ist der Moment gekommen, die Entscheidung zu treffen, ob ich mit oder ohne Neoprenanzug schwimme. Lange genug habe ich das herausgezögert.
Die vergangenen beiden Schwimms im Klostersee und im Pelhamer See gingen ohne, aber die Seen sind wärmer als der Chiemsee und am Wochenende hat es ja oft genug geregnet. Ich rechne mit einer Wassertemperatur zwischen 22°C in den flachen Stellen aber durchaus auch kalten Stellen bei 16°C. Messen werde ich nicht. Aber den Neo anziehen.
Maximilian schwimmt natürlich ohne – die jungen Leute heutzutage, einfach bewundernswert, was die aushalten.
Zügig durchqueren wir das Stück zur Krautinsel, denn hier schippern allaweil die Chiemseerundfahrt und der Linienverkehr von oder zu der Herreninsel durch.
Ein Blick zurück, Frauenwörth liegt erst mal hinter uns. Und die Menschenmassen auch. Der Himmel klart weiter auf: Weiß-blau. Bayerisch.

r-fris03Die Krautinsel ist unbewohnt, schaut verführerisch leer und einladend aus, ich wäre bereit, mich hier für eine überschaubare Zeit anzusiedeln.
Ein paar Segler ankern ringsum. Sie hocken in der Plicht ihrer Boote, essen und schauen uns beim Schwimmen zu. Wenigstens ersparen sie sich zugerufene Sprüche – oder ich höre sie einfach nicht. Vom Südufer winken die Berge herüber. Stumm, wie wohltuend.

r-fris02Schnell mache ich ein Foto, Maximilian wartet schon wieder.
So ist das nun mal. Einer wartet immer – meistens mein Mitschwimmer auf mich. Alter Mann ist schließlich kein D-Zug. (Was mittlerweile völlig sinnentleert ist, denn die Zeit, da die D-Züge die schnellsten auf der Schiene waren, ist ja nun auch seit Einführung des Intercity vor mehr als 40 Jahren vorbei).
r-fris01Mit dem Selfie gibt der Akku der Kamera den Geist auf. Gute Vorbereitung (s.o.) ist eben, nicht nur einen Plan zu haben, sondern auch funktionierendes Equipment. Nichts geht mehr. Da kann ich ja eigentlich weiterschwimmen.
Zurück an der Fraueninsel tuckert schon wieder eine Hundertschaft an Touristen hinter uns vorbei Richtung Hauptsteg. Irgendwie mag ich diesen regen Bootsverkehr hier nicht.
Wir warten im Wasser, bis die Inselrundfahrt weitergeht und das Schiff abbelegt hat, dann schwimmen wir Richtung Norden.
Badestege ragen ins Wasser. Hin und wieder sind sie elegant (na ja) dekoriert mit sich sonnenden Urlauberinnen, die irritert schauen, wenn sich im Wasser etwas bewegt, was menschlich sein könnte. Damit konnten sie aber auch wirklich nicht rechnen.
Rings um die Insel liegen vertäute Boote an Bojen, um die wir herumschwimmen. So richtig prickelnd ist das nicht. Ich hätte das vorher wissen können, ich war ja schon öfter auf derFraueninsel, aber der riesige Schwimmsteg ist neu.
Wenn ich ehrlich bin: So richtig begeistert bin ich von der Schwimmumrundung nicht. Ich hatte mir etwas mehr erwartet; was? Ich weiß es auch nicht.
Als wir an Land gehen, ist die Wiese gefüllt mit einem Gemisch aus picknickenden Familien, rüstigen Rentnerurlaubern, bettelnden Enten und – oh Wunder – eine Frau geht sogar zum Schwimmen ins Wasser. Ein paar Leute beobachten uns, eine freundliche Urlauberin wird zum Fotografieren genötigt, ich drücke ihr das Handy in die Hand, wir posieren:

r-fris08Maximilian hat einen Kescher im Wasser gefunden – der Junge hat aber auch ein Glück. Urlauber fragen, wie weit und wie lange wir geschwommen sind und warum. Wir antworten freundlich… So ist es immer. Wenigstens fragt keiner, ob ich tauchen war.
Als wir im Boot wieder an Land übersetzen, weiß ich, dass ich diese Runde nicht unbedingt noch mal schwimmen muss. Aber für 2017 und den Chiemsee habe ich schon wieder eine Idee…r-fris04

challenge2016Challenge 2016: 410 km * Mindestens ein Fünfer * Feringasee * BDHSG-Leute zum Schwimmen treffen * Zustorfer Weiher * Goldene Stunde * Ammersee von A nach B * Austrian Open Water im Simssee * Chiemsee: Fraueninsel * Chiemsee Herreninsel * Simssee: Nur so * Hartsee * Kloster Seeon zu Wasser * Pelhamer See * Langbürgner See * Vollmondschwimmen *
– – – – – – – – – – –
214-10Vielen Dank fürs Lesen.
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, dann freue ich mich, wenn Sie ihn Ihren Freunden weiterempfehlen – z.B. über Facebook, Twitter, in Internetforen, Facebookgruppen o.ä.
Gern dürfen Sie meine Artikel auch verlinken.
Haben Sie Fragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag? Dann nutzen Sie bitte das Kommentarfeld.

Advertisements

Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s