Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Frag doch mal die anderen (Teil 7): Dagmar Reger

Ein Kommentar

Darum geht’s. Heute: Dagmar Reger

Dagmar Reger, ist 44 Jahre alt und wohnt am Fuße der Cevennen in Südfrankreich zwischen Bergen und Meer.

01. Ich schwimme, weil
…ich sonst nie was Anständiges gelernt habe. Nein, ich bin als Jugendliche aktiv geschwommen, habe dann eine Pause von 27 Jahren eingelegt und mache jetzt ein fast-Wechseljahre-bedingtes „Back to the roots“. Außerdem bin ich körperlich behindert und Schwimmen ist eine der wenigen Sportarten, die für mich geeignet sind. Das Wasser bietet mir Möglichkeiten, mich zu spüren und trotz Krankheit, etwas zu leisten. Das ist mir im Alltag sonst ganz oft versagt.

02. Wo und wie hast Du schwimmen gelernt? Wie alt warst Du damals?
Als ich eineinhalb Jahre alt war, musste mein großer Bruder (damals 14 und hochpubertär) mich (unfreiwillig) mit ins Freibad nehmen. Er war etwas angesäuert, dass er mit seiner kleinen Schwester gesegnet war und warf mich (nach seiner Aussage wegen anhaltender Nerverei) vom 5m-Turm. Weil er zu feige war, danach hinter mir her zu hüpfen, schwamm ich bis an den Rand, wo ein kreidebleicher Schwimmmeister mich in Empfang nahm. Natürlich erinnere ich mich nicht mehr daran, aber Augen- und Ohrenzeugen behaupten, ich hätte den Vorgang breit grinsend mit NOCHMAAAAL quittiert. Da meine Mama kurz darauf anfing, in einem Hallenbad zu arbeiten und mich hin und wieder mit zum Dienst nehmen musste, wenn niemand Zeit hatte, auf mich aufzupassen, meldete sie mich bei der DLRG an, wo ich dann mit 25 Monaten Lebensalter meinen Frühschwimmer machte.


03. Am liebsten schwimme ich
im Hallenbad, weil: das  wohl ein Kindheits“trauma“ für mich ist: Der Geruch nach Chlor, die Geräusche der Lampen und Pumpen, die Überlaufrillen, der Blick an die Decke, Kachelnzählen – all das ist für mich wie ein Ausflug in die Vergangenheit (in den schönen Teil davon).


04. Wo findet man Dich im Sommer im Wasser, wo im Winter?

Meistens findet man mich im Hallenbad, aber ein Ausflug ans Meer oder an unsere Bergflüsse kann schon mal dazu führen, dass man mich auch da im Wasser erwischt. Allerdings beschränken sich, wie es sich für den echten verfrorenen Südfranzosen gehört, meine wasserbezogenen Ausflüge an die frische Luft auf den Hochsommer.

05. Bist Du Vereins-/Leistungs-/Wettkampf-/Freizeitschwimmer?
Seit Dezember 2015 wieder Teil eines Vereins und im Januar 2016 werde ich auch wieder einen Wettkampf schwimmen. Natürlich haben die Zeiten aber nichts mehr mit denen gemein, die ich mal vor fast 30 Jahren ins Wasser zaubern konnte…r-dagmarre02

06. Was ist Deine Lieblingsschwimmtechnik und welche magst Du gar nicht?
Am liebsten schwimme ich Rückenkraul, aber besonders begabt bin ich darin leider nicht. Meine beste Technik ist wohl das Kraulen – Brust und Delfin sind nicht meine Freunde, wobei ich noch lieber Brust als Delfin schwimme (was aber auch mit Alter und Kondition zusammenhängt).

07. Was war das aufregendste, schönste, spannendste, dramatischste Schwimmerlebnis, das Du bisher hattest?
Im Juni 1992 war ich mit meinem Bruder auf Rundreise in den USA. Wir waren mit einem befreundeten Ehepaar am Strand in Virgina Beach, und weil die andere Dame auch eine ehemalige Schwimmerin und (wie ich auch) erfahrene Rettungsschwimmerin war, wagten wir uns ein ganzes Stück weiter raus, als es der normale Badebereich so zugelassen hätte. Während wir dort draußen rumdümpelten und die in Virginia Beach nirgendwo zu findende Ruhe genossen, landeten wir mitten in einer ca. 20 Tier umfassenden Delfinschule. Das Wasser verwandelte sich in ein Schaumbad und manche der pfeilschnellen Passanten streiften uns sanft – ein unbeschreibliches Gefühl, gefangen zwischen Faszination, Aufregung, kompletter Reizüberflutung und auch ein bisschen Angst. Ich kam zitternd aus dem Wasser, vor Glück, vor Dankbarkeit und randvoll mit Adrenalin. Bis heute träume ich von diesem Moment und hoffe, ich kann irgendwann mal wieder Ähnliches erleben!

08. Welche Gründe gibt es für Dich, das Wasser zu verlassen statt weiterzuschwimmen?
Ähm, ernsthaft? Wohl nur Temperaturen unter 27°… und der Pfiff des Schwimmmeisters natürlich, wenn das Schwimmbad schließt.

 

09. Der schönste Moment beim Schwimmen ist…
Für mich ist es immer der allererste Zug nach dem Einstieg oder Sprung ins Becken. Bedingt durch meine Krankheit ist der immer noch sehr schmerzhaft, aber mein Körper hat in den letzten Monaten gelernt, dass diese erste Bewegung die Initiation für viele andere ist, die den Schmerz deutlich senken. Ich kann förmlich spüren, wie die Anspannung und die Angst vor den Schmerzattacken im Wasser von mir abfallen… und dann kann ich Geschwindigkeit (was man halt so nennt) aufnehmen.

10. Gibt es Sportarten, die genauso schön sind wie Schwimmen? Oder sogar noch schöner?
Nee

11. Hast Du irgendeinen Schwimm auf der Liste der Dinge, die Du unbedingt noch tun/schwimmen/erleben möchtest?
Hm, im Moment träume ich davon, vielleicht irgendwann mal wieder die Quali für die Frz. Masters zu schaffen und diesen großen, schönen Wettkampf zu schwimmen. Ansonsten würde ich zu gerne mal im T3 trainieren und/oder mal eine Videostudie in einem Gegenstromkanal machen lassen.

12. Mit wem würdest Du gern einmal eine Runde schwimmen gehen?
Wie oben erwähnt, würde ich gerne nochmal mit freilebenden Delfinen schwimmen, aber es gibt auch viele Leute, mit denen ich mit Freude mal ein Becken teilen würde. Das sind aber eher Freunde und Bekannte, von denen ich weiß, sie verstehen, wie ich mich im Wasser fühle, keine berühmten Leute, sondern einfach tolle Menschen. Wirklich wohl fühle ich mich aber (wie auch außerhalb des Wassers) immer dann, wenn mein Mann in der Nähe ist.

– – – – – – – – – – –
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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