Irgendwie ein Wassermann

Einfach nur Baden gehen ist keine Alternative, da geht viel mehr…

Challenge 2016 / 8.Teil: Nachschlagsschwimmen am Simssee

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Ein Gewitter – so hatte es der Veranstalter den Teilnehmern gemeldet – hatte beim Austrian Open Water Cup in der Nacht eine Boje versetzt. Und so war die auf 2.000m abgemessene Strecke schlagartig 130 Meter kürzer. Ich hatte es erwähnt.

Das ist der eine Grund, noch mal zum Simssee zu fahren. Die 130 Meter wollen natürlich nachgeholt werden – alles andere würde gegen die Ehre gehen. Außerdem geht es ja ums Prinzip – und die gute Ordnung.

Der andere Grund ist, dass ich schon im vergangenen Jahr gedacht habe, ich würde in dem See gern noch mal schwimmen gehen – ohne Wettkampf, ohne Zeitnahme, ohne Transponder. Einfach nur so. Der See und ich.
Also fahren Herbert und ich hin. Ich hole mir meinen Nachschlag und lege noch mal einige Meter drauf.

Dieses Mal aber starten wir im Süden des Sees am Strandbad von Pietzing.
Bleiern liegt der See vor uns, Gewitterstimmung hängt in der Luft. Es ist schwül, über den nahen Alpen türmen sich die Wolken. Kaum ein Lufthauch ist zu spüren.
Einige wenige Badegäste – vornehmlich Urlauber – bevölkern die Liegewiese. Pietzing liegt halt etwas ab vom Schuss. Und das macht es perfekt.
nachschlag02

Mir kommt das gerade zupass. Wenn ich eines nicht leiden kann, dann ist es das distanzlose Auf-die-Pelle-Rücken auf dicht gedrängten Liegewiesen. Auch das ist ein Grund, warum ich um die überlaufenen Seen und Strandbäder in und um München meist einen Bogen mache.
Es gibt so viele schöne Seen etwas abseits der Urlauber- und Ausflügerströme. Kaum einer außer den Einheimischen fährt dorthin. Da hat man seine Ruhe. Man muss nur wissen wo.
Herbert und ich beschließen, zunächst von Pietzing aus Richtung Süden zum Strandbad Ecking zu schwimmen, dort den See zu queren und auf die Station der Wasserwacht Baierbach zuzuhalten.
Von der Südwestseite aus wollen wir wieder schräg zurück nach Pietzing.
Ich habe keine Ahnung, wie weit das ist. Denn dieses Mal bin ich zwar routenmäßig vorbereitet, aber eine Baustelle verwehrt uns die Zufahrt zum Strandbad Krottenmühl, von dem wir eigentlich starten wollten. Statt dessen also Pietzing, die ursprünglich angedachte und bereits ausgemessene Runde entfällt.
Zögerlich, ob mit oder ohne Neoprenanzug, breiten wir unsere Sachen auf der Wiese auf. Zwar ist der Simssee wärmer als der Chiemsee, in dem ich einige Tage zuvor nachts ohne Neopren geschwommen bin, aber letztlich entscheiden wir uns doch für die Gummihaut – nötig wäre es vielleicht nicht gewesen, komfortabler war es aber in jedem Fall.
Ein Familienvater, der gerade mit seinen Kindern im Kies im flachen Wasser steht, erkundigt sich, bevor wir starten, nach unserem Ziel. Gern möchte er wissen, welche Strecke wir schwimmen, wie weit das ist und lange wir wohl unterwegs sein werden. Ich antworte ihm, zeige ihm die beiden Wendepunkte an den Ufern und er nickt respektvoll.
„Wie weit ist das denn?“
„Offen gestanden, ich habe keine Ahnung“, erwidere ich. Ich kann Distanzen übers Wasser enorm schwer abschätzen. „Vielleicht drei Kilometer, vielleicht ein wenig mehr.“
„Gutes Gelingen und viel Spaß!“ ruft er mir noch zu, dann widmet er sich wieder seiner Tochter, die gerade etwas im Wasser versenkt hat und nun auf Tauchgang geht.

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Die Boje ist heute auch mal wieder mit dabei – schon allein, weil es einfacher ist, den anderen Schwimmer im Wasser zu sehen, denn wir driften ja alle gern vom optimalen Weg ab. Die Abstände zum Mitschwimmer können nicht nur wegen des unterschiedlichen Tempos ganz schön groß werden.nachschlag04
Als wir an einem Bootshaus auf der anderen Seeseite ankommen, wagen wir eine erste Schätzung, wie weit die Strecke wirklich ist.
„3,2 Kilometer“ spekuliere ich.
Herbert erhöht auf 4 Kilometer.nachschlag06
Ans Zurückschwimmen denken wir vorerst nicht. Es ist einfach so schön entspannend, im warmen, flachen Wasser zu sitzen und sich die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen. Niemand ist da, niemand stört sich an uns. Ich muss ans Schwimmen im Wörtsee im vergangenen Jahr denken. Damals haben Petra und ich auch eine kurze Pause an einem Steg machen wollen – was dem Eigentümer nicht gepasst hat und dessen Köter noch viel weniger.
Aber hier ist totale Ruhe – totale Entspannung.

Trotzdem drängle ich nach 10 Minuten Verschnaufen zum Aufbruch.
Vor uns liegt der längste Teil der Wegstrecke. Und wenn ich auf eines noch mehr verzichten kann als auf Hunde an Badehütten und überlaufene Strandbäder, dann ist es, im Wasser zu sein, wenn sich ein Gewitter zusammenbraut.
Zwar sieht es im Moment nicht danach aus. Trotzdem. Angesagt ist es, die Berge sind nah und die Wolkenberge noch näher.
Auf geht’s!nachschlag05
Als wir zurück in Pietzing sind, registriere ich aus dem Augenwinkel, dass der Familienvater seine Tochter anstubst. Mit seiner Frau und den Kindern sitzt er auf einer Decke und macht Picknick.
„Schau mal, da sind sie wieder“ zeigt er auf mich. „Die waren ja wirklich lange im Wasser. Wahnsinn…“
Ich klopfe mir in Gedanken ein wenig auf die Schultern. Wer ist nicht so eitel, dass er solche Zeichen der Anerkennung nicht gern entgegen nimmt?
Wir packen zusammen, nehmen einen kleinen Imbiss am Kiosk und machen uns auf den Heimweg. Das Gewitter bleibt aus. Den ganzen Tag.
Daheim messe ich die Strecke nach. Luftlinie: 3,6km. Nicht 3,2 und nicht 4,0. Genau dazwischen. Das nenn ich fair.

 

challenge2016
Challenge 2016:
410 km * Mindestens ein Fünfer * Feringasee * BDHSG-Leute zum Schwimmen treffen * Zustorfer Weiher * Goldene Stunde * Ammersee von A nach B * Austrian Open Water im Simssee * Chiemsee: Fraueninsel * Chiemsee Herreninsel * Simssee: Nur so * Hartsee * Kloster Seeon zu Wasser * Pelhamer See * Langbürgner See * Vollmondschwimmen *
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Autor: Lutz Prauser

Mal böse, mal artig, mal bösartig. Satirisch, unabhängig, kritisch, motzig, ironisch - ganz wie es die Situation erfordert. Beobachtend, lauernd, zubeißend. Der will eben nur spielen.

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