Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2016 / 6.Teil: Simssee, I did it again

3 Kommentare

Vielleicht ist das Unterfangen törricht. Ich weiß es nicht. In einem Alter, in dem andere kürzer treten, sich dem Magnetismus des Sofas hingeben und sich sportlich überwiegend mit dem Kommentieren von Fußballspielen im Fernsehen begnügen, schwimme ich mal wieder einen Wettkampf.
Aber heißt es nicht auch: Je oller, je doller?
Und hat nicht der Veranstalter des Chiemgau Thermen Langstreckenschwimmens nicht quasi mir zum persönlichen Gefallen die Wertungsklassen geändert? Jetzt heißt es

1993 – 2000 Junioren
1977 bis 1992 Masters 1
1976 bis 1967 Masters 2
1966 und älter Masters 3

Das kommt mir sehr zupass, denn nun muss ich mich nicht mehr hinter den 20 oder 30 Jahre jüngeren durchtrainierten Triathlethen und Ausdauerschwimmern einsortieren – als ob die nur die 2km Distanz schwimmen würden…
14 Schwimmer sind es nur noch in meiner Klasse, Zielsetzung ist, nicht der Vierzehnte zu werden. Denn Dabeisein ist noch lange nicht alles.
Dabei könnte ich mich ja mal nicht mit den Leuten messen, die mitschwimmen, sondern mit denen, die das nicht tun. 2 Kilometer am Stück zu schwimmen, durchzukraulen, das schaffe ich entspannt. Auch mehr. Aber wie viele Freunde, Bekannte, Kollegen in meinem Alter können das auch?
Gut – der eine oder andere kann Dinge, die ich nicht kann, zum Beispiel kilometerweit durch die Berge mit einem Gleitschirm zu fliegen oder ebenfalls kilometerweit durch die Gegend zu rennen oder zu radeln. Aber das ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist, nicht am Sofa zu kleben.
Also bin ich zum zweiten Mal nach 2015 dabei.r-sims17-08

Insgeheim nehme ich mir vor, nicht als letzter durchs Ziel zu schwimmen, ein paar Bist-Du-heute-schon-geschwommen-Leute zu treffen und meine durchaus schwache Leistung vom Vorjahr deutlich zu verbessern. Ansonsten kann ich es auch einfach lassen.

Mich nicht wieder von Schwimmfreund Herbert abhängen zu lassen, kann ich getrost streichen. Herbert fährt zwar mit, geht aber nicht ins Wasser. Kommt bei ihm nicht so gut, wenn er gesundheitlich noch nicht wieder 100% hergestellt ist und am nächsten Tag ans Meer fahren will – ich gebe ihm recht und habe eine Sorge weniger.
Viele Bist-Du-heute-schon-geschwommen-Leute sind am Simssee, von Petra, Anke, Steffen, Oliver, Boris, Martin, Timm und einigen anderen weiß ich das, also läuft man sich in diesem Jahr nicht einfach über den Weg und aneinander vorbei. Ganz verabredungslos finden wir auch so zusammen:

13590450_10206763276943645_7542097511830889617_nDiese „Irren“ aber schwimmen alle sechs Kilometer, ich nur zwei. Fast komme ich mir etwas schäbig und stümperhaft dabei vor, aber ich brauche ja auch noch Luft nach oben, falls ich mich 2017 wieder anmelde.

Rechtzeitig erreichen wir den Campingplatz am Simssee, breiten mitten im Gewühl der anderen Schwimmer die Decke aus, holen die Startunterlagen und dann wird es langsam ernst. Immer mehr Leute kommen, Neoprenanzüge werden ausgepackt, es wird geplaudert, gefachsimpelt, vorbereitet…

Als erstes hole ich Ente, die natürlich mitgekommen ist, aus der Tasche. Sie wünscht mir viel Spaß und entschuldigt sich, dass sie heute nicht mitschwimmen will. Es gibt eben so viel zu sehen.

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Schnell sind die beiden Transponder angeklettet, es folgt ein kleines Warm-Up, ein paar Meter schwimme ich im Neo, von dem ich heute einmal mehr begeistert bin, und dann kann es losgehen.r-sims17-01

Herbert drücke ich die Kamera in die Hand, er kann/soll/darf/muss ein paar Impressionen sammeln. Das macht er auch (Danke dafür).

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Ich lasse den Start entspannt angehen, halte mich weit hinten und seitlich. Sollen doch die, die es unendlich eilig haben, ins Wasser rennen. r-sims17-04Der Pulk der meisten Schwimmer ist vor mir, einige hole ich auf dem Weg zur ersten Boje ein. Ein Weg, der dank eines markanten Gebäudes auf dem gegenüberliegenden Ufers einfach zu finden ist. Dann aber wird es schwierig. Ohne Brille sehe ich sowieso nicht viel, die zweite Boje ist weit, nichts Markantes dahinter. Ich komme einige Male etwas vom Weg ab, frage mich, warum ich den Scheiß hier überhaupt mache, als ich mich beim Orientieren veratme und Wasser schlucke.
Egal – das wird jetzt durchgezogen. Von der zweiten Boje sind es nur noch 500 Meter, zu denen ich dank meiner Zickzack-Schwimmerei beherzt 100 Meter draufschlagen kann.
Dass die aber auch keine Markierungen am Seegrund angebracht haben… fette Strahler wären doch was Feines. So wie Flieger auch auf völlig vernebelter Landebahn damit runterkommen, wäre das auch für mich hilfreich. Die Organisatoren sollten mal darüber nachdenken.r-sims17-05

Als ich das Wasser verlasse, befürchte ich, eine beschissene Zeit hingelegt zu haben, so viele waren vor mir. So wenige hinter mir. Als der Moderator meinen Namen nennt und ich auf die Anzeige schaue, bin ich überrascht.  36 Minuten.
So richtig doll ist das nicht, aber 36 Min habe ich auf 2.000 Meter in den vier Jahren, seit ich wieder regelmäßig schwimme, noch nie geschafft. Und gegenüber dem Vorjahr ist das eine deutliche Steigerung.
Luft nach oben ist nochvorhanden, klar.r-sims17-07

Wir sitzen noch nicht im Auto auf dem Weg nach Hause, da stelle ich mir die entscheidende Frage. Und die lautet nicht, ob ich mich 2017 wieder anmelde. Diese Frage stellt sich nicht.
Die Frage ist, ob ich 2017 entweder 2.000 Meter schwimme und die Zeit noch mal deutlich nach oben zu korrigieren versuche, oder ob ich mich an die 4 Kilometer auf Zeit heranwage.
Gut, dass ich das jetzt nicht entscheiden muss. Dabeisein, aber das sagte ich schon vor einem Jahr, ist eben doch nicht alles. Und Letzter bin ich auch nicht geworden…

Danke an Herbert für die Fotos und an das Team vom TSV Bad Endorf für diesen tollen Tag, der perfekt organisiert war.

 

challenge2016Challenge 2016: 410 km * Mindestens ein Fünfer * Feringasee * BDHSG-Leute zum Schwimmen treffen * Zustorfer Weiher * Goldene Stunde * Ammersee von A nach B * Austrian Open Water im Simssee * Chiemsee: Fraueninsel * Chiemsee Herreninsel * Simssee: Nur so * Hartsee * Kloster Seeon zu Wasser * Pelhamer See * Langbürgner See * Vollmondschwimmen *
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

3 Kommentare zu “Challenge 2016 / 6.Teil: Simssee, I did it again

  1. du bist ja topfit, Lutz und schöne Füße hast Du auch

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